Jugendliche in Entscheidungsprozesse einbinden
Demokratie ist cool

Bundesjugendring-Vorsitzende Lisi Maier (Zweite von rechts) war Hauptrednerin bei der Demokratiekonferenz in Weiden. Zu den Teilnehmern sprachen auch (von links) Herbert Schmid von der eGmbH "Arbeit und Leben Bayern", Eva Bauer (Jugendforum), Schulleiter Helmut Matejka vom Augustinus-Gymnasium und OB Kurt Seggewiß. Bild: sbü

Wie lassen sich Jugendliche für Demokratie begeistern? Und was steht ihnen dabei im Weg? Zwei Fragen von vielen, mit denen sich die Weidener Demokratiekonferenz im Augustinus-Gymnasium befasst.

Wenn junge Menschen für Demokratie und Politik gewonnen werden sollen, muss man sie ernst nehmen und an Entscheidungen beteiligen. So lautet das Ergebnis der zweiten Demokratiekonferenz für die Stadt Weiden. Pädagogen, Politiker, Vertreter aus Jugendverbänden und Verwaltungen hieß Schulleiter Helmut Matejka zur Diskussionsrunde willkommen, in der es um Strategien gegen Rechtsextremismus, Intoleranz, Gewalt und Menschenfeindlichkeit ging.

"Jugend echt beteiligen"


Höhepunkt der Veranstaltung im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben" war der Vortrag von Lisi Maier, Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR). Sie arbeitet in Berlin, stammt aber aus Irschenberg in Oberbayern. Lisi Maier berichtete zunächst über aktuelle Erkenntnisse über Einstellungen und Verhalten von Jugendlichen. Dabei bezog sie sich auf Erkenntnisse aus der Sinusstudie, der Shell-Studie und des sogenannten Freiwilligen-Survey des Bundesfamilienministeriums.

Eine Schlussfolgerung daraus lautet: "Will man Jugendliche für das Engagement für eine bestimmte Sache gewinnen, müssen die zugrundeliegenden Entscheidungen für die jungen Menschen nachvollziehbar gemacht werden." Für Entscheidungsträger sei insofern der "richtige Umgang mit Verhandlungsergebnissen wichtig".

Jugendliche könnten nur dann für eine Partizipation an Entscheidungsprozessen gewonnen werden, "wenn wir sie echt beteiligen". Die DBJR-Vorsitzende berichtete auch von dem Dilemma, dass "der Anteil junger Menschen in Vereinen gestiegen ist, aber die Zeit für ehrenamtliches Engagement sich im Durchschnitt auf zwei Stunden verringert hat".

Vielen fehlt es an Zeit


Junge Menschen möchten sich engagieren, hätten aber durch lange Anfahrtszeiten zur Ausbildung, Schulzeitverkürzung, Ganztagsschule und generell verdichtete Ausbildung wenig Spielraum dafür. Nach dem Motto "ohne Moos nichts los" kritisierte Lisi Maier auch Kommunalverwaltungen, die durch finanzielle Kürzungen die Jugendarbeit erschweren würden. Unter Hinweis auf ein vorliegendes Gutachten betonte sie: "Jugendverbandsarbeit ist keine freiwillige Leistung, sondern eine Pflichtleistung der Kommunen." Lob erhielt der Freistaat Bayern von der Referentin für die Möglichkeit der Freistellung von Auszubildenden für die Arbeit in Jugendverbänden.

Als "Ansatzpunkte vor Ort" sieht die DBJR-Vorsitzende Jugendhilfepläne, Jugendhilfeausschuss und generell die Förderung der Jugendverbandsarbeit. Schulen und freie Träger der Jugendhilfe sollten sich regelmäßig austauschen. Jugendverbände sollten ernst genommen werden, ein eigenes Budget verwalten und auch Personal einsetzen dürfen. "Engagement setzt echte Partizipation voraus", stellte sie abschließend fest. Herbert Schmid von der eGmbH "Arbeit und Leben" stellte die bisherigen 19 Einzelprojekte der Jahre 2015 und 2016 im Gesamtprojekt "Demokratie leben" vor. "Noch ist Geld da", stellte er fest. Anträge für Einzelprojekte sollten bis 17. Juni an ihn oder an Susanne Reinhardt bei der Stadt Weiden eingereicht werden.

Thema Jugendforum folgt


Über das Jugendforum in Weiden und die dazu durchgeführte Umfrage an Schulen wird laut Jugendforum-Vertreterin Eva Bauer die Öffentlichkeit gesondert informiert. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß betonte in seinem Grußwort: "Demokratie und Toleranzförderung ist notwendiger denn je." In Arbeitskreisen zur Jugendpolitik in Weiden wurden die diskutierten Themen vertieft.
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