Kundgebung gegen Rassismus und Diskrimninierung
Jetzt beginnt die Zeit des Teilens

Deutliche Worte fanden Veit Wagner (links) und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß bei der Kundgebung für Menschenwürde und Menschlichkeit.
Politik
Weiden in der Oberpfalz
22.03.2016
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Deutliche Worte fanden Veit Wagner (links) und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß bei der Kundgebung für Menschenwürde und Menschlichkeit.

Bilder mit Symbolkraft. Unter ihren bunten Schirmen wollen die etwa 200 Bürger die Flüchtlinge beschützen - vor Rassismus und Diskriminierung. Nicht nur Veit Wagner vom Integrationsbeirat der Stadt, der zur Kundgebung auf den Oberen Markt geladen hat, spricht am Montagabend Klartext.

Erbärmlich nennt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Schirmherr der Kundgebung, das, was die 28 EU-Staaten in der Flüchtlingsfrage abliefern. Genauso erbärmlich sei aber auch die deutsche Innenpolitik. "Sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, ist kein Umgangsstil." Europa zahle an die Türkei sechs Milliarden Euro, damit dort "unsere Probleme" gelöst würden. Zugleich ging Seggewiß auf die Situation in Weiden ein.

Eine große Last


Die Stadt trage eine große Last, auch finanziell. Sie dürfe von Land und Bund nicht alleine gelassen werden. "Wir gehen auf alle Menschen ein, die nicht auf der Sonnenseite leben." Die Schere zwischen Arm und Reich öffne sich immer weiter. "Aber wir kümmern uns um alle, die abgekoppelt sind." Dies gelte auch für die Flüchtlinge. "Wir wollen nicht, dass wir aufgrund notwendiger Sparmaßnahmen unsere Bedürftigen hintanstellen. Wir müssen um unsere sozialen Errungenschaften kämpfen." Herzlich dankte Seggewiß allen, die sich ehrenamtlich engagierten. "Sie alle sind der soziale Kitt, den unsere Stadt braucht."

Als Sprecher des Integrationsbeirates begrüßte Veit Wagner die Bürger am Internationalen Tag gegen Rassismus. "Mit bunten Schutz-Schirmen wollen wir unsere Überzeugung als ein eindrucksvolles Bild hinausschicken über alle Dächer, in alle Häuser und vor allem in alle Köpfe. Wir machen damit deutlich, dass wir rassistisches Denken und rassistische Ausschreitungen nicht dulden. Wir werden Menschenwürde und Menschlichkeit schützen", betonte Wagner.

Über 650 Flüchtlinge lebten derzeit in Weiden, berichtete er. "Wir nehmen sie mehr und mehr wahr. Ihnen gilt unser Mitgefühl und unsere Fürsorge. Denen, die hier bei uns gestrandet sind, gilt unsere Verantwortung. Wir suchen auch das Gespräch mit denen, