Konzept für seniorengerechte Stadt steht
Arbeitsgruppe für Umsetzung

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß stellte zusammen mit Sabine Frischholz vom Sozialamt und Sabine Wenng von der Arbeitsgruppe Sozialplanung und Altersforschung (sitzend, von links) das Seniorenpolitische Gesamtkonzept der Stadt Weiden vor. Mit dabei auch (stehend, von links) Sozialamtsleiter Thomas Hentschel und Seniorenbeauftragter Alfons Heidingsfelder. Bild: sbü
Politik
Weiden in der Oberpfalz
02.08.2016
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Alte Menschen brauchen ein intaktes Wohnumfeld, um sich wohl zu fühlen. Mit einem systematischen Ansatz will die Stadt Weiden jetzt zur seniorengerechten Stadt werden.

Fünf Jahre wurde über ein Seniorenpolitisches Gesamtkonzept der Stadt Weiden diskutiert. Seit 2014 wird konkret daran gearbeitet. Jetzt ist es fast fertig. Die Ergebnisse präsentiert Oberbürgermeister Kurt Seggewiß nun der Öffentlichkeit. Besonders wichtig sei, so der OB, "dass ältere Menschen sich auch bei eingeschränkter Mobilität so lange und so selbstständig wie möglich innerhalb eines bestimmten Aktionsradius' bewegen und leben können".

Federführend für die Erstellung des Konzepts war die Arbeitsgemeinschaft Sozialplanung und Altersforschung in Bayern. "5000 Bürger der Stadt wurden befragt, über 40 Prozent haben geantwortet", berichtet die zuständige Psycho-Gerontologin und Geografin Sabine Wenng. Ein ganztägiger Workshop und zahlreiche Sitzungen eines Begleitgremiums hätten stattgefunden. "Vor allem im Begleitgremium gab es viele hitzige Diskussionen", erinnert Seniorenbeauftragter Alfons Heidingsfelder.

Untersucht wurden zehn Handlungsfelder, die fast vollständig das Wohnumfeld alter Menschen abbilden. Im Mittelpunkt standen Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, gut erreichbare Nahversorgung für Güter des täglichen Bedarfs sowie die medizinische Versorgung. "Weiden schneidet insgesamt recht gut ab", stellt Sabine Wenng fest. Ihr Urteil hat Gewicht, denn sie war bereits an mehr als 30 Konzepten anderer Städte beteiligt. Gleich zu Beginn ihres Vortrags stand ein großes Lob: "Mit dem Maria-Seltmann-Haus haben sie ein ganz besonderes Pfund." Schließlich gehe es im Seniorenkonzept auch um Teilhabe und Kommunikationsmöglichkeiten.

Rechtzeitig umbauen


Ansatzpunkte für mögliche weitere Verbesserungen sieht Sabine Wenng im Bereich "Wohnen". Als Beispiel nennt sie "möglichst frühzeitigen, altersgerechten Wohnungsumbau" und "Möglichkeiten für gemeinschaftliches Leben und Wohnen Älterer in kleineren Gruppen". Auch könnten Beratung, Information und Öffentlichkeitsarbeit für Ältere "noch stärker gebündelt werden".

Dies sei allerdings kein "weiden-spezifisches Problem". Verbesserungsmöglichkeiten sieht die Expertin in zusätzlichen Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige, zum Beispiel durch mehr Tagespflegestellen oder Betreuungsgruppen.

Weiteres Verbesserungspotenzial gebe es im Bereich "Mobilität und Fahrdienste" für diejenigen, die nicht mehr selbstständig ihr Haus verlassen können. "Mancher gute Vorschlag scheitert an bestimmten Vorschriften", stellt Seniorenbeauftragter Heidingsfelder fest und verweist auf das Beispiel "Lieferdienst für Lebensmittel" für den ganz spezielle Hygieneschutz-Bestimmungen gelten. Auch das Thema Fahrdienste berühre schnell die Taxiunternehmen.

Konkretes von Arbeitskreis


"Das Seniorenpolitische Gesamtkonzept ist eine Handlungsempfehlung für die seniorengerechte Ausgestaltung unserer Stadt", sagt der Oberbürgermeister und betont: "In Weiden haben wir bereits einiges auf den Weg gebracht, um einer älter werdenden Gesellschaft gerecht zu werden." Sabine Frischholz vom Sozialamt der Stadt kündigt an, dass sich ab September ein Arbeitskreis mit circa 15 Mitgliedern aus allen wichtigen Bereichen mit der Umsetzung des Konzepts befasse.

Für jedes Handlungsfeld sollen Vorschläge entwickelt werden. Geplant sei auch, das Konzept demnächst online zu stellen. (Im Blickpunkt)

Seniorenpolitisches Gesamtkonzept: Das steht drinDas Seniorenpolitische Gesamtkonzept der Stadt Weiden behandelt auf 199 Seiten zehn Handlungsfelder. Für jedes Handlungsfeld werden zunächst allgemeine Grundsätze formuliert, dann zahlreiche Einzelmaßnahmen vorgeschlagen, Begründungen dafür dargestellt und die zuständigen Stellen aufgeführt. Die Handlungsfelder heißen wie folgt: "Integrierte Orts- und Entwicklungsplanung", "Wohnen zu Hause", "Beratungs-, Informations- und Öffentlichkeitsarbeit", "Präventive Angebote", "Gesellschaftliche Teilhabe", "Bürgerschaftliches Engagement", "Unterstützung pflegender Angehöriger", "Angebote für besondere Zielgruppen", "Steuerung, Koordination, Kooperation und Vernetzung", "Hospiz- und Palliativversorgung".

In zahlreichen Tabellen und Übersichten werden die Details dargestellt. Ein Kapitel befasst sich ausführlich mit dem Thema Pflege, einschließlich einer Bestandserhebung. Im Anhang werden die Ergebnisse der Bürgerbefragung aufgezeigt. Dem Stadtrat lag der Entwurf bereits vor. Er soll demnächst fertiggestellt werden und auch öffentlich zugänglich sein. (sbü)
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