Gesetze bremsen Integration
Ausbildung ja, Führerschein nein

Nur in der Werkstatt darf sich der 19-jährige Auszubildende Esatullah (Mitte) auf das Quad setzen. Betriebsinhaber Wolfgang Stahl (links) und Arbeitsvermittlerin Christine Bäuml hoffen auf Hilfe. Bild: Bühner
Politik
Weiden in der Oberpfalz
04.11.2016
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Mehrere neue Gesetze erleichtern jungen Flüchtlingen die Aufnahme einer Ausbildung. Doch in der Realität gibt es noch immer Hindernisse. Ein Beispiel: "Wie soll Esatullah ein Quad reparieren, wenn er keine Probefahrt machen darf?"

Das fragt Cordula Stahl von der Firma Stahl Gartengeräte und Kommunaltechnik in Neunkirchen. Grundsätzlich sei die Geschichte von Esatullah Ahmadzai ein Musterbeispiel für eine gut funktionierende Integration eines jungen Flüchtlings, meint sie. Der junge Afghane ist vor zweieinhalb Jahren als unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland geflohen. Weil er sehr ehrgeizig und intelligent ist, schaffte er in der Integrationsklasse der Europaberufsschule sogar den Hauptschulabschluss. Im Zuge einer Einstiegsqualifizierung, finanziert von der Arbeitsagentur Weiden, kam Esatullah zur Firma Stahl.

Erfolg bei Wohnungssuche


Das Unternehmerehepaar Wolfgang und Cordula Stahl lernte ihn in dieser praktikumsähnlichen Maßnahme ein Jahr lang kennen. "Er hat uns absolut überzeugt, ist hundertprozentig zuverlässig und auch längst im Betrieb integriert", stellt Cordula Stahl fest. Deshalb hat er zwischenzeitlich ein festes Ausbildungsverhältnis als Land- und Baumaschinenmechatroniker. Selbstverständlich müsse man sich um Esatullah etwas mehr kümmern, als um einen deutschen Auszubildenden, ergänzt die Chefin und verweist auf Hilfe bei Wohnungssuche und Behördengängen. Zudem ist es gelungen, für Esatullah und einen anderen Flüchtling eine Wohnung in der Nähe der Ausbildungsstätte zu finden.

Für Teamleiter Klaus Gredinger und Arbeitsvermittlerin Christine Bäuml ist die Geschichte von Esatullah ein Musterbeispiel für gelingende Integration. Deshalb besuchen die beiden das Unternehmen und hoffen, dass möglichst viele andere dem Beispiel der Firma Stahl folgen. Dabei stellt sich allerdings heraus, dass es noch zwei wesentliche Hindernisse gibt, die einem erfolgreichen Ausbildungsverlauf von Esatullah entgegenstehen. Cordula Stahl: "Er bräuchte unbedingt zusätzlichen Deutschunterricht. Am schlimmsten ist, dass er keinen Führerschein machen darf, weil er nur eine eingeschränkte Bleibeberechtigung besitzt." Ausbildung sei erlaubt, auch danach eine zweijährige Weiterbeschäftigung, aber kein Führerschein. Dieser sei dringend notwendig, weil sich das Unternehmen mit dem Verkauf und der Wartung von Quads längst ein zweites Standbein aufgebaut habe.

Dass die Arbeitsagentur für den erforderlichen Deutsch-Unterricht sorgen wird, lindert die Sorgen des Ausbildungsbetriebs um den Ausbildungserfolg ihres Azubi immerhin etwas. Wie integriert Esatullah Ahmadzai im Betrieb ist, zeigt ein Bild auf die Homepage des Unternehmens. Dort steht sein Bild bereits an sechster Stelle von neun Fotos.
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