Kommentar zum Amoklauf eines Reichsbürgers
Es reicht, Bürger – - Zeit, dass sich die Demokratie wehrt!

Politik
Weiden in der Oberpfalz
20.10.2016
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Der Grat zwischen harmloser Spinnerei und blutigem Ernst ist schmal. Das Phänomen ist nicht neu: Eine sonderbare Allianz von Verschwörungstheoretikern, Esoterikern und Rechtsextremen erklären die Bundesrepublik Deutschland zur GmbH, zählen die Federn des Bundesadlers, um Anomalien zu entdecken und erklären das Grundgesetz und sämtliche Behörden für illegitim.

Die Motive der vielen Splittergruppen - vom rechtsextremen Deutschen Kolleg um Horst Mahler über betrügerische Germaniten und die kommissarische Reichsregierung bis zum Königreich Deutschland des Esoterikers und Kochs Peter Fitzek - reichen von schlichter Bereicherungsabsicht über religiöse Sektiererei bis zu irren Rassenthesen des ehemaligen RAF-Terroristen Mahler. Sein Ziel: das deutsche Volk aus der "Knechtschaft" einer "jüdischen Weltverschwörung" zu befreien.

Es ist kein Zufall, dass die "Reichsideologen" auch Zuspruch von den Wutbürgern der Pegida erhalten. Die aggressive Ablehnung des demokratischen Deutschlands passt ausgezeichnet zum Feindbild all derer, die für Pleiten, Pech und Pannen die ganze Welt, nur nicht selbst verantwortlich machen.

Hasstiraden gegen alles, was nicht in ein völlig aus der Zeit gefallenes borniertes, völkisch-nationales Sündenbock-Denken passt, bereiten das Klima für Übergriffe auf die Feindbilder: Fremde, Politiker, Umweltschützer, Feministen, Homosexuelle, Gutmenschen. Dass sich da der durchgeknallte Reichsbürger Wolfgang P. im Recht fühlt, um sich zu ballern, wenn ihn Vertreter des verhassten "Regimes" entwaffnen wollen, überrascht kaum mehr. Es reicht, Wutbürger! Der Staat muss jetzt zeigen, dass er sehr viel reeller ist, als sich die Reichsbürger das wünschen.

juergen.herda@derneuetag.de
1 Kommentar
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Josef Bodensteiner aus Oberviechtach | 21.10.2016 | 19:00  
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