Keine eingebildete Kranke
Odyssee durch Arztpraxen und Kliniken

Als sei der Schmerz und Identitätsverlust nicht schlimm genug, gerät Claudia Müller auch noch in die Mühlräder der Medizin.

TCM-Klinik-Kötzting: In der ersten deutschen Klinik für traditionelle chinesische Medizin in Bad Kötzting, "bekamen sie es hin, dass ich wieder ein wenig schlafen konnte". Als sie die Medizin nicht mehr bekommt, kehren Schlaflosigkeit und unerträgliche Schmerzen zurück.

Neurologie in Weiden: "Man sagt mir, neurologisch sei nichts festzustellen." Claudia kann nicht schlafen, wird als Nervenbündel entlassen. "Man will mir einreden, mein Leiden sei psychisch", sagt sie bitter. "Dabei sind die psychischen Begleiterscheinungen die Folge, nicht die Ursache."

Wechsel des Hausarztes: Als sie aus der Neurologie entlassen wird, versucht sie einen Termin bei ihrem Hausarzt zu bekommen. "Die sagten mir, morgen sind wir voll, kommen Sie am Freitag um 10 Uhr." Als sie in die Praxis kommt, ist der Arzt bereits unterwegs in den Urlaub. Sie steht da mit dem verschlossenen Entlassungsbrief und müsste laut Praxis bis nach den Pfingstferien warten. "Mein Mann sammelte mich als weinendes Elend am Straßenrand auf."

Wöllershof: Nachdem die Radiologen in Weiden keinen Befund feststellen können, beharrt ein Stationsarzt auf der Diagnose "dissoziative Bewegungsstörung": "Warum schütteln Sie die Hand? Sie bilden sich das ein!"

Funktions-MRT: Erst die Upright-Kernspintomographie in Aschheim belegt eine Atlassteilstellung und den Befund, dass sich die Axis um drei Millimeter nach links verschoben hat. Narbengewebe drücke auf den Nerv. "Für mich war das eine wichtige Bestätigung", sagt Claudia. "Daraufhin hat auch der Stationsarzt in Wöllershof umgeschwenkt."

Botoxbehandlung bei Prof. Dr. Andres Ceballos-Baumann: Das Nervengift soll die krampfende Muskulatur betäuben. "Was tut man nicht in seiner Verzweiflung?", beschreibt sie die Überwindung, es trotz Zweifeln auf einen Versuch ankommen zu lassen. Nachdem Sie den Arzt wochenlang nicht an das Telefon bekommt, beschließt sie: "Da fahre ich nicht mehr hin, diese qualvollen Fahrten lohnen sich nicht."

Klinik Amberg: Der "sehr nette Chefneurologe" Dr. Frank Huber bekennt, dass er so einen Fall noch nie gesehen habe. "So viel Botox könne man einem Menschen gar nicht verabreichen", sieht er sich zu einer Behandlung außerstande - und verzichtet auf die Rechnung.

Kompetenzzentrum für Bewegungsstörungen an der Paracelsus-Klinik in Zwickau: Claudia wartet lange auf einen Termin bei Professor Gerhard Reichel. Im Sommer 2014 begutachtet er sie. Nach den Untersuchungstorturen sagt man ihr: "Sie können wieder heim, in 2 bis 3 Wochen erfahren Sie, ob wir Sie behandeln."

Es kommt zu keiner Anschlussbehandlung, aber zur Empfehlung einer Reha zur Behandlung von Dystonien - die Krankenkasse lehnt eine Kostenübernahme ab.

Der neue Hausarzt verordnet Opiate, auf die die Patientin Monate später allergisch reagiert.

Sie wird danach an die Neurologie in Regensburg überwiesen: Professor Dr. med. Ulrich Bogdahn attestiert, dass man in ihrem Zustand nicht alle Untersuchungen machen könne.

Er überweist sie nach Donaustauf, dessen Lungenkrankenhaus auch eine psychiatrische Abteilung unterhält: Chefarzt Professor Dr. med. Thomas Loew habe sie wieder "ganz gut aufgepäppelt", und versucht, sie "medikamentös einzustellen".

Naturheilpraxis in Bad Griesbach: Die Heilpraktikerin Sabine Linek, bekannt durch Ex-TV-Prediger Jürgen Fliege, diagnostiziert, dass "ich übel mit Borrelien infiziert bin, die sich auf Nervenbahnen und Bindegewebe gelegt haben". Sie sagt: "Eine Heilung kann ich vergessen, die Nerven sind zu sehr geschädigt, höchstens eine Linderung könne man erzielen."

Claudias Blut wird mit Ozon versetzt, sie bekommt homöopathische Spritzen. "Das Immunsystem hat sich erholt, psychisch und physisch bin ich stabiler, aber das Grundproblem ist unverändert - seit September wird es täglich schlimmer."
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