Gedenkfeier zur Pogromnacht mit Henny Brenner
Gegen Gewalt und Vergessen

Bei der Gedenkfeier zur Pogromnacht spricht Kantor Alexander Zakharenko (rechts) das jüdische Totengebet Kaddisch. Geigerin Alla Dubrovina begleitet die Veranstaltung. Dahinter (von links) Zeitzeugin Henny Brenner und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Bild: Bühner

Die Schreckensnacht mag bald acht Jahrzehnte zurückliegen. Sie sollte dennoch in Erinnerung bleiben. Das mahnen die Redner bei der Gedenkfeier zur Pogromnacht an. Denn die Ereignisse könnten sich wiederholen.

Dunkle Abendstimmung in fast eisiger Novemberkälte. Andächtige Stille, immer wieder unterbrochen vom lauten Klagegesang des jüdischen Kantors Alexander Zakharenko oder von der ergreifenden Geigenmusik von Alla Dubrovina: Tief bewegend gestaltete sich die Gedenkfeier in der Konrad-Adenauer-Anlage zum 78. Jahrestag der Pogromnacht. Auch die Namen der im Holocaust ermordeten Weidener Juden wurden verlesen, Schüler legten Steine und Kerzen vors Mahnmal.

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und die Jüdische Gemeinde hatten zusammen mit der Stadt zum Gedenken eingeladen. "Ich bin wohl die einzige unter allen Besuchern, die persönlich das Geschehen in der sogenannten Reichskristallnacht hautnah erlebt hat", sagte Henny Brenner als Zeitzeugin in ihrer kurzen Ansprache.

Dabei erinnerte sie an das damalige Geschehen in Dresden, als das von Baumeister Gottfried Semper geplante jüdische Gotteshaus niedergebrannt wurde. So etwas dürfe nie wieder vorkommen. Mehr noch: "Kein Gotteshaus irgendeiner Religion darf diskriminiert werden." Den Jugendlichen rief Brenner zu: "Passt auf, dass wir die Demokratie weiterhin erhalten, denn auch heute wird wieder Hass gestreut."

Auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß erinnerte an "die dunkelste Stunde deutscher Geschichte". Pfarrer Peter Peischl fragte: "Was wäre gewesen, wenn die Menschen damals nicht ,Heil Hitler' sondern ,Grüß Gott' oder ,Schalom' gerufen hätten?" Er warnte, dass sich die Geschichte auf die eine oder andere Art wiederholen könnte.

Peischl, Pfarrer Alfons Forster und trugen Kantor Zakharenko abwechselnd Fürbitten vor. Sie baten, dass die Erinnerung an die Verbrechen der Nazizeit immer wach bleibe. Und dass der Kreislauf von Schuld und Aufrechnung durchbrochen werde. Texte von Pastor Walter Niemöller trugen Felix-Schüler aus Neustadt/WN unter Leitung von Fachoberlehrer Norbert Freundorfer vor. Dabei gingen die Schüler auch auf die Ähnlichkeiten von Flucht aus dem Nationalsozialismus und aktueller Flüchtlingssituation ein.
Weitere Beiträge zu den Themen: Gedenkfeier (20)Pogromnacht (2)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.