Interview mit dem Vorsitzenden der Weidener Einzelhändler Tobias Sonna
Neuer Magnet greifbar nah

Zwischen Kathrein und Fondara-Grundsteinlegung: Interview mit dem Vorsitzenden des Einzelhandelsverbandes, Tobias Sonna. Bild: Gerhard Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
24.11.2016
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Am Sonntag war Kathrein, am Freitag ist die Grundsteinlegung für das von Investor Fondara geplante Einkaufszentrum. Was das mit Tobias Sonna zu tun hat? Nun, wir meinen, eine ganze Menge.

So führt der 40-Jährige mit seinem Bruder Michael am Oberen Markt erfolgreich ein Geschäft für Kunsthandwerk, Haushaltswaren und "ausgefallene Geschenke". Und seit Anfang des Jahres ist er auch noch Vorsitzender des Weidener Einzelhandelsverbands. Grund genug für die Redakteure Josef Wieder und Volker Klitzing, Sonna einige Fragen zu stellen.

Ihr Wechsel vom Stellvertreter zum Vorsitzenden der Weidener Einzelhändler erfolgte nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Hatten Sie etwas zu verbergen?

Tobias Sonna : Vorausgegangen war eine Briefwahl unter den Mitgliedern. Mein Vorgänger Norbert Turban wollte nicht mehr, und ich war dazu bereit. Mein Stellvertreter ist Stefan Gruhle. Keine Ahnung, warum wir den Wechsel nicht groß nach außen getragen haben. Zu verbergen hatten wir auf jeden Fall nichts.

Haben Sie Ihre fünfjährige Amtszeit unter ein bestimmtes Motto gestellt? Gibt es Schwerpunkte?

Motto, nein. Aber Schwerpunkte sind sicher die Kontakte zu den Kollegen. Ich will Ansprechpartner sein, und ich will helfen, den Einkaufsstandort Weiden noch attraktiver zu gestalten.

Ein Blick zurück auf den Kathrein-Sonntag. Welche Gründe sehen Sie für den Ansturm? Es kann ja nicht nur am Wetter gelegen haben.

Das Wetter ist schon mitentscheidend, ob die Leute in die Stadt gehen. Aber die Kollegen haben auch mit guten Aktionen geworben, von der Modenschau bis zu großzügigen Rabatten.

Preisnachlässe gibt's aber überall, und eine Modenschau ist auch nicht immer der Bringer.

Das sind nur Beispiele. Aber insgesamt handelt es sich beim verkaufsoffenen Kathrein-Sonntag um eine etablierte Veranstaltung, mit einem guten Ruf weit über die Weidener Stadtgrenzen hinaus.

Inzwischen sind zehn verkaufsoffene Sonntage im Gespräch.

In Bayern gilt noch ein altes Gesetz, danach wären in Weiden bis zu vier solcher Sonntage möglich.

Eine Ausweitung ist schon mal gescheitert. Es blieb bei zwei. Wie wird's in der Zukunft sein?

Wir wollen vom Einzelhandelverband im nächsten Frühjahr eine Umfrage starten. Dann sehen wir weiter. Besondere Attraktionen wie "Weiden träumt" halte ich für sinnvoller. Auch der "Food Truck" war ein Riesenerfolg. Die Sonntage aber - das ist meine persönliche Meinung - sollten in erster Linie der Familie dienen.

Wie steht's um die gemeinsamen Öffnungszeiten der Geschäfte?

Die wird es wohl nie geben. Aber das hat auch mit den unterschiedlichen Sortimenten zu tun. Ich kann mir aber gemeinsame Kernöffnungszeiten vorstellen.

Gibt es noch Händler, die mittags zusperren?

Kaum, hier hat sich der Handel der Nachfrage angepasst. Auch samstags, da war früher ab 14 Uhr tote Hose. Jetzt kommen die Kunden viel länger. Zum Shoppen und um die Atmosphäre in den Cafés der Altstadt zu genießen.

Hält das Internet davon nicht viele ab? Oder die Leute lassen sich beraten und bestellen dann zu Hause im elektronischen Netz?

Die Branchen sind ja so unterschiedlich. Das reicht vom Elektro- bis zum Lebensmittelbereich. Teilweise vermeldet das Internet Zuwächse, aber oft doch von einem niedrigen Niveau aus. Inzwischen suchen viele Kunden richtiggehend die ausführliche Beratung, und das in angenehmer Atmosphäre. Deshalb bin ich auch gegen eine Beratungspauschale.

Wie steht's denn insgesamt um die Einkaufsstadt Weiden? Unter der Hertie-Schließung und dem Brachland in der Innenstadt hat doch der Ruf gelitten.

Weiden steht immer noch sehr positiv da. Viele Handelsflächen sind im Außenbereich. In der Innenstadt ist Umsatz weggebrochen, da muss wieder einiges aufgeholt werden.

Die Aufgabe kommt wohl ganz besonders dem neuen Einkaufszentrum zu. Am Freitag ist Grundsteinlegung.

Damit rückt ein neuer Magnet in greifbare Nähe.

Wer geht rein?

Darüber wird spekuliert, ich weiß es nicht. Wünschenswert wäre, dass neue Geschäfte ansiedeln.

Wechseln Sie?

Nein, das ist kein Thema. Mit unserem Sortiment ist das gar nicht möglich.

Ihr Geschäft geht ja auch am Oberen Markt gut. Wie sehen Sie die Entwicklung in der Altstadt?

Relativ stabil. Wöhrl bleibt bestehen, das ist schon mal wichtig. Und die Altstadt hat mit ihrem gewissen Flair auch Vorteile.

Die "Beanery" scheint ja nun in der ehemaligen Recknagel-Galerie fast Ihr Nachbar zu werden. Wie beurteilen Sie die geforderte Außenbestuhlung?

Ich gehe gern in das Café, aber ein weiterer gastronomischen Betrieb ist am Oberen Markt keine zusätzliche Bereicherung. Die Nutzung des Platzes sollte nicht eingeschränkt werden, Schaufenster sollten frei bleiben.

In der Max-Reger-Straße haben vor allem das "City Center" und "H&M" auf die Herausforderung durch Fondara reagiert.

Das ist Ihre Interpretation. Ich denke, sie haben allgemein auf den Markt reagiert und die Immobilien attraktiver gestaltet.

Überraschenderweise ist auch in die Ringstraße Bewegung gekommen. Sie entwickelt sich zur richtigen Mode-Meile.

Ja, von der Qualität der Geschäfte verlangt die Straße nach einer Aufwertung. Ich könnte mir eine Fußgängerzone bis zur Goethestraße vorstellen.

Gilt das auch für einen Teil der Sedanstraße?

Ich bin verblüfft, dass über die verkehrliche Erschließung gar nicht mehr diskutiert wird. Darüber müsste frühzeitig entschieden werden. Eine vernünftige Anbindung des Einkaufszentrums an die Altstadt geht nur über einen Fußgängerbereich oder eine "weiche Separation".

Zur PersonDie Mutter hatte ihm abgeraten. Es sei zwar ein schöner Beruf, räumte sie ein, aber man müsse halt sehr viel Arbeit hineinstecken. Doch Tobias Sonna hatte sich längst entschieden, vermutlich schon, als er in den Ferien im mütterlichen Geschäft ausgeholfen hat. Und so lernte der am 30. August 1976 geborene Weidener nach der Realschule Einzelhandelskaufmann bei der Firma Knorr. Eine Zeit, die er sehr genossen hat, wie er ausdrücklich betont.

Und so ist er nach dem Fachabitur endgültig zum Einzelhändler geworden. Das Gespräch mit den Kunden gefällt ihm besonders. "Da kann man mit guter Beratung punkten", sagt Sonna. Einzelhandel habe etwas Menschliches. Wenn ihm das Geschäft Zeit lässt, schaltete er in Natur und Garten ab. Schönes und gutes Essen steht auch weit oben, dafür nimmt er auch selbst den Kochlöffel zur Hand.

Seit vier Jahren wird Tobias Sonna von seinem fünfeinhalb Jahre jüngeren Bruder Michael unterstützt. Die Mutter kann ihnen nicht mehr helfen. Sie ist in diesem Jahr verstorben. (vok)
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