Hoffnung im Handwerk

"Sehen Sie, die Schere zwischen Angebot und Nachfrage wird immer größer", erläuterte Arbeitsagenturchef Thomas Würdinger (sitzend, links) Kreishandwerkschaftsgeschäftsführerin Christa Neubauer-Kreutzer (sitzend, rechts) sowie (stehend, von links) "Initiative Pro Ausbildung"-Vorsitzendem Jürgen Spickenreuther, HWK-Bildungszentrum-Geschäftsführer Tobias Knauer, IHK-Gremiumsgeschäftsführer Florian Rieder und dem Teamleiter Berufsberatung Franz Kiener. Bild: Bühner

Noch kann das Handwerk nicht aufatmen. Nach wie vor fehlt in vielen Betrieben der Nachwuchs. Doch es gibt ein Signal der Hoffnung.

(sbü) Bis Ende September zählte die Handwerkskammer im Vergleich zum Vorjahr 8 Prozent mehr Ausbildungsverträge in Weiden, 12 Prozent mehr im Landkreis Neustadt/WN und sogar 16 Prozent mehr im Landkreis Tirschenreuth. Insgesamt gibt es in allen drei Bereichen nun 707 neue Auszubildende gegenüber 634 im Vorjahr. Der Jahrgang 2016 ist im Handwerk also deutlich gewachsen. Diese Erfolgsnachricht überbrachten Tobias Knauer, Leiter des HWK-Bildungszentrums Weiden, und Christa Neubauer-Kreutzer, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Nordoberpfalz, bei der Präsentation der Ausbildungsmarktbilanz 2015/2016 in der Arbeitsagentur Weiden.

"Wir hoffen, dass dieses Ergebnis auf unsere zahlreichen Informations- und Imagekampagnen zurückzuführen ist", stellte Knauer dazu fest. Ob allerdings von einer echten Trendwende gesprochen werden könne, auf diese Aussage wollten sich die Vertreter des Handwerks nicht festlegen. Dennoch hatte diese Nachricht enorm hohen Stellenwert.

Auch die Arbeitsagentur Weiden wartete mit einer besonderen Schlagzeile auf. "Mit 2004 gemeldeten Ausbildungsstellen verzeichnen wir ein Allzeithoch", berichtete Agenturchef Thomas Würdinger. Aber er wies auch darauf hin, dass die Lücke zwischen den gemeldeten Ausbildungsstellen und den Bewerbern immer größer wird. Nach den neuesten Zahlen standen den 2004 Lehrstellen nur 1570 Bewerber gegenüber. Seit fünf Jahren wächst diese Lücke von Jahr zu Jahr. Jugendliche können also unter immer mehr freien Ausbildungsplätzen wählen, sagte Würdinger. Andererseits habe sich der Wettbewerb der Arbeitgeber um künftige Fachkräfte verschärft. Unbesetzt gemeldete Ausbildungsplätze gab es Ende September noch 168. Allerdings dürfte die tatsächliche Zahl nach Ansicht der Agenturexperten erheblich höher liegen.

Dass die Berufsentscheidungen der Jugendlichen sich in den letzten Jahren kaum verändert habe, zeigte Franz Kiener, Teamleiter Berufsberatung, auf. Nach wie vor stehen kaufmännische Berufe und Verkaufsberufe ganz oben auf der Liste der Wunschberufe. "Jugendliche und ihre Eltern sollten auch darüber nachdenken, was nach der Ausbildung kommt", empfahl Kiener. Er deutete damit an, dass das Risiko arbeitslos zu werden, in diesen Berufen deutlich höher liege als zum Beispiel in einem Handwerksberuf.

Als positiv vermerkten die Arbeitsmarktexperten auch, dass mittlerweile auch leistungsschwächere Jugendliche gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz hätten. Allerdings habe es auch noch nie so viele Unterstützungsmöglichkeiten für sie gegeben. Einstiegsqualifizierung, ausbildungsbegleitende Hilfen, assistierte Ausbildung oder Unterstützung durch Berufseinstiegsbegleiter seien nur einige Beispiele. Insgesamt würden 73 Prozent der Schulentlassenen eines Jahrgangs mit solchen Hilfen unterstützt, so Würdinger: "Da sind wir bayernweit Nummer Eins."

Leichtes Minus bei IHK


Von einer im Kammerbezirk insgesamt stabilen Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt berichtete IHK-Geschäftsstellenleiter Florian Rieder. Allerdings sei im Geschäftsstellenbezirk Weiden bei den neu abgeschlossenen Verträgen mit 783 ein kleines Minus von 4 Prozent zu verzeichnen. Jürgen Spickenreuthers Kommentar als Vorsitzender der Initiative Pro Ausbildung zu den neuesten Zahlen: "Wir müssen weiterhin daran arbeiten, ein gesellschaftlich positives Klima für die duale Ausbildung zu schaffen".

Auf junge Flüchtlinge vorbereitetNoch sind junge Flüchtlinge für den Ausbildungsstellenmarkt nur ein Randthema. Gerade einmal 13 von ihnen befinden sich in einem Ausbildungsverhältnis. Doch schon 20 jugendliche Flüchtlinge bereiten sich in einer von der Arbeitsagentur Weiden geförderten Einstiegsqualifikation auf einen solchen Berufsweg vor. Allerdings ist am Ende des laufenden Schuljahres mit einer deutlich anwachsenden Nachfrage junger Flüchtlinge nach beruflicher Eingliederung zu rechnen. Aus den Integrationsklassen an den Berufsschulen werden erheblich mehr junge Flüchtlinge als bisher auf den Arbeitsmarkt drängen.

Die Arbeitsagentur ist darauf vorbereitet und hat ihr Maßnahmeangebot darauf ausgerichtet. Junge Flüchtlinge werden somit in zunehmendem Maße zu einer echten Reservegruppe für den Ausbildungsstellenmarkt. Früher waren dies die Gruppe nicht vermittelter Bewerber. Heute gibt es davon noch ganze 14. "Und die bringen wir auch noch unter", sagt Berufsberater-Chef Franz Kiener. (sbü)
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