Interview mit der OTH-Präsidentin
Andrea Klug: Ein Hoch auf die Hochschule

OTH-Präsidentin Professor Andrea Klug beim Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung. Bild: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
28.12.2015
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Seit knapp drei Monaten ist Andrea Klug Präsidentin der OTH Amberg-Weiden. Die gebürtige Oberpfälzerin lebt ihr Amt mit viel Herz. Und sie hat klare Vorstellungen, wie die Hochschule in Zukunft noch besser funktionieren soll.

/Amberg. Regional verwurzelt, international ausgerichtet: Die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Amberg-Weiden will ihr Profil weiter schärfen. Präsidentin Prof. Dr. Andrea Klug nennt im Gespräch mit unserer Zeitung ein ganzes Bündel an Maßnahmen, wie dieses Ziel in Zukunft erreicht werden kann. Die Schlagwörter lauten: Kooperation, Digitalisierung, Systemakkreditierung. Dass dies keine blanke Theorie bleibt, dafür steht die 50-jährige gebürtige Trausnitzerin (Kreis Schwandorf).

Anfang Oktober 2015 übernahm die frühere Richterin den Posten von Professor Erich Bauer. Klug - sie war bereits seit 2008 OTH-Vizepräsidentin - setzte sich im Hochschulrat mit 17:3 Stimmen gegen Prof. Dr. Christian Märtin klar durch. Eine ihrer Visionen könnte bereits im Sommer 2016 Wirklichkeit werden. An der Fakultät Maschinenbau/Umwelttechnik ist die erste befristete Forschungsprofessur geplant. "Energiepapst" Prof. Dr. Markus Brautsch soll den Auftrag hierfür erhalten.

"Attraktiver Arbeitgeber"


Bei der mitunter schwierigen Rekrutierung von Professoren kämpft die OTH mit meist wesentlich besser dotierten Jobs in der freien Wirtschaft. Präsidentin Klug wirbt mit der Hochschule als "attraktiven Arbeitgeber" und ihrem "sehr vertrauten Klima" an den Standorten. Geld allein ist eben nicht alles, von den günstigen Lebenshaltungskosten in der Region ganz zu schweigen.

Sorge bereiten Klug allerdings die meist befristeten Projekte an der OTH, wodurch die wissenschaftlichen Mitarbeiter auch nur mit Zeitverträgen ausgestattet werden können. Insgesamt beschäftigt die Hochschule 296 Mitarbeiter. Erstaunlich: Studenten aus 28 Nationen lernen an der OTH. Die Internationalisierung soll gleichwohl forciert, das Profil als Sprachinstitut für Ost- und Mitteleuropa gestärkt werden. Eine Schlüsselrolle spielt hier die Universität Pilsen, mit der bereits eng zusammengearbeitet wird. Auch das Thema Flüchtlinge beschäftigt die Präsidentin. "Ziel ist es, Studienwillige zu uns zu holen", meint Klug und spricht auch von einem "gesellschaftlichen Auftrag".

Die OTH hat sich durch die enge Verzahnung mit der Wirtschaft einen ausgezeichneten Ruf erworben. Viele Unternehmen schätzen die Hochschule als Talentschmiede und rekrutieren dort noch während des Studiums ihre künftigen Führungskräfte. Klug nennt Global Player in der Logistik und im E-Commerce wie Conrad Electronic, Witron, Witt Weiden oder IGZ Falkenberg. Ein weiterer Meilenstein beim Ausbau des Schwerpunktes Digitalisierung soll das E-House in Weiden werden, dessen Eröffnung im Dezember 2017 geplant ist. Wirtschaft und Hochschule werden hier unter einem Dach Projekte entwickeln. Die Präsidentin macht klar: "Wir haben enormes Potenzial in der Region."

Hohe Erwartungen setzt Klug auch in die "Innovativen Lernorte". Hier wird eine kreative, kooperative, vernetzte Lehre mit Partnern in der Region angeboten. Dafür arbeitet die Hochschule mit bisher 15 ausgewählten Unternehmen und Klöstern zusammen - Partnern, die sich durch eine außergewöhnliche Lernumgebung, speziell ausgestattete Labore, attraktive Räumlichkeiten und personelle Kompetenzen auszeichnen.

Sehr viel werde sich auch durch die sogenannte Systemakkreditierung verbessern, zeigt sich Klug überzeugt. Die OTH ist hier als erste Hochschule in Bayern zugelassen worden, das Verfahren dauert voraussichtlich zwei Jahre. Die Präsidentin verspricht sich durch diesen "vollkommenen Umbruch" deutlich mehr Autonomie. Alle Fakultäten würden hinter der Maßnahme stehen, freut sich Klug. Die Programmakkreditierungen wird damit abgelöst, das bedeutet, dass nicht mehr einzelne Studiengänge überprüft werden, sondern das gesamte interne Qualitätssicherungssystem im Bereich Studium und Lehre der Hochschule unter die Lupe genommen und "passgenau" gestaltet wird.

Bestens vernetzt


Soweit eine Menge Theorie. Viel läuft an der Spitze der OTH auf persönlicher Ebene. Hier zeigt sich Klug bestens vernetzt, unter anderem auch mit der Universität Bayreuth. Im Anschluss an das Gespräch mit unserer Zeitung fuhr die Präsidentin schließlich zum Meinungsaustausch mit ihrem Regensburger OTH-Kollegen Prof. Dr. Wolfgang Baier. Elf erfolgreiche Forschungscluster habe man zusammen entwickelt, Antragsstellungen und Drittmittelwerbung gebündelt. Die Standorte würden auf jeden Fall von der Zusammenarbeit profitieren. "Wir reden hier nicht vom großen Bruder und der kleinen Schwester." Die Kooperation mit Regensburg verlaufe "auf Augenhöhe".
Wir haben enormes Potenzial in der Region.OTH-Präsidentin Prof. Dr. Andrea Klug


OTH Amberg-WeidenIm Wintersemester 2015 starteten 530 Erstsemester in Amberg und 400 in Weiden. Insgesamt sind an bei den Standorten 3500 Studenten, die von 83 Professoren unterrichtet werden. Die OTH arbeitet mit 47 Partnerhochschulen in 27 Ländern zusammen. Sie bietet in vier Fakultäten (Maschinenbau/Umwelttechnik, Elektrotechnik, Medien und Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen/Betriebswirtschaft) insgesamt 20 Studiengänge an. Die Gründung erfolgte am 1. Mai 1994, der Lehrbetrieb wurde am 1. Oktober 1995 aufgenommen. 4600 Absolventen haben bisher von der Hochschule in das Berufsleben gewechselt, 80 Prozent sind bei Arbeitgebern in der Oberpfalz beschäftigt. Die Vorgänger von Andrea Klug waren August Behr (1994 bis 2003) und Erich Bauer (2003 bis 2015). (we)
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