Genug Drogen für eine Kleinstadt

Der Prozess gegen eine "Vietnamesen-Bande" wegen Drogenschmuggels neigt sich dem Ende zu. Und das soll für die Angeklagten heftig werden. Das meint zumindest der Staatsanwalt, der hohe Strafen fordert.

Mit einem vor allem für die auswärtigen Verteidiger überraschend hohen Strafantrag schloss am Mittwoch Staatsanwalt Rene Doppelbauer sein Plädoyer im Prozess gegen vier Rauschgiftschmuggler vietnamesischer Herkunft. Je zehn Jahre für die drei Erwachsenen und fünf für den Heranwachsenden mit tschechischer Staatsangehörigkeit forderte der Anklagevertreter. Er sah die 20, 37 und 40 Jahre alten Männer und die 27 Jahre alte Frau als "Mitglieder einer vietnamesischen Gruppierung, die sich mit Anbau von Marihuana in diversen europäischen Staaten sowie Lieferung von Methamphetamin von Tschechien nach Skandinavien" befasst.

Dutzende Indizien

Dutzende von Indizien hätten dies belegt, führte Doppelbauer aus. Nachdem die Angeklagten auf der A 6 bei Waidhaus mit 418 Gramm Crystal, versteckt in einer Packung Damenbinden und zwei Turnschuhen, gefasst worden waren, seien auf ihren sichergestellten Mobiltelefonen mehrere verdächtige Nachrichten aus Schweden eingegangen. Trotz ihrer - nach eigenen Angaben - geringen Einkünfte als Koch, Autoaufbereiter oder Nagelstudiobetreiberin in Tschechien hatten sich die Vier lange Zeit regelrecht wie Touristen durch ganz Europa bewegt.

Nachgewiesen werden konnten ihnen Aufenthalte in Hotels und Restaurants sowie Zugfahrten und Flüge nach Dänemark, Frankreich, Belgien, Niederlande und Deutschland. Weitere Hinweise auf Verstrickungen ins Rauschgiftgeschäft: Kommunikation per Handy, bei der es eindeutig um Drogen ging, und Gespräche mit Landsleuten, kurz bevor diese auf der "Svinesundbrücke" zwischen Schweden und Norwegen beim Rauschgifttransport festgenommen wurden.

Aus Kontakten mit Firmen, die Zubehör für "Indoor-Plantagen" vertreiben und Bestellungen von "Düngemitteln" folgerte er, dass dies für den Anbau von Marihuana gedacht war. Schließlich hätten sich alle vier Angeklagten immer wieder widersprochen, ihre bei der Polizei gemachten Aussagen beim Ermittlungsrichter revidiert und vor Gericht dann wieder andere Versionen aufgetischt. Staatsanwalt Doppelbauer hielt dem Quartett die U-Haft von mehr als einem Jahr zugute. Er lastete jedoch die Gefährlichkeit der Droge Crystal und die große Menge an. Diese hätte für 10 000 Konsumeinheiten ausgereicht. Genug, "um eine Kleinstadt in einen Rausch zu versetzen".

Sofort nach Hause?

Vor Doppelbauers fast eineinhalbstündigem Plädoyer waren Rechtsanwalt Peter Kanev und Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl als Zeugen gehört worden. Kanev, der zwischenzeitlich Verteidiger des 20-Jährigen gewesen war, sagte aus, dass er dem Heranwachsenden nie zugesagt habe, er könne bei einem Geständnis "sofort nach Hause" gehen. Härtl bestätigte, dass er "bei Aufklärungshilfe zur Aufdeckung der Strukturen und einem Geständnis" ein Urteil "mit Bewährung" in Aussicht gestellt habe. Am heutigen Donnerstag um 9 Uhr werden die Verteidiger plädieren.
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