Freie Wähler präsentieren sich als bessere Alternative für Deutschland
Der Multi-Vorsitzende ist so frei

Hubert Aiwanger zu Besuch in Weiden. Bilder: Herda
Politik
Weiden in der Oberpfalz
01.07.2016
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Pfiffig: Hubert Aiwanger steht für eine Koalition mit der CSU bereit. Bild: jrh

Sein Ruf eilt ihm voraus. Hubert Aiwanger ist berüchtigt für seine Verspätungen - meist steht er im Stau. Kurz vor dem Termin klingelt das Telefon: "Ich steh' im Stau bei Lappersdorf." Dann aber präsentiert er seine Freien Wähler (FW) als die bessere Alternative für Deutschland.

Vielleicht ist das so, wenn einer Landes-, Bundes- und Fraktionsvorsitzender, junger Vater und Nebenerwerbs-Schweinezüchter ist. Der Mann zerreißt sich. Im Alleingang hat er aus dem lockeren Honoratioren-Bund der Freien Wähler, oft abtrünnige CSU-Bürgermeister ohne landespolitische Ambitionen, eine schlagkräftige Partei gemacht - der Pablo Iglesias der bayerischen Politik. Und dann das.

"Viele von uns sind verärgert", sagt Hubert Aiwanger. Da überreicht er dem Ministerpräsidenten eine Unterschriftenliste, um ein Referendum gegen TTIP, Ceta und Tisa zu erzwingen, und dann steht in den Überschriften der Medien: "Seehofer rügt Juncker". Ausgschamt "Warum steht in der Überschrift nicht Freie Wähler übergeben 20.000 Unterschriften?" Oder noch schlimmer, der AfD-Hype: "Ich bin als FW-Chef noch nicht ein einziges Mal in einer Talkshow gesessen", brummt er, "aber Höcke darf auf der Couch von Günther Jauch die Deutschland-Fahne entrollen."

Da wird ständig gejammert, wie inhaltsleer Politik sei - und wenn dann einer wie der niederbayerische Landwirt Themen besetzen möchte, hört keiner zu. Dabei hat Aiwanger zu fast allem was zu sagen:

TTIP & Co.: Ein gewisser Teil wähle AfD aus Protest - auch deswegen, weil sie gar nicht wüssten, dass die FW die bessere Alternative sei: "Wenn wir nicht mit unseren Themen durchdringen, wenn nicht klar wird, AfD und CSU sind für TTIP, und wir sind als einzige dagegen, dann ist es kein Wunder, dass die enttäuschten Wähler nach rechts abwandern."

Brexit & Volksabstimmungen: Beim Brexit sei vieles vermengt worden. "Man hat über die gescheiterte Flüchtlingspolitik der EU und Merkels abgestimmt", sagt er. "Wie kommt man dazu, über die EU das Thema zu uns rüberzuspielen?", hätten sich "Out"-Briten gefragt. "Merkel hat diesen Brexit mitverschuldet." Volksabstimmungen seien die "Stunde der Wahrheit", Politik müsste eben umsteuern. Ohne dieses Ventil käme es am Ende zu "Bürgerprotesten bei denen die Vorstädte brennen wie in Frankreich".

Fluchtursachen in den Herkunftsländern bekämpfen: "Wir werden nicht drum herumkommen, wie die USA oder Kanada mit Einwanderungsgesetzen zu definieren, wie viel Zuwanderung erlaubt ist." Aiwanger fordert: "Über den Asylantrag muss in Einrichtungen außerhalb Europas vorentschieden werden."

Energiewende & Stromtrassen: "Im Unterschied zu allen anderen Fraktionen im Landtag haben wir immer gesagt, wir brauchen keine Stromtrassen", betont der FW-Chef. "Sie sind viel zu teuer, es ist viel zu viel Eingriff in die Landschaft, das wird nicht kommen." Die Freien seien klar für den Ausbau regenerativer Energien, sie seien die billigste Stromquelle: "Sonne und Wind hat uns der liebe Gott kostenlos zur Verfügung gestellt." Die Lobbyisten hätten diese aber über die EEG-Reformen abgewürgt. "Die CSU schafft es, das Gegenteil zu vermarkten - klar, dass sie nicht an Seite der Energiewende steht."

Fracking & Endlager: "Der Bund hätte noch weitergehen können und es ganz verbieten", kann Aiwanger mit der neuen Gesetzeslage leben, "aber Bayern kann damit Fracking platt machen." Ein Endlager für Atommüll in Bayern lehnt er ab: "Gorleben ist geeignet, die Debatte nach Endlagern in Bayern nicht nachvollziehbar." Andererseits müsse man sich nach jahrzehntelanger CSU-Atompolitik im Klaren sein: "Wir bleiben über mehrere Generationen auf dem Dreck sitzen." Bis Ende des Jahrhunderts blieben Lager, wie das Zwischenlager in Ohu, in Betrieb und seien de facto ein Endlager.

Bäuerliche Landwirtschaft & Handelsketten: "Die Politik sitzt an der Seite der Supermarktketten." Vonnöten sei eine Aussöhnung zwischen Verbrauchern und Erzeugern: "Wir müssen den Direktbezug erleichtern, mehr Wertschöpfung vor Ort ermöglichen - etwa mit Milchtankstellen in der Lobby der Supermärkte."

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Das Interview in voller Länge:

www.onetz.de/
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