Kommentar zum Terroranschlag am Istanbuler Flughafen Atatürk
Istanbul - zwischen den Kontinenten und den Stühlen

Die Türkei kommt nicht zur Ruhe. Wieder ein verheerender Anschlag, wieder in der Metropole Istanbul. Die tragischen Ereignisse am Atatürk-Flughafen mit mindestens 41 Toten und Hunderten Verletzten sind bereits der vierte Terror-Schlag in der Stadt in diesem Jahr.

Ein Teil des Problems ist sicher hausgemacht. Recep Tayyip Erdogans harter, unversöhnlicher Kurs gegen die Kurden beantwortete eine PKK-Splittergruppe im Juni mit einem Autobomben-Anschlag. Jede weitere Aktion des Präsidenten liefert neues Konfliktpotenzial. Doch die weitaus größere Gefahr stellt der Islamische Staat (IS) dar, der wohl für das Attentat am Dienstag verantwortlich ist. Dem IS werden auch die Anschläge im Zentrum Istanbuls im Januar und im März in der Einkaufsstraße Istiklal zugerechnet.

Die Terrormiliz bleibt ihrer destabilisierenden Strategie treu und nimmt vornehmlich weiche, touristische Ziele mit möglichst hohen Opferzahlen ins Visier. Bisher ließen sich Urlauber nach Attentaten - getreu nach der Binsenweisheit "der Blitz schlägt nie zweimal an der selben Stelle ein" - kaum dauerhaft abschrecken und kehrten zurück. In Istanbul könnte diese Einnahmequelle aber bald versiegen, wenn die IS-"Blitze" weiter regelmäßig einschlagen.

Die Terroristen setzen hier an einer Schwäche an, die aus der derzeitigen Stellung der Metropole am Bosporus zwischen Europa und Asien resultiert. Die trotz Misstönen enge Verbindung zu Europa, die zentrale Rolle in der Flüchtlingskrise, der Konflikt mit Russland und das Engagement in Syrien rückten die Türkei zuletzt ins diplomatische Abseits. Alle Beteiligten täten gut daran, den Kurs der Ausgrenzung zu verlassen, um wieder an einem Strang zu ziehen.

tobias.schwarzmeier@derneuetag.de
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