Juz: Vierte Stelle in Gefahr

Raimunda Brusokaite verlässt den Stadtjugendring zum 31. März. Überraschend empfiehlt die Stadtverwaltung, ihre Stelle im Jugendzentrum nicht wieder zu besetzen. Bild: Hartl

Die Verantwortlichen des Stadtjugendrings sind entsetzt: Die Stadt will dem Jugendzentrum eine Sozialpädagogen-Stelle streichen. Überraschend zweifelt sie an "Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit".

Von Ernüchterung bis hin zum blanken Entsetzen reichen die Reaktionen im Vorstand des Stadtjugendrings: Die Stadtverwaltung empfiehlt, eine Sozialpädagogen-Stelle im Jugendzentrum zu streichen. Dann würden sich nur noch drei statt bisher vier Hauptamtliche um die junge Klientel kümmern. Eine erste Entscheidung fällt der Jugendhilfeausschuss am 11. März, am 16. März befasst sich auch der Stadtrat mit der Angelegenheit.

Die Bombe platzt im Vorlagebericht zur Sitzung des Jugendhilfeauschusses am Mittwoch. Unter Tagesordnungspunkt 7 - "Personalsituation Stadtjugendring" - nimmt die Verwaltung Bezug auf den Bericht des Kommunalen Prüfverbandes. Darin bemängelten die Regensburger, dass im Grundlagenvertrag zwischen Stadt und Jugendring nur drei Sozialpädagogen-Stellen im Juz festgeschrieben sind. Die "Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit" der vierten Kraft sei zu prüfen und gegebenenfalls eine "klare Regelung" zu treffen.

Lob von höchster Stelle

An dieser "klaren Regelung" scheiden sich nun offenbar die Geister: Während sich der SJR die Aufnahme der vierten Stelle in einen neuen Grundlagenvertrag wünscht, forciert die Verwaltung die Rückkehr zu alten Verhältnissen. Bis Mitte 2009 betreute ein dreiköpfiges Team das Jugendzentrum. Dann genehmigte der Stadtrat - auf Initiative von OB Kurt Seggewiß - die langersehnte vierte Stelle. Insbesondere sollte sich der neue Mitarbeiter um "aufsuchende Jugendarbeit" (Besuch von Jugendtreffs und ähnliches), Maßnahmen gegen Rechtsextremismus (unter anderem bei "Weiden ist bunt") sowie Gewaltprävention kümmern. Laut SJR-Chef Tobias Reichelt "wurde all das geleistet". Als der ursprüngliche "vierte Mann", Andreas Klier, 2013 den SJR verließ, habe er für seine Arbeit Lob von höchster Stelle erhalten. Reichelt: "Und jetzt wird die Wirksamkeit plötzlich angezweifelt."

Tatsächlich erkennt die Verwaltung eine Chance, die Stelle unkompliziert abzubauen: Zum 31. März hat Sozialpädagogin Raimunda Brusokaite beim SJR gekündigt. Das Juz-Team würde dann aus Julia Zimmermann, Theresa Sowa und Florian Graf bestehen, der am 19. April aus dem Erziehungsurlaub zurückkehrt. Konkret lautet die Empfehlung des Rathauses: "Von einer Neubesetzung der 4. Stelle wird abgeraten." Das trifft die SJR-Führungsspitze insbesondere nach Vorgesprächen im Sozialdezernat völlig überraschend. Bisher sei er von einer "ergebnisoffenen Diskussion" und einer wohlwollenden Begleitung durch die Stadt ausgegangen, sagt Vorsitzender Reichelt.

Kampfansage

Um die vierte Stelle will der Jugendring auf jeden Fall kämpfen: zunächst bei den Stadtratsfraktionen, dann im Jugendhilfeausschuss, wo Stadtjugendpfleger Ewald Zenger und Reichelt die Notwendigkeit detailliert begründen wollen. "Wir werden zeigen, wie wichtig, wirtschaftlich und wirksam die Stelle ist."
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