Grundsteinlegung für das Nordoberpfalz-Center
Einzelhandelsmotor der Region

So soll das NOC aussehen wenn es im Frühjahr 2018 eröffnet wird. (Foto: Fondara)
Politik
Weiden in der Oberpfalz
25.11.2016
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Fondara-Vorstand Thomas Schumacher bei der Grundsteinlegung des Nordoberpfalz-Centrum. Bild: Gerhard Götz
 
So soll die Neue Münze in Amberg einmal aussehen. Eröffnung könnte in drei Jahren sein. Grafik: Gewerbebau Amberg

Das große Hallo bei der Grundsteinlegung für die Stadtgalerie hätte sich Thomas Schumacher feierlicher vorgestellt. Schließlich sollte am Freitag der Startschuss für den Bau eines Handelsmagneten für die ganze Region fallen. Das gewünschte Shop-Outing sei dagegen "branchenunüblich".

Ganz so befremdlich findet Kurt Seggewiß den Gedanken nicht, man könne bei diesem Anlass erfahren, welches Ankergeschäft rein kommt und wie sich der Branchenmix zusammensetzt. Noch am Vortag sagte der Oberbürgermeister unserer Zeitung, er rechne fest mit Namen. Schließlich befasste sich nicht ohne Grund ein Runder Tisch jahrelang mit der Thematik, wie ein neues Einkaufszentrum Handelsmagnet für die Stadt und das Umfeld werden könne, ohne den Einzelhandel zu gefährden.

Unwidersprochen bleibt Schumachers These, dass die "100-Millionen-Euro-Investition" (laut Investor) Einzelhandelsmotor für die nördliche Oberpfalz werden kann. "Warum investiert Fondara so viel Geld?", fragt der Vorstand. "Weil wir Vertrauen in den Standort und seine Potenziale haben." Man benötige ein stabiles Einzugsgebiet. "Weiden zählt zu den drei bindungsstärksten Städten in Bayern nach München und Regensburg." 300 000 potenzielle Käufer habe man ermittelt, 30 000 aus Tschechien. Die werden sich über das Namenskürzel der Mall freuen: das Nordoberpfalz-Center, kurz "noc" - auf gut Tschechisch die Nacht.

Verlässliche Oberpfälzer


Dass trotz des langen Weges im Herbst 2018 mit der Eröffnung des "noc" gerechnet werden dürfe, habe man auch dem Oberbürgermeister zu verdanken: "Die Politik schafft hier wichtige Rahmenbedingungen", lobt Schumacher die verlässlichen Nordoberpfälzer. Der gibt das Kompliment gerne zurück: "Wir haben es Ihnen nicht immer leicht gemacht", beschreibt Seggewiß die vielen Pannen - vom Ausstieg des ursprünglichen Investors bis zum Aus für das geplante Kino. "Ich habe dabei mehrere Herzinfarkte überlebt", zeigt das rote Stadtoberhaupt schwarzen Humor. "Das war eine Operation am offenen Herzen, aber wir haben mit Ihnen gute Operateure erwischt."

"Das Kaufhaus ist tot, es lebe die Shopping Mall" - auf diesen Nenner lässt sich die Einschätzung von Christiane Hellbach, Weidener OTH-Professorin für Handelsmanagement, bringen. Die gebürtige Bayreutherin verfolgt seit sieben Jahren als "Pro Weiden"-Mitglied die Entwicklung des Oberzentrums. Im Vergleich zum Gemischtwarenhandel im Kaufhaus böten Shop-Systeme sowohl ein breites als auch ein tiefes Sortiment. "Die Spezialisierung kleiner Einzelhändler oder Filialisten strahlt mehr Kompetenz ab, als wenn ein Kaufhaus auch ein paar Schuhe mit reinstellt", erklärt Hellbach. Die Professorin ist optimistisch, dass solche Konzepte auch langfristig gegen den Online-Handel bestehen können. "Der Umsatz im stationären Einzelhandel ist noch immer viel höher." Nur in einzelnen Bereichen wie bei Büchern oder Kleidung seien die globalen Amazons stärker. "Die Warenpräsentation hat eine ungeheuer Bedeutung in der Konkurrenz mit dem weniger emotionalen Internet", sagt Hellbach. "Farben, Gerüche, das multisensorische Marketing ist eine Stärke des analogen Einkaufens."

