Jugendhilfeausschuss diskutiert erwarteten Platzmangel bei Krippen -– Hoffen auf Förderung
Wege aus der Betreuungslücke

Dieser junge Herr freut sich offenbar über seine Zahnlücke. Für Eltern jüngerer Kinder ist eine andere Lücke kaum erfreulich: Es gibt zu wenige Krippenplätze. Bild: Pro dente

Die Zahl mag sich noch ändern. Eine Lücke aber wird bleiben. 56 Kinder stehen auf der Warteliste der Weidener Krippen für das neue Betreuungsjahr ab September.

Das berichtet Bärbel Otto im Jugendhilfeausschuss. Die Zahl sei zwar "mit Vorsicht zu genießen", schränkt die Jugendamtsleiterin ein. Sie werde sich erfahrungsgemäß noch ändern. Es sei aber absehbar, dass es bis September drei neue Gruppen brauche. Vorerst. Längerfristig dürfe auch das nicht reichen.

Die Lücke bei den Krippenplätzen war vor wenigen Wochen schon einmal im Stadtrat Thema. Damals hatte Josef Gebhardt (SPD) weiteren Klärungsbedarf angemeldet, weshalb sich der Ausschuss nun erneut damit befasste. Wobei die wichtigste Frage auch hier offen blieb: Wie genau sollen die benötigten Plätze entstehen?

Erstes Interesse


Ein paar Lösungsansätze hat Otto allerdings. Mehr Doppelbelegungen von Plätzen (vormittags und nachmittags) gehören dazu. Oder Zusatzplätze und Überlegungen, ob das städtische Kinderhaus Tohuwabohu um eine Krippe erweitert werden kann. Daneben soll beim AWO-Kindergarten Spatzennest eine nicht genutzte Kindergarten- in eine Krippengruppe umgewandelt werden. Zudem bat der OB die Träger, weitere Plätze zu schaffen. Bei Neu-, An- oder Umbau wäre eine bis zu 90-prozentige Förderung drin. Die Wirkung ist freilich noch unklar. Laut Otto "hat es bereits Interessensbekundungen gegeben". Konkrete Zusagen stünden noch aus.

Weiteres Problem: Auch durch Tagespflege ist keine Entlastung in Sicht. Momentan gibt es 6 Tagespflegepersonen in der Stadt, die 21 Kinder betreuen. 3 qualifizieren sich gerade - allerdings sind selbst sie schon ausgebucht. Besser sieht es bei den Kindergärten aus. Hier ist im September kein Platzmangel zu erwarten. Mittelfristig aber schon. Wegen der Kinder von Flüchtlingen. Die besuchen derzeit zwar kaum Betreuungseinrichtungen. Das könnte sich aber bald ändern. Das wäre im Sinne der Integration sogar gewünscht.

Problematisch, aber zumindest vergleichsweise positiv, sind dagegen andere Zahlen: Bei rund 26 Prozent der Krippen- und Kindergartenkinder übernimmt die Stadt die Beiträge ganz oder teilweise, weil ihre Eltern nicht genug Geld in der Tasche haben. In Hof etwa, so Otto, liege die Quote bei rund 50 Prozent. Durch die anstehende Beitragserhöhung in vielen Weidener Einrichtungen werde sich demnächst zwar auch hier der Anteil erhöhen. Aber nicht zu stark.

Die erwartete Lücke bei der Kleinkinderbetreuung könne man verschiedenartig erklären, meint Bürgermeister Lothar Höher. Womöglich habe sich die Arbeitswelt gewandelt und Frauen seien häufiger auf ein Einkommen angewiesen. Oder aber die Akzeptanz für solche Betreuungsformen sei gestiegen. Immerhin gebe es in Weiden "tolle Einrichtungen".

"Viel Geld"


Umso wichtiger ist es für Stefanie Sperrer (CSU), Abhilfe zu schaffen. Das möge "viel Geld kosten", vielleicht bedeuten, dass es bald ein weiteres Haus brauche. Aber im Bereich Jugend und Soziales dürfe man über Finanzen nicht diskutieren. Reinhold Wildenauer (Bürgerliste) erinnert, dass die Stadt bei der Eröffnung der Witt-Krippe erst nur für eine statt zwei Gruppen votierte. Inzwischen sei allen bewusst, wie notwendig solche Einrichtungen seien. Ähnlich wie Gebhardt mahnt er, "es ist wichtig, dranzubleiben". Das sieht auch der Rest des Ausschusses so. Einstimmig sprechen sich die Mitglieder für den Ausbau der Kindertagespflege, die Schaffung neuer Krippenplätze und die Umwandlung der Spatzennest-Gruppe aus. (Hintergrund)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.