Keiner wettet dagegen
EVP-Fraktionschef Manfred Weber Stargast beim CSU-Neujahrsempfang

Politik
Weiden in der Oberpfalz
07.01.2016
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220 Abgeordnete gehören der Europäischen Volkspartei (EVP) an. Sie kommen aus 27 Ländern. Nicht einfach, diese konservative Truppe als Fraktionschef zu führen. Manfred Weber schafft es. Keine Überraschung, dass dem 43-jährigen Niederbayern auch noch andere Aufgaben zugetraut werden.

Beim traditionellen Neujahrsempfang der Nordoberpfälzer CSU am Mittwoch in der Weidener Max-Reger-Halle macht Gastgeber, MdB Albert Rupprecht, kein Hehl daraus, was er von seinem Stargast und alten Freund hält. Er bietet gar eine Wette an: Bei einem Rückblick in 20 Jahren werde man feststellen, dass Weber zu einem der drei einflussreichsten CSU-Politiker aufgestiegen sei. Am Dreikönigstag 2016 findet sich auf jeden Fall niemand, der dagegen hält. Vielleicht deshalb, weil er es bereits ist?

Nachfolge-Frage


Rupprecht wies schon mal darauf hin, dass der Niederbayer, der in Europa zu Hause ist, öfter mit Kanzlerin Angela Merkel telefoniere als Ministerpräsident Seehofer. Und innerhalb der CSU bei den Stellvertreterwahlen habe Weber "das mit Abstand beste Ergebnis" erzielt. Rupprecht stellte schließlich offen die Nachfolge-Frage, allerdings wohlwissend, dass der Angesprochene sich dazu nicht äußern wird.

Sie kennen sich seit der Zeit bei der Katholischen Landjugendbewegung, später als JU-Vorsitzende von Niederbayern und der Oberpfalz. Und Weber gibt offen zu, dass er ohne seine Freunde aus der nördlichen Oberpfalz nicht bayerischer JU-Vorsitzender geworden wäre. Mit allen Folgen für seine weitere Karriere. So aber wollte er am Abend in Wildbad Kreuth bei der CSU-Landesgruppe noch zu einem Vier-Augen-Gespräch mit dem britischen Premier David Cameron zusammenkommen. Schließlich gehe es um Europa mit oder ohne Großbritannien. Bei Themen wie Sozialmissbrauch und Bürokratieabbau habe er "unsere Unterstützung", sagte Weber. Aber es gehe auch um die grundsätzliche Frage, ob Europa in der Welt weiter mitgestalte oder ob es sich aus der Verantwortung verabschiede.

In der Flüchtlingsfrage tritt der 43-Jährige gegen eine "Tür-zu-Politik" ein. Wenn bitterarme Länder wie der Libanon helfen (dort gehen inzwischen mehr syrische Kinder als libanesische in die Schule), müsse auch das christliche Europa helfen. Weber fordert aber eine faire Lastenverteilung und eine Begrenzung, ohne aber eine Zahl zu nennen. Der Politiker sieht Deutschland als Friedensmacht. "Wo es Krisen und Konflikte gibt, müssen wir zur Deeskalation beitragen." Und: "Wir wollen nicht die Fehler machen, die die USA nach Nine-Eleven gemacht hat."

Keine einfachen Wege


Zuvor hatte auch MdB Rupprecht bei Flüchtlingen eine Obergrenze gefordert. Deutschland sei bereit zu helfen, aber das eigene Haus müsse weiter funktionieren. Zu Europa merkte der Abgeordnete an, trotz aller Mühsamkeiten sei eine Europäische Union 1000 mal besser als keine EU. "Einfache Wege gibt es nicht, nur Kompromisse."
Wir wollen nicht die Fehler machen, die die USA nach nine-eleven gemacht haben.Manfred Weber
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