Gericht verurteilt Einbrecher zu dreieinhalb Jahren Haft
Überfall im Flur

An einem Augustmorgen 2014 stand einer 36-jährigen Leuchtenbergerin im Hausflur plötzlich ein maskierter Mann gegenüber. Der große Kerl hatte die Haustür aufgehebelt, das Telefonkabel aus der Wand gerissen und bedrohte die verheiratete Frau mit einem Schraubenzieher. Lautstark forderte er die Autoschlüssel für den Audi im benachbarten Carport. Zuvor hatte der Tscheche erfolglos versucht, das Auto zu stehlen und einige Elektrowerkzeuge aus dem Keller des Einfamilienhauses geklaut.

Doch der athletisch gebaute Räuber rechnete nicht mit der Wehrhaftigkeit der zierlichen Frau, die zu diesem Zeitpunkt mit ihrem dreijährigen Sohn allein zu Hause war. Die 36-Jährige schlug und trat nach dem Einbrecher als dieser sie packte. Mit einem Deko-Holzpflock aus dem Flur schlug sie dem Vermummten dreimal auf den Kopf, woraufhin er schließlich flüchtete.

Die Polizei nahm ihn nach kurzer Fahndung fest. Am Donnerstag stand er vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl. Er sei unter Drogen gestanden, sagte der Pilsener. Er bereute seine Tat und entschuldigte sich bei der Hausfrau. Eine Blutuntersuchung hatte so hohe Methamphetamin-Werte ergeben, dass sie mit den Mess-Skalen des forensischen Instituts nicht mehr erfassbar waren. Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder bescheinigte die starke Abhängigkeit. Eine Therapie sei aber wenig erfolgversprechend, da der Tscheche nicht der deutschen Sprache mächtig sei und wenig Einsicht zeige.

Die Leuchtenbergerin hat Prellungen und Abschürfungen davongetragen. Schlimmer sei, dass sie sich seit dem Vorfall vor der Dunkelheit fürchte, bei jedem Geräusch aufschrecke und sich in ihrem Haus nicht mehr sicher fühle. Den Schaden am Auto in Höhe von 2900 Euro hat die Versicherung bis auf 300 Euro Selbstbeteiligung ersetzt.

Den "Höhepunkt eines dissozialen und kriminellen Lebens" sah Oberstaatsanwalt Rainer Lehner in der Tat. Mehr als sieben Jahre Haft habe der Angeklagte in Tschechien wegen Einbrüchen und Diebstählen schon verbüßt. Zugute zu halten sei ihm, dass er gegen die körperlich unterlegene Frau nicht mit aller Gewalt vorgegangen sei sowie sein Geständnis.

Lehner beantragte drei Jahre und neun Monate Haft. Rechtsanwalt Peter Kanev (Alten-Busek) wertete den versuchten Raub als "minder schwer" und plädierte auf drei Jahre. Heindl und die beiden Schöffen verurteilten den gelernten Maurer wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, schwerer räuberischer Erpressung und Körperverletzung am Ende zu dreieinhalb Jahren.
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