Hohe Auszeichnung für Dalal Makari-Pausch
Person des Jahres in Nazareth

Dalal Makari-Pausch mit der Auszeichnung als Person des Jahres. Die Palästinenserin und Wahl-Weidenerin nahm den Preis für ihr humanitäres Engagement im Dezember in Nazareth entgegen. Sie setzt Puppentheater als Therapie bei traumatisierten Kindern und Erwachsenen ein. Repro: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
22.01.2016
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Dalal Makari-Pausch (46) flog im Dezember 2015 zur Preisverleihung nach Nazareth. Angela Merkel soll im Frühjahr 2016 in Berlin ausgezeichnet werden. Die erste Frau im Staat wäre damit in diesem Fall die zweite deutsche Frau nach der 46-jährigen Wahl-Weidenerin.

(ps) Dalal Makari-Pausch hat einen deutschen Pass. Sie legt aber Wert auf die Feststellung, dass sie die Auszeichnung als in Deutschland lebende Palästinenserin erhalten hat. Denn bisher wurde der Preis "Personality of the Year honor in Palestine & Arab world" (pyhppal) - frei übersetzt: Ehrung für die Persönlichkeit des Jahres in der palästinensischen und arabischen Welt - nach ihren Worten ausschließlich an Palästinenser in aller Welt verliehen, die sich besondere humanitäre Verdienste erworben haben. "Angela Merkel ist die erste Ausländerin und die erste Politikerin, die diesen Preis bekommen soll. Weil sie die Flüchtlinge menschlich behandelt hat", sagt Dalal Makari-Pausch.

Die Mitglieder von Jury und Komitee, das - ähnlich wie das Nobelpreis-Komitee - alljährlich den Preis verleiht, sind zum Großteil "Palästinenser mit israelischem Pass". Dalal Makari-Pausch: "Die Auszeichnung soll deutlich machen, dass Palästinenser in aller Welt aktiv und erfolgreich sind und dass sie nach Frieden streben." Sie selbst habe den Preis für ihr bisheriges Lebenswerk erhalten. "Das war eine Überraschung: Bei der Verleihung in Nazareth haben sie einen Film gezeigt über die Projekte, die ich in der ganzen Welt gemacht habe." Schwerpunkt ihrer Arbeit: Die promovierte Theaterwissenschaftlerin nutzt Puppen- und Schattentheater zu therapeutischen Zwecken. Für traumatisierte Kinder, aber auch Erwachsene. Die 46-Jährige ist die einzige arabische Frau, die auf diesem Gebiet arbeitet. Sie gibt ihr Wissen bei Workshops in aller Welt weiter. Und sie setzt Puppentheater als Therapie auch bei Flüchtlingskindern an der Grundschule in Altenstadt/WN ein, die sie seit 2014 mehrmals pro Woche betreut. Sie lebt seit dem Jahr 2000 in de Max-Reger-Stadt und ist hier verheiratet.

Als Tochter von Palästinensern ist Dalal im Flüchtlingslager Yarmuk in Damaskus (Syrien) aufgewachsen. Schon als Neunjährige hat sie begeistert Gedichte geschrieben, Theater gespielt und gesungen. "Die Vereinten Nationen haben unsere Schule gegründet. Die UN und Unicef haben da meine besonderen Talente entdeckt." Schon mit 16 Jahren gab Dalal Workshops für Kinder in Flüchtlingslagern in Syrien, später auch im Libanon: in Theater, Körpersprache, Musik, Malerei. 1989 - mit 20 Jahren - gewann sie als jüngste Teilnehmerin eines Theater- und Jugendfestivals in Nordkorea die Goldmedaille. "165 Länder waren damals in Pjöngjang vertreten."

Anfang der 1990er Jahre gründete Dalal zusammen mit Freundinnen in Syrien die erste palästinensische Organisation für Kinder namens "Farah". "Das heißt Freude. Freude für Kinder." Inzwischen hat sie mehrere Organisationen mit ins Leben gerufen. Sie reiste nach Paris, Kiew, Kairo, Moskau, München, um anderen Menschen beizubringen, wie man Theater als Therapie einsetzen kann und hat dafür bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. "Mein wichtigstes Ziel ist, die Tür zwischen den Menschen zu öffnen für ein gemeinsames Leben in Frieden. Ich möchte die Menschen zueinander bringen und vor allem die Kinder von ihren Problemen befreien.

Menschen mit Herz


Zu diesem Zweck gibt sie auch als Vertreterin der VHS Weiden-Neustadt, an der sie seit 2003 Arabisch unterrichtet, Theater-Workshops in anderen Ländern. Die Teilnehmer erhalten Zertifikate von der VHS. "Das ist ein großer Ansporn für sie", weiß Dalal Makari-Pausch. "Meine Arbeit kennt keine Grenzen", betont sie. "Grenzen schaffen nur Probleme." Und sie will die Vorurteile gegenüber Palästinensern abbauen. "Viele glauben, alle Palästinenser wären Terroristen. Aber das ist nicht so. Wir sind Menschen mit einem großen Herzen, mit Hoffnung, mit Glauben - und wir möchten leben."
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