Regionaler Charakter


Im Kern aber kommt auch die Handelsexpertin zum Schluss: "Das Wichtigste ist der Besatz, ein attraktives Verhältnis zwischen bekannten Filialisten und starken regionalen Anbietern." Man tendiere immer mehr dazu, die Eigenheit der Stadt zum Ausdruck zu bringen. Dazu passen auch die geplanten Marmorstelen an der Fassade - eine Hommage an die große Tradition dieses Werkstoffs in der nördlichen Oberpfalz.

So sieht es in Amberg ausAuch in Amberg wandelt sich die Innenstadt. Zwei Großprojekte mit einem Investitionsvolumen von zusammen rund 45 Millionen Euro bestimmen derzeit die Agenda von Kommunalpolitikern und Stadtplanern: Die Neue Münze, die an die Stelle des seit mehr als zehn Jahren leerstehenden Kaufhauses Forum (früher Storg) in der Bahnhofstraße tritt und das Wohn- und Dienstleistungszentrum, das direkt gegenüber auf dem Gelände des ehemaligen Bürgerspital-Areals entsteht.

Noch liegen die beiden Projekte im Zeitplan. Auf dem Bürgerspital-Areal laufen gerade archäologische Untersuchungen. Im Dezember will der Stadtrat den neuen Bebauungsplan auf den Weg bringen. Die ersten Arbeiten für den Gebäudekomplex mit rund 2000 Quadratmetern Grundfläche könnten dann wohl Ende 2017 oder Anfang 2018 beginnen. Zuerst steht der Bau der Tiefgarage an, die einmal 150 Stellplätze bieten soll. Investor für das 25-Millionen-Euro-Vorhaben ist der niederländische Immobilienkonzern Ten Brinke. Er sucht für das Erdgeschoss einen Lebensmittler und einen Drogeriemarkt als Mieter. In den oberen Geschossen sind Wohnungen vorgesehen.

Zügiger soll es bei der Neuen Münze vorangehen. Hier investiert die Gewerbebau Amberg, eine Tochter der Stadt, 20 Millionen Euro in einen viergeschossigen Neubau samt Tiefgarage (80 Parkplätze) für Einzelhandel, Dienstleister und Wohnungsmieter. Läuft alles nach Plan, könnte der Abriss des alten Kaufhauses Forum im Frühjahr 2017 beginnen. Umstritten ist nach wie vor die Tiefgaragenzufahrt. Die Stadtratsmehrheit hat sich für eine Einfahrt zu beiden unterirdischen Garagen in der Bahnhofstraße ausgesprochen. (upl)

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Angemerkt

Dobrou „noc“ wie Gute Nacht


In der Geschichte der Markenbezeichnung gab es schon manchen Fehlgriff. Nissans „Serena“ ist hier zu nennen, der an eine Damenbinde erinnert. Der finnische Scheiben-enteiser „Super-Piss“ erwies sich in den USA als Ladenhüter. Dagegen mutet „noc“ geradezu harmlos an, oder?

Bedenkt man aber, dass Fondara mit dem „Nordoberpfalz-Center“ tschechische Käufer anlocken will, hätte die Wort-Recherche nicht geschadet. Noc bedeutet auf Tschechisch „Nacht“, was an und für sich nicht verwerflich ist. Weiß man, dass bei den Nachbarn „vecerníki“, Abendgeschäfte (vecer, Abend), beliebt sind, könnte mancher auf den Gedanken kommen, Weidens neue Mall habe die ganze Nacht offen – in Tschechien kein abwegiger Gedanke.

Gut, falls die erwarteten 30 000 Westböhmen beim Black Friday 2018 zum nächtlichen Sturm auf das „noc“ ansetzen, kann man immer noch über das deutsche Ladenschlussgesetz diskutieren.
juergen.herda@oberpfalzmedien.de
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