Klares Ja zum Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen
Damit Schüler nicht Federn lassen

Politik
Weiden in der Oberpfalz
17.03.2016
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Vor exakt einem Jahr war der Jugendhilfeausschuss genau so weit: Er empfahl, den weiteren Ausbau der Jugendsozialarbeit an Grundschulen. Der Finanzausschuss lehnte aus Haushaltsgründen ab. Jetzt macht sich das Gremium für einen Kompromiss stark.

Und zwar einstimmig: Im laufenden Schuljahr habe man auf den Ausbau verzichtet. Doch ab dem nächsten Schuljahr sollen auch die Hammerweg- und die Rehbühlschule Jugendsozialarbeiter erhalten. Für die beiden Kräfte mit jeweils 30 Wochenstunden müsste die Stadt bis Dezember 23 000 Euro an Eigenmitteln aufbringen. Das Geld müsste noch im Etat 2016 zur Verfügung gestellt werden. Jetzt gilt es, Finanzausschuss und Stadtrat von dieser Investition zu überzeugen.

"Die SPD-Fraktion ist dafür", versicherte Florian Graf, der Jugendsozialarbeit als "eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen" bezeichnete. Für die Bürgerliste sicherte Reinhold Wildenauer ein Ja zum Ausbau der Jugendsozialarbeit zu. "Wir müssen verdeutlichen, dass die Kosten für ein Jahr schon gespart wurden", erklärte Stefanie Sperrer für die CSU. "Jetzt sollten zwei weitere Stellen eingerichtet werden."

Wie wirkungsvoll Jugendsozialarbeit an Schulen ist, hatte Thomas Bierler zuvor anhand mehrerer Studien und der Erfahrungen in Weiden untermauert. Der Sozialpädagoge ist an der Pestalozzischule tätig und ließ auch die Erfahrungen seiner Kollegen vor Ort mit einfließen. Die geplante Filmvorführung klappte zwar nicht ganz reibungslos. Der Ton blieb aus. Doch auch so zeigten die Cartoon-Piepmätze in dem Streifen auf: Es kann ins Auge gehen, wenn sich ein Fremder in die Gruppe drängt und niemand vermittelt. "Damit die Schüler nicht so viel Federn lassen müssen, gibt es uns." An sechs Weidener Schulen sind laut Bierler aktuell Sozialarbeiter tätig. Gerade Kinder aus armen Schichten seien deutlich benachteiligt, belegte er anhand einer Studie. "Sie können den Zug gar nicht mehr erreichen." Doch durch frühzeitige Intervention, Beratung und Förderung könne die Jugendsozialarbeit hier gegensteuern.

Investition in die Zukunft


Dass die Chancen für Kinder aus sogenannten Hartz-IV-Familien ohne Unterstützung von außen schlecht stehen, hatte auch Jugendamtsleiterin Bärbel Otto belegt. Sie verwies dazu auf eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung über den Arbeitsmarkt in Weiden. Diese belegt, dass in Weiden immer noch jedes fünfte Kind unter 15 Jahren Leistungen nach dem Sozialhilfegesetzbuch II bezieht. "Die Situation hat sich im Vergleich zu 2011 nur leicht verbessert." Deshalb fordere auch die Arbeitsmarktinitiative Weiden mehr und vor allem frühzeitige Prävention. Und deshalb sei auch der Ausbau der Jugendsozialarbeit an Grundschulen so wichtig.

"Wir haben erst sehr spät erkannt, dass Langzeitarbeitslosigkeit vererbt wird." Wegen der klammen Finanzlage der Stadt sei der Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen vorübergehend ausgesetzt worden, erinnerte Bürgermeister Lothar Höher, der die Sitzung am Mittwoch leitete. Jetzt sei es Zeit für die Fortsetzung. "Die 23 000 Euro sind eine gute Investition in die Zukunft. Wir sollten sie den Kollegen im Finanzausschuss mit Nachdruck ans Herz legen."
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