Jugendhilfeeinrichtung für Flüchtlinge in der Mooslohstraße
Nur nicht ans Heimweh rühren

Der Fußboden ist verlegt, die Wände sind geweißt: In diesem Raum werden - wie Ramona Scheunemann und Klaus Meierhöfer von "Dr. Loew Soziale Dienstleistungen" berichten - Küche und Esszimmer eingerichtet. Neun minderjährige unbegleitete Flüchtlinge werden in dem Haus in der Mooslohstraße untergebracht. Bild: Steinbacher
Politik
Weiden in der Oberpfalz
26.08.2015
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Die Umbauarbeiten gehen zügig voran. Die Plätze sind gefragt. Was jetzt noch fehlt, damit die Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wie geplant zum 15. September ihren Betrieb aufnehmen kann, sind pädagogische Fachkräfte.

Weiden. (ps) "Der Markt ist komplett leer", bedauert Klaus Meierhöfer. Der Bereichsleiter für psychisch kranke Menschen und Jugendliche bringt derzeit mit seiner Kollegin Ramona Scheunemann (Einrichtungsleitung) das jüngste Projekt von "Dr. Loew Soziale Dienstleistungen" ins Laufen. Eine Jugendhilfeeinrichtung für Flüchtlinge in der Mooslohstraße.

Start war in Amberg

Dabei haben sie von einer Unternehmersgattin aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach große Unterstützung erfahren. Sie hat das Gebäude gekauft, lässt es derzeit renovieren und vermietet es dann an das Wernberger Unternehmen, das neben Behinderten und psychisch Kranken seit einigen Jahren auch junge Asylbewerber betreut. Mit besten Erfahrungen. Die erste Wohngruppe wurde vor drei Jahren in Amberg eröffnet. "Alle neun Jugendlichen, die wir dort aufgenommen haben, haben inzwischen die Schule beendet", erzählt Meierhöfer stolz. "Und alle haben einen Ausbildungsplatz gefunden."

Ein großes Kompliment zollt er in diesem Zusammenhang den Arbeitgebern. "Sie sind alle sehr aufgeschlossen, geben den jungen Leuten gerne eine Chance, obwohl manche von ihnen nach der Ausbildung abgeschoben werden könnten." Ein Risiko, das bald minimiert werden dürfte. Denn die Rechtsgrundlage soll verändert werden, so dass jungen Flüchtlingen künftig zumindest zwei Jahre nach der Ausbildung noch ein Bleiberecht eingeräumt wird.

Für die jungen Asylbewerber ist das Leben in Deutschland eine Herausforderung. Meierhöfer: "Sie müssen eine neue Sprache, eine neue Schrift und eine neue Kultur lernen." Dabei helfen ihnen die Fachkräfte von "Dr. Loew Soziale Dienstleistungen". Wie das funktioniert, erklärt Ramona Scheunemann. "Wir lernen Deutsch mit ihnen anhand von Bildern, Texten, Schulmaterial. Wir helfen bei den Hausaufgaben." Dabei hoffen die beiden Verantwortlichen, dass die künftigen Bewohner bereits ab September die Europa-Berufsschule in Weiden besuchen können. "Bei uns lernen die Jugendlichen außerdem kochen, einkaufen, Mülltrennung oder wie sie ihr Zimmer sauberhalten", sagt Scheunemann.

Neun Plätze, sechs Zimmer

Neun Jugendliche - vermutlich vorwiegend aus Eritrea, Afghanistan und Syrien - sollen in den drei Einzel- und drei Doppelzimmern einziehen. Betreut werden sie von 5 bis 6 Mitarbeitern. Dazu kommt 9 Stunden pro Woche eine Kraft vom Fachdienst, die Entwicklungs- und Förderpläne aufstellt. Meierhöfer: "Diese spezielle Zielgruppe benötigt eine intensivere Betreuung." Deshalb sind nach den bisherigen Vorschriften auch nur pädagogische Fachkräfte zugelassen. Doch genau daran fehlt's. Es sind kaum noch Erzieher, Heilerziehungspfleger oder Sozialpädagogen auf dem Markt. "Deshalb wird derzeit diskutiert, die Bestimmungen zu lockern."

Mit den Jugendlichen in Amberg und Schwandorf haben die Fachleute bisher nur gute Erfahrungen gemacht. "Sie sind hilfsbereit, höflich, nehmen einem die Tasche ab und machen den Platz frei", sagt Ramona Scheunemann. Nur bei einem Punkt sollte man vorsichtig sein, weiß Klaus Meierhöfer, der hier einmal ins Fettnäpfchen getreten ist. Bei einem internationalen Essen mit den Jugendlichen - "das war witzig, spannend, ein netter Abend" - hat er die Frage gestellt: Wie steht es mit dem Heimweh? "Da herrschte plötzlich Totenstille. Die Stimmung war weg." Keiner der Jugendlichen hat seine Heimat gerne verlassen.
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