Herz Jesu zeigt Herz für Flüchtlinge

Ein Blick in die Akten, und Regionaldekan Gerhard Pausch (links) sowie Sozialamtsleiter Christian Hölzl wissen, wie die Zimmerzuteilung für die Flüchtlinge ausschaut.

Die Blicke der Kinder der Familie Mohamadi sind am Anfang skeptisch. Doch es dauert nicht lange, und die vierjährige Afghanin und ihre sechs Monate alte Schwester lachen Regionaldekan Gerhard Pausch an. Auch zu den anderen elf Asylbewerbern schafft er es rasch, eine Verbindung aufzubauen. Auch wenn es eine große Hürde gibt.

Das Foyer des Pfarrheims Herz Jesu erinnert am Dienstagnachmittag ein wenig an die babylonische Sprachverwirrung. Regionaldekan Gerhard Pausch kümmert sich rührend um die 13 Asylbewerber, die vor wenigen Minuten mit dem Bus aus Zirndorf gekommen sind. Allerdings tut sich der Pfarrer schwer, sich mit den Familien aus Syrien, Afghanistan und der Ukraine auf Englisch zu verständigen. Nicht weil er es nicht kann, sondern weil die Flüchtlinge es nicht gut verstehen.

"Die Sprache ist das Ein und Alles", sagt der Geistliche. Daher hat er vorgesorgt und Dolmetscher organisiert. Und diese sind Gold wert. Da ist beispielsweise Waldemar Schmidt. Der Wolgadeutsche ist vor 21 Jahren nach Weiden gekommen. "Ich unterstütze gerne. Ich weiß noch, wie mir damals geholfen wurde", erinnert sich der Weidener. Und er ist tatsächlich so etwas wie der "Eisbrecher". Als er sich mit der Familie aus der Ukraine unterhält, wirkt sie auf einmal viel aufgeschlossener. Die Unsicherheit, die sie vorher hatte, löst sich. Die Ukrainer fragen nach ihrem Zimmer und wo sie Lebensmittel kaufen können. Schmidt gibt bereitwillig Auskunft.

Auf der Flucht geboren

Nicht weit von ihm entfernt steht Hojat Zourmand Sangari. Er übersetzt für die Familie Mohamadi aus Afghanistan. Der 30-jährige Vater, seine 25 Jahre alte Frau und die vierjährige Tochter waren über ein Jahr zu Fuß, mit dem Auto und dem Bus unterwegs, bis sie Deutschland erreichten. Während dieser Zeit kam auch das nun sechs Monate alte Baby auf die Welt. Weshalb die Mohamadis aus dem Westen Afghanistans flüchten mussten? "Meine Familie wurde bedroht", antwortet der Vater.

Nach der Ankunft in Deutschland hielt sich die junge Familie einen Monat lang in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Zirndorf auf. "Die Leute dort sind sehr nett und hilfsbereit", berichtet der 30-Jährige. "Ich hoffe, dass wir bleiben dürfen. Meine Frau und ich wollen ein gutes Leben für unsere Töchter. Sie sollen später studieren."

Dass sich die Familie in Weiden zurecht findet, dafür sorgt auch Übersetzer Zourmand Sangari. Der Iraner kam vor vier Jahren in die Max-Reger-Stadt und konnte kein Wort Deutsch. Mittlerweile beherrscht er es aber fast perfekt. Mit den afghanischen Flüchtlingen spricht er Persisch. "Das ist so, als ob sich ein Deutscher und ein Österreicher unterhalten", sagt Zourmand Sangari mit einem Augenzwinkern.

Während sich die Übersetzer mit den Asylbewerbern unterhalten, planen Regionaldekan Pausch und Sozialamtsleiter Christian Hölzl - er koordiniert für die Stadt die Ankunft - die nächsten Schritte. Unter anderem müssen sie für das Baby noch ein Bettchen besorgen. Der Pfarrer weiß schon, an wen er sich wenden muss. Denn in den vergangenen Tagen haben immer wieder Leute angerufen und verschiedene Sachen angeboten. "Es ist eine große Hilfsbereitschaft da", lobt er die Weidener. Und auch die Sprachbarriere nimmt der Pfarrer ganz gelassen. Schließlich hat er mit den Dolmetschern vorgesorgt.
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