Gewerkschaft der Polizei beklagt: Nach 40 Jahren gibt es keine Ersatzteile mehr
Dienstwaffe darf nicht schlapp machen

Heinrich Rewitzer, Gewerkschaft der Polizei. Bild: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
11.02.2016
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"Meine Pistole ist mit mir groß geworden. Die ist super, fast neuwertig. Aber es gibt keine Ersatzteile mehr." Kein Wunder: Schließlich ist Heinrich Rewitzer schon fast 40 Jahre im Dienst. Er zeigt im DGB-Pressegespräch die Sorgen der Gewerkschaft der Polizei auf. Und die sind nicht ohne. Die positive Darstellung vonseiten der Politik, was die Personalmehrung betrifft, bezeichnet er als "Augenwischerei".

Wer die Übergriffe an Silvester in Köln im Fernsehen verfolgt habe, der wisse, mit welchem Problem die Polizei zu kämpfen hat. "Wir sind unterbesetzt, können nur noch agieren und taktieren." 2,5 Millionen Überstunden allein in Bayern machten deutlich, dass Polizisten selbst "im sichersten Bundesland" der Republik - wie Innenminister Joachim Herrmann gern betone - "seit Langem an der Grenze der Belastbarkeit und darüber sind", sagt Rewitzer. 10 000 Neueinstellungen bis 2025 habe die Politik jetzt versprochen. "Das klingt zwar gut. Aber pro Jahr gehen über 1000 Polizisten in Pension."

"Mangel war absehbar"


Was den Gewerkschaftsvertreter besonders ärgert: Der Mangel sei seit Langem absehbar gewesen. Vor knapp 40 Jahren seien "Baader-Meinhof" aktiv gewesen. "Damals wurden viele Polizisten eingestellt. Seitdem klafft die Schere zwischen Abgängen und Neueinstellungen auseinander." Dazu kommt: "Viele dieser Kollegen werden in den nächsten Jahren in Pension gehen."

Angesichts des Personalmangels sei es zwar verständlich, dass kleinere Inspektionen - wie die in Vohenstrauß - auf den "Eisernen Schutzmann" umstellen. Sprich: Es gibt nachts nur einen Notrufknopf. Auf Dauer sei das aber nicht akzeptabel. Im Gegenteil: Um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken, seien sogar mehr Dienststellen vor Ort nötig. Die Politik müsse endlich handeln. "Wir fordern eine seriöse Analyse der Arbeitsbelastung und massive Neueinstellungen", erklärt Rewitzer namens der Gewerkschaft der Polizei.

Die Politik habe angekündigt, die Mittel für die Polizei um 80 Millionen Euro aufzustocken - unter anderem für ein Einsatztrainingszentrum. Das sei aber auch dringend notwendig, meint Rewitzer im Blick auf seine betagte Dienstwaffe, für die es - wie gesagt - keine Ersatzteile mehr gibt. Schließlich werde die Ausrüstung immer störanfälliger.

Rewitzer hofft zudem, dass die Vorfälle in Köln den Anstoß geben, in punkto Prävention nachzubessern. Denn: Videokameras könnten zwar dabei helfen, den Täter im Nachhinein zu fassen. Aber: "Um etwas zu verhindern, brauche ich den Schutzmann vor Ort." Mit einem Wort: mehr Polizeibeamte.
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