Ilse Aigner zu Wirtschaftsgesprächen in der Oberpfalz
Suche nach dem richtigen Pfad

Politik
Weiden in der Oberpfalz
30.04.2016
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Selbst eine Ministerin kann nicht für jedes Problem eine einfache, geschweige denn schnelle Lösung anbieten. Dafür kommt Ilse Aigner recht sympathisch rüber. Bayerns Wirtschaftsministerin hört beim Treffen mit Unter-nehmern und Kommunalpolitikern aus der Nordoberpfalz genau hin.

Das langwierige Gezerre um die Erbschaftssteuer nervt die Mittelständler ebenso wie Bürokratismus und Regelungswut. Beim immer dringlicheren Fachkräftemangel wird die Oberpfalz offenbar vom eigenen Erfolg eingeholt. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes kennt keinen anderen Kammerbezirk in Deutschland mit einer derart niedrigen Arbeitslosigkeit. Die Quote hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als halbiert. Gleichzeitig legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 36,5 Prozent zu, und die Zahl der Beschäftigten in der Oberpfalz stieg um 20 Prozent, berichtet Aigner.

Bei der von BR-Sprecher Tilman Schöberl launig moderierten und vom Wirtschaftsministerium durchgestylten Veranstaltung (inklusive Image-Filmchen) in der Max-Reger-Halle bekennt Aigner, dass sie die Erbschaftssteuer am liebsten ganz abschaffen würde. "Weil der Teufel im Detail steckt", erwartet sie bei der Erbschaftssteuerreform eine endgültige Klärung frühestens vor der Sommerpause des Bundestags. "Sie sind in der Familie auch nicht immer einer Meinung", sagt sie einem enttäuschten Mittelständler aus Wernberg. "Wegen der behördlichen Bürokratie tut sich keines meiner drei Kinder die Betriebsnachfolge an", klagt ein Weidener Malermeister. Die CSU-Politikerin moniert eine "Gesellschaft, die immer den Schuldigen sucht" und eine wachsende "Klageritis": "Daraus entstehen neue gesetzliche Regeln." Außerdem beurteilten Beschäftigte und Verbraucher die von den Unternehmern geforderte "Deregulierung" etwas anders. Mit dem Satz "In der Staatsregierung sind alle Querdenker" provoziert die Wirtschaftsministerin Gelächter. Der Hintergrund ist ernst. Ein Steuerberater regt "smarte Arbeitswelten" an, unabhängig von Zeit und Ort, und fragt nach digitalen Querdenkern in der Staatsregierung. Leider sei die Notwendigkeit zur Digitalisierung noch nicht in allen Köpfen (der Gesellschaft) angekommen, bedauert Aigner.

"Nicht ganz einfach"


Sie plädiert für flexiblere Arbeitszeiten in der Arbeitswelt 4.0. "Aber leider schaffen wir das in dieser Legislaturperiode nicht mehr." Sie erzählt, dass inzwischen 7,5 Milliarden Menschen in den sozialen Netzwerken verkehren - und wünscht, dass auf den (Breitband-)Autobahnen des 21. Jahrhunderts "nicht nur Amerikaner, sondern auch Oberpfälzer unterwegs sind". Ein Unternehmer aus dem Landkreis Tirschenreuth sorgt sich um die Demografie. Aigner gibt ihm den Rat: "Man muss hemmungslos gut über seine Region reden." Sie gesteht, dass es in der Politik "nicht immer ganz einfach" sei, den richtigen Pfad zu finden.
In der Staatsregierung sind alle Querdenker.Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner
Man muss hemmungslos gut über seine Region reden.Ilse Aigner
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