Flüchtlingspolitik: Podiumsdiskussion an der FOS/BOS zur Integrationsfrage
"Kleine Unterkünfte sind ideal"

An der FOS/BOS diskutierten (von links) Johanna Meier, Sozialamtsleiterin beim Landratsamt Neustadt, Asylberechtigter Hamza Jirde, Uta Löhrer, Mitarbeiterin der BLZ, Veit Wagner, Sprecher von Amnesty International Weiden und Mitglied des Arbeitskreises Asyl, und Asylberechtigter Ilyas Ali Hassan über das Thema Asyl- und Flüchtlingsproblematik. Bild: Marisa Carniato
Politik
Weiden in der Oberpfalz
29.12.2014
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Die Zahl der Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisenländern der Welt steigt täglich. Alle vier Sekunden entschließt sich dort ein Mensch, seine Heimat zu verlassen. Um die Integration und Unterstützung dieser Personen in Deutschland ging es bei einer Podiumsdiskussion an der FOS/BOS.

Parteipolitische Positionen klammerten die Teilnehmer bei der Podiumsdiskussion zum Thema europäische Asyl- und Flüchtlingsproblematik an der FOS/BOS aus. Das machte bereits die Besetzung des Podiums mit Johanna Meier, Sozialamtsleiterin beim Landratsamt Neustadt, Veit Wagner, Sprecher von Amnesty International Weiden und Mitglied des Arbeitskreises Asyl, und den beiden Asylberechtigten Ilyas Ali Hassan und Hamza Jirde deutlich.

"Ich war 13 Jahre alt, als ich meine Heimat Somalia verlassen habe", erinnerte sich Hamza Jirde, der seit 2012 in Deutschland lebt. "Ich bin in einem Kleinschiff nach Italien gekommen. Von den 130 Passagieren waren 40 Leute tot." Das Schicksal des heute 19-Jährigen ist kein Einzelfall. "Alle vier Sekunden sieht ein Mensch keine andere Chance, als seine Heimat zu verlassen", erklärte Uta Löhrer.

2014 kamen rund 21 000 Flüchtlinge nach Bayern. Mit der erhöhten Zahl der Asylsuchenden in Bayern sei die Behörde restlos überfordert, machte Johanna Meier den Schülern deutlich. Wenn die Behörde bereits am Rädchen drehe, wie gehe es dann den zahlreichen Asylbewerbern, die seit Jahren auf eine Entscheidung ihres Asylantrags warten, fragte eine FOS-Schülerin.

Neben Kritik am Asylverfahren gab es auch Positives zu vermelden. In Weiden habe ein Umdenken stattgefunden, sagte Veit Wagner. "Immer mehr Bürgerinnen und Bürger wollen helfen, die unzureichenden und problematischen Lebensverhältnisse der Flüchtlinge zu verbessern." Bei der Unterbringung der Asylsuchenden in Weiden plädiert Wagner für eine Dezentralisierung. "Kleine Unterkünfte sind wesentlich idealer für die Integration, auch wenn es ein Mehr an Arbeit für die Behörde bedeutet."

Um Integration geht es auch Ilyas Ali Hassan, der einen Verein namens Somali Plus in Weiden gründen möchte. Als konkrete Anlaufstelle soll dieser Verein Asylsuchenden aus Somalia und anderen Nationen den Beginn eines neuen Lebens in einer neuen Heimat erleichtern.

"Ein aktuelleres Thema hätte man sich gar nicht aussuchen können", hatte stellvertretende Schulleiterin Gabriele Dill zu Beginn des Podiumsgesprächs gesagt, das die Lehrkräfte Verena Bauer und Christian Tranitz in Zusammenarbeit mit der Europäischen Akademie Bayern (EAB) und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (BLZ) organisiert hatten. Thorsten Kerl und Dominik Tomenendal von der EAB, hatten die Schüler am Vormittag in Workshops auf die Veranstaltung am Nachmittag vorbereitet. Uta Löhrer, Mitarbeiterin der BLZ, übernahm die Moderation des Gesprächs.
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