Interview mit dem früheren CSU-Fraktionschef zu den Haushaltsberatungen
Hofmann findet Kloster gut

Er ist nach wie vor am Haushalt der Stadt interessiert: der frühere CSU-Fraktionschef Gerd Hofmann. Bild: gsb
Politik
Weiden in der Oberpfalz
14.11.2016
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Von 1976 bis 2010 gehörte er dem Stadtrat an, davon 21 Jahre als Fraktionschef der CSU. Und in dieser Zeit entwickelte sich Gerd Hofmann zum Haushaltsexperten Nummer 1. Auch als Pensionist ist er brennend am Zahlenwerk interessiert.

Und Hofmann bezieht Stellung. Die Klausur im Kloster findet er gut, auch das von der Kämmerin vorgelegte Investitionsprogramm für die Schulen. Bei der Kultur sollte jedoch die Kürzungsgrenze erreicht sein.

Die Haushaltsberatungen stehen an. Ist das eine Zeit, in der Sie die Kommunalpolitik besonders intensiv verfolgen?

Gerd Hofmann : Am Haushalt war ich immer interessiert, besonders in meiner aktiven Zeit in der Kommunalpolitik und ich bin es nach wie vor.

Geben Sie Ihren Fraktionskollegen bei der CSU Tipps?

Nur wenn ich gefragt werde. Im Normalfall mische ich mich nicht mehr ein. Es sei denn, wenn ich sehe, dass ein Kollege einen großen entscheidenden Fehler macht, von dem die Bürger betroffen sind.

Ist das schon passiert?

Nicht in der Fraktion, aber bei einzelnen Finanzausschuss-Mitgliedern. Meine Nachfolger bei den Haushaltsdebatten, Walter Leupold und Wolfgang Pausch waren beziehungsweise sind gut in die Materie eingearbeitet.

Sie kannten sich im Haushalt aus wie sonst vielleicht noch der Kämmerer. Woher kam dieses ganz spezielle Interesse?

Beim Studium an der FH Herrsching habe ich viel über Wirtschaft und Steuern gelernt. Das war das A und O. Die Folge waren 40 Jahre Finanzbeamter.

Und in der Politik?

Von Anfang an hatte ich ein starkes Gefühl, mitgestalten zu wollen. 21 Jahre war ich Fraktionschef mit den Schwerpunkten Haushalt und Finanzen. Die wollte ich dominant besetzen. Mir war immer wichtig, Entscheidungen zu treffen, sie zu vertreten und mit guten Argumenten zu erläutern, gerade auch in der Öffentlichkeit. Das ist, glaube ich, ganz gut gelungen.

Oft ist es so, dass zu Hause die Frauen die Kasse führen.

Meine Frau Maria vertraut mir da voll. Auch daheim kümmere ich mich um die Finanzen. Die Haushaltspolitik ist mir auf den Leib geschneidert.

Waren Sie in der Schule in Mathematik ein guter Schüler?

Ich war gut, ja, Mir hat aber vor allem die Handelsschule Ruppert sehr gut getan. Und die Ausbildung in der Finanzverwaltung, das muss ich jetzt mal deutlich sagen, ist eine Top-Ausbildung. Wer die absolviert, kann genauso gut in der Wirtschaft seinen Mann stehen.

Ihre Nachfolger im Finanzausschuss treffen sich am ersten Tag der Haushaltsberatungen erst einmal hinter verschlossenen Türen im Kloster Waldsassen.

Keine schlechte Idee. Man erspart sich langwierige Einzelgespräche mit der Kämmerei. Man kann die Dezernenten löchern, ist weitgehend ungestört und im geselligen Teil ergibt sich vielleicht die Möglichkeit, aufeinander zuzugehen.

Wie sieht denn Ihr Tagesablauf als Pensionist aus?

Der hat sich gewaltig gewandelt. Ganz wichtig ist das ausführliche Studium des "Neuen Tages". Das dauert 1 1/2 bis 2 Stunden. Meine Frau beginnt mit Politik und Weltgeschehen, ich mit Wirtschaft, Todesanzeigen und dem Lokalen. Dann wechseln wir. Auch Haus und Garten verlangen ihre Zeit. Und mehrere Stunden sitze ich am Schreibtisch. Derzeit wartet dort der jüngste Monatsbericht der Bundesbank, da geht's um kommunale Finanzen.

Sind Sie oft auf Parteiveranstaltungen?

Da kann ich jetzt zwischen Pflicht und Kür unterscheiden. Zuletzt war ich bei der Seniorenunion. Am 25. November gehe ich zur Jubilarehrung mit dem Abschluss der 70-Jahr-Feier, da kommt die Ministerin Emilia Müller.

Man trifft Sie viel bei kulturellen Veranstaltungen.

Ja, wir sind viel bei Konzerten, Theater und bei Ausstellungseröffnungen unterwegs.

Im Kulturbereich ist zuletzt viel gespart worden.

Mir tut es in der Seele leid. Was wir über Jahrzehnte aufgebaut haben, geht Zug um Zug zurück. Da ist jetzt eine Grenze erreicht, die nicht weiter ausgedehnt werden darf. Die Kultur ist auch wichtig, wenn man qualifizierte Arbeitskräfte nach Weiden holen will. Da kommt schnell die Frage nach dem Bildungs- und dem Kulturangebot.

Trotz aller Einsparungen: Man hat den Eindruck, der Haushalt kommt nicht so recht auf die Beine.

Die Stadtpolitik scheint schwerfälliger geworden zu sein. Es gibt mehr Gruppen im Stadtrat, die alle mitreden, dazu Arbeitsgruppen und Arbeitskreise. Bei uns gab's kurze Wege und schnelle Entscheidungen. Gut ist die Ankündigung der Kämmerin, ein Investitionsprogramm für die Schulen aufzulegen. Ich hoffe, dies wird bei der Klausurtagung verankert.

Weiden ist Schulstadt.

Das soll auch so bleiben. Wenn wir die Entwicklung verschlafen, geht es nicht mehr um Sanierungen, sondern nur noch um Abrisse. Und bei Zinssätzen von rund einem Prozent hätten wir gejubelt. Wenn nicht jetzt, wann dann? Wir hatten mit 6 1/2 und 7 Prozent zu tun.

Stichwort Gewerbesteuer. Die kommt nicht richtig auf Touren.

Da kann die Stadt nichts dafür. Einbrüche großer Firmen haben zu der Entwicklung geführt, ATU, Südwolle, PFA, der Bankensektor schwächelt. Umso mehr setze ich auf das Gewerbegebiet West IV. Da muss die Stadt klotzen, nicht kleckern.
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