Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramms birgt für Weiden Gefahren
Angriff auf die Oberzentren

Die Stadt Waldsassen im Stiftland (unser Bild zeigte das berühmte Kloster) soll nach Vorstellungen des Finanzministeriums weiteres Oberzentrum werden. Der Weidener Stadtrat lehnt dies ab, weil er finanzielle Nachteile für das Oberzentrum Weiden befürchtet. Interessant: Ausgerechnet in Waldsassen beraten die Mitglieder des Finanzausschusses über den Haushaltsentwurf 2017. Bild: mür
Politik
Weiden in der Oberpfalz
15.11.2016
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Es hört sich zwar bürokratisch, aber harmlos an: Teilfortschreibung Landesentwicklungsprogramm Bayern. Doch es ist teilweise alles andere als harmlos. Das zeigte sich am Montag im Stadtrat.

Stadtplaner Friedrich Zeiß kündigte an, dass man sich im Anhörungsverfahren der ablehnenden Haltung des Städtetages anschließen wolle. Es sei kurios, wenn im Umland weitere Gemeinden als Oberzentren ausgewiesen werden sollten. Zudem solle erstmals mit einer bewährten Tradition gebrochen werden, indem geplant ist, das sogenannte Anbindegebot zu lockern. Damit könnten zum Beispiel an Autobahn-Kreuzen zusätzliche Industriegebiete und Einkaufsmärkte entstehen.

Lage "verwässert"


Von einem Angriff auf die bestehenden Oberzentren, vor allem in der Größenordnung von 40 000 bis 60 000 Einwohnern, sprach Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Weiden halte breitgefächerte Schulangebote, kulturelle Einrichtungen und solche zur Gesundheitsvorsorge sowie Freizeitangebote vor. Man sei zwar finanziell besser ausgestattet, aber nicht ausreichend. "Wenn nun weitere Oberzentren kommen wie Waldsassen, wird die Situation weiter verwässert", befürchtet Seggewiß. "Das mache keinen Sinn. Den Protest hält der OB zwar für notwendig, er zeigt sich aber wenig optimistisch. "Die Messen sind schon gesungen."

Das hofft Hans Blum (CSU) nicht. Man wolle auf die Partei einwirken und bei den Gremien noch einmal nachhaken. "Es kann doch nicht jeder jede Aufgabe erfüllen." Grünen-Fraktionschef Karl Bärnklau kritisierte das Finanz- und Heimatministerium, das nicht direkt auf das Anhörungsverfahren aufmerksam gemacht habe.

Öffnung für Märkte


Als zu kompliziert empfand Prof. Dr. Theo Klotz (Bürgerliste) den Text des Städtetages. "Schreiben wir doch einfach: Wir lehnen ab." Waldsassen könne kein Schul- und Krankenhausangebot wie Weiden vorhalten. Den "wahren Grund" für die Pläne des Finanzministeriums kannte Rainer Sindersberger (Freie Wähler/Bürgerliste). "Es geht um eine massive Öffnung, um weitere Märkte mit über 1200 Quadratmetern zulassen zu können."
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