Kommunikationsberater empfiehlt Prävention ohne Verbote
Abschreckung nützt nichts

"Ich versteh mich als Brückenbauer" sagte der österreichische Kommunikationsberater und Buchautor Gerald Koller

Eigentlich standen am Abend eher pädagogische Konzepte im Vordergrund und weniger die Drogenbekämpfung. Dennoch ist beides sehr eng miteinander verbunden.

(sbü) "Abschreckung ist die schlechteste Alternative, um Menschen vor Gefahren im Leben zu schützen." Diese grundsätzliche Aussage stellte der österreichische Kommunikationsberater und Buchautor Gerald Koller an den Anfang seines annährend zweistündigen Vortrags. Zur Veranstaltung "Risikobereite Prävention" hatte die OTH mit "Need NO Speed", Lions-Club Goldene Straße und dem Bayrischen Jugendring eingeladen. Was Koller den Zuhörern im Hörsaal der OTH unterhaltsam anbot, waren Lehrsätze über erfolgreiche Pädagogik. "Bewahrungspädagogik ist von Angst gelenkt und führt ins Gegenteil," Diese erzeuge genau die Problematik, die sie verhindern wolle. Koller belegte diese Aussage zunächst am Beispiel der Sexualerziehung in seiner Jugend ("Hätte es Bravo nicht gegeben..."). Alle Eltern der Welt freuten sich, wenn ihre Kinder über Torkeln, Hinfallen und wieder Aufstehen das Laufen lernen. Auch unter Hinweis auf Montessori folgerte Koller: "Im dialogischen Beziehungswesen lernen wir." Diese Erkenntnis sollte Grundhaltung der Prävention sein.

Ausführlich erläuterte er den Unterschied zwischen Risiko und Gefahr. Beide Begriffe würden oft verwechselt. Gefahren sollte man vermeiden, Risiken könnten nie vermieden werden. Es müsse gelernt werden, Risiken zu beherrschen. Bergsteiger Reinhold Messner hätte dies erfolgreich vorgeführt. "Bei der Prävention machen wir weiterhin den tabuisierenden Eiertanz." Koller empfiehlt die "risikopädagogische Begleitung". Am Beispiel von Extremsportlern machte er deutlich: "Wie schafft es ein Base-Jumper, im richtigen Moment die Leine zu ziehen?" Rausch mit Endorphin-Ausschüttung konkurrieren mit Risikobeherrschung.

Die Antwort von Koller lautete: Im "Break" (sinngemäß: konzentriertes Nachdenken) würden alle Gehirnbereiche des Menschen aktiviert, also die für Körperfunktionen, Emotionen und Vernunft. Mit dem vorherigen "Break" gelinge es, zwischen Risiko und Gefahr zu unterscheiden. In der Pädagogik müsse gelernt werden möglichst viele "Break-Situationen" einzurichten. Allerdings, so bedauerte Koller, "je schneller wir unterwegs sind, desto weniger Breaks machen wir". Gemessen an den auf uns einströmenden Informationen und Geschehnissen sei die heutige Zeit "45 Mal schneller als vor 60 Jahren". Deshalb fordert Koller "Chill-Out-Bereiche", bei denen nach der Anspannung zur Entspannung komme.

Daneben müsse Jugendliche auch gezeigt werden, dass sie sich in Gruppen risikobereiter verhielten und lernen sollten, nicht in Gefahr zu kommen. Außerdem müsste auch das "Lernen durch Scheitern" mehr Akzeptanz finden. In Bezug auf die Suchtprävention folgerte Koller:"Rausch und Risiko sollten nicht tabuisiert werden, dann kann man damit umgehen. Im Eingangsreferat hatte Gerhard Krones von "Need NO Speed" bereits gefordert, "Haltungen nicht auf der Basis von Belehrungen" zu entwickeln. Mosaik und Be-Kay vom Magischen Projekt boten Rap-Songs. Moderator war Jürgen Meyer.
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