Johanniter, Spatzennest und Schneckenhaus erhören Hilferuf
Stadt braucht 56 zusätzliche Krippenplätze

Symbolbild: dpa
Politik
Weiden in der Oberpfalz
22.04.2016
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Es herrscht "akuter Notstand", gesteht die Stadtverwaltung im Vorlagebericht für den Finanzausschuss. Denn für 56 Kinder gibt es ab September noch keinen Krippenplatz in der Stadt. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es aber wohl. Ein caritativer Träger will nun in die Bresche springen und eine neue Kinderkrippe bauen. Nur wird die bis zum Herbst nicht fertig sein.

"Bis Dezember 2015 sind wir davon ausgegangen, dass die Krippenplätze in der Stadt reichen", sagt Rechtsdezernent Hermann Hubmann im Finanzausschuss. Die böse Überraschung folgte im neuen Jahr. "Da habe ich nochmal nachgefragt, und plötzlich hieß es, wir haben 56 Plätze zu wenig." Seither rotiert die Stadt. Eine Klagewelle verärgerter Eltern, die einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz haben, könnte drohen. Nun gibt es erste Erfolgsmeldungen.

Drei Einrichtungen wollen der Stadt aus der Patsche helfen. Die private Kindertagesstätte Schneckenhaus am Hammerweg zum Beispiel. Sie stockt um eine Krippengruppe auf, informiert Stadtkämmerin Cornelia Taubmann. Obendrein passt die AWO-Kita Spatzennest (Hochstraße) ihre Einrichtung dem neuen Bedarf an: Sie baut eine Kindergarten- in eine Krippengruppe um.

OB dankbar für Initiativen


Die umfangreichste Hilfe aber stellen die Johanniter in Aussicht: Sie wollen eine neue dreigruppige Kinderkrippe in der Stadt bauen, wenn sich ein geeignetes Grundstück findet. Damit würde der caritative Träger, der bereits die Klinikums- sowie die Witt-Krippe betreut, auf einen Schlag 36 Krippenplätze bieten. "Aber bis zum Herbst haben wir die Plätze natürlich trotzdem nicht", betont Hubmann.

"Ich bin dankbar, dass diese drei Träger unser Problem mit lösen wollen", sagt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß: "Deshalb werden wir auch den Neubau positiv begleiten." Allerdings gibt es Fristen, weiß Hubmann. So müssen die Johanniter bis Ende Juni Anträge eingereicht haben, um Fördersummen abgreifen zu können.

Bei der Grundstücksauswahl für die neue Kinderkrippe seien gerade zwei Flächen westlich der Neustädter Straße ausgeschieden. Sie seien untauglich, informiert Stadtkämmerin Taubmann. Eines in interessanter Lage biete aber ein Privatmann feil. "Die Grundstücksverhandlungen verdichten sich aktuell."

"Wir müssen schnell handeln", betont SPD-Fraktionschef Roland Richter. Also werfen die Genossen die Pläne, gefasst im nichtöffentlichen Teil der Finanzausschusssitzung im Februar, über den Haufen. Demnach sollte erstens ein Planungsbüro für 15 000 Euro ermitteln, welche Möglichkeiten es gibt, das städtische Kinderhaus Tohuwabohu zu erweitern. Vor allen weiteren Schritten sollte zweitens eine neue Jugendhilfeplanung (zuletzt: 2007) erfolgen, die Bedarfe ermittelt und Antworten auf Standortfragen für weitere Kitas im Stadtgebiet liefert. Nur: Laut Verwaltung braucht es dafür ein Jahr Zeit und mindestens 44 000 Euro.

Inakzeptabel sei das in dieser Notsituation, sind sich am Ende alle Stadträte einig. Vorerst jedenfalls. "Denn wir wollen möglichst schnelle Lösungen", betont Richter. Dabei spiele für ihn aber die Verteilung weiterer Standorte im Stadtgebiet eine wichtige Rolle. "Uns ist wichtig, dezentrale Plätze an bereits bestehenden Einrichtungen wie an Schulen zu schaffen", sagt CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch - und erntet Kritik vom OB. Wegen der Veränderungen der Schullandschaft mit Projekten wie gebundene Ganztagsschule gebe es keine freien Räume. "Die einzigen zwei finden sich in der Hammerwegschule." Obendrein seien Kitas an Weidener Schulen, sprich in städtischen Immobilien, nicht zu etablieren. "Das müssten gerade Sie mit Ihrem C im Parteinamen wissen", erklärt Seggewiß. Denn wie könne vermittelt werden, eine Kirche wie St. Konrad in eine gewaltige Investition für einen Kita-Neubau zu jagen, um dann in der nahen Schule eine Konkurrenzbetreuung zu eröffnen? Total unterschiedliche Defizitvereinbarungen mit Trägern seien ja auch möglich, kontert Pausch. "Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, eine Kirche betreibt eine Kita in einem städtischen Gebäude."

Liegt Lösung bei OTH?


Einen Überblick über zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten könnte nicht nur ein externes Planungsbüro erstellen, meint Reinhold Wildenauer (Bürgerliste). Die Stadt soll einen Fachhochschüler für das Thema begeistern. Das ist eine kostengünstige Alternative, meint Wildenauer. Und ein Vorschlag, der am Ende fraktionsübergreifend Zustimmung erntet.
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