Frauenhaus eine Pflichtaufgabe
Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen beschäftigen sich mit Thema Gewalt

Waltraud Koller-Girke, MdL Annette Karl, die Leiterin des Frauenhauses Astrid Baierl, AsF-Bezirksvorsitzende Christine Trenner, die auch eine kleine Spende überreichte, AsF-Unterbezirks-Vorsitzende Sabine Zeidler und Dr. Sema Tasali-Stoll (von links) informierten sich über die Arbeit des Frauenhauses. Bild: Dobmeier
Politik
Weiden in der Oberpfalz
01.04.2016
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Die gewalttätigen und sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln haben die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Bezirk Oberpfalz alarmiert. Zur Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt gehörte jetzt auch ein Besuch im Frauenhaus in Weiden.

"Aufklärung ist dringend erforderlich", sagte die Bezirksvorsitzende der AsF, Christine Trenner. An ihrer Seite waren unter anderem MdL Annette Karl und die AsF-Unterbezirksvorsitzende Sabine Zeidler. Astrid Baierl, die Leiterin des Frauenhauses, das unter der Trägerschaft der Diakonie steht, verwies darauf, dass es die Einrichtung seit 20 Jahren gibt. Das Einzugsgebiet umfasst neben der Stadt Weiden auch die Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth. Sieben Plätze hält die Diakonie für betroffene Frauen vor und natürlich entsprechende Plätze für die Kinder.

Ehrenamtliche gesucht


Eine Rufbereitschaft rund um die Uhr sorgt für eine Aufnahme zu jeder Zeit. Um dies zu gewährleisten, ist viel ehrenamtliches Engagement nötig. Deshalb werden auch immer ehrenamtliche Kräfte gesucht (bei Diakonie melden). Im letzten Jahr nahmen 52 Frauen und 71 Kinder das Angebot des Frauenhauses an.

Zur Finanzierung erläuterte Baierl, dass ein Festbetragszuschuss zu den Personalkosten aus Mitteln des Bayerischen Sozialministeriums kommt. Ferner beteiligen sich die Stadt Weiden sowie die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth an den Grundkosten. Die restlichen Mittel bringt das Diakonische Werk aus Eigenmitteln auf, weshalb das Haus auf Spenden und Unterstützer angewiesen ist. Die Beteiligung der Landkreise und der Stadt sind jedoch freiwillige Leistungen. Eine Forderung an die Politik gab Christine Trenner weiter an Annette Karl: "Dies muss eine Pflichtaufgabe werden."

"Besonders die Kinder erleben die häusliche Gewalt gegen die Mütter sehr intensiv" berichtete Astrid Baierl weiter. Zuzuschauen, wenn die Mutter geschlagen wird, verursacht große psychische Schäden. Das Leben im Frauenhaus bietet nicht nur Schutz und Unterkunft für die betroffenen Frauen und Kinder, sondern hilft auch bei der Verarbeitung der Gewalterfahrung. Betroffene erhalten neue Lebensperspektive, Beratung und Hilfe, den finanziellen Aspekt zu schultern. Die Kooperation mit den nötigen Fachstellen, wie Jugendhilfe, psychosoziale Dienste, der Polizei, der Justiz, Jobcenter und den Sozialhilfeverwaltungen sei gewährleistet.

Auch bei der Wohnungssuche erfahren die Frauen Hilfe. "Es ist nicht immer leicht, all diese Betreuung zu leisten, da viele zusätzliche Aufgaben wie Hausorganisation viel Zeit in Anspruch nehmen. Es wäre eine hauswirtschaftliche Fachkraft dringend notwendig", so Baierl. "Diese Fachkraft ist jedoch im Personalschlüssel nicht vorgesehen."

Auch Asylbewerberinnen sind unter den Frauen, die im Frauenhaus Schutz suchen. Probleme dabei bereiten vor allem der nicht geklärte Aufenthaltsstatus und die mangelnden Sprachkenntnisse. "Eine Begleitung ist hier zu jedem Amt erforderlich", erklärt Baierl. Die einfache Lösung wäre ihrer Meinung nach, den "Täter" Mann weiter weg unterzubringen. Dies müsse aber von der Regierung genehmigt werden. Die AsF fordert schon lange eine separate Unterbringung von Flüchtlingsfrauen mit abschließbaren Räumen und eigenen sanitären Anlagen.

Jede vierte Frau


85 Prozent aller aktenkundigen Gewalttaten werden in der Familie verübt. Studien haben gezeigt, dass jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens von häuslicher Gewalt betroffen ist. Häusliche Gewalt umfasst körperliche, sexuelle und psychische Gewalt. Mit 90 bis 95 Prozent sind Frauen die Opfer und Männer die Täter. Die häusliche Gewalt betrifft alle Schichten der Gesellschaft, jedoch sind meist Frauen ohne Einkommen betroffen. Die Abhängigkeit vom "Ernährer" hält viele Frauen ab, sich zu trennen. Die Angst vor dem weiteren Leben ist groß.
Zuschauen zu müssen, wenn die Mutter geschlagen wird, verursacht bei Kindern große psychische Schäden.Astrid Baierl, Leiterin des Frauenhauses
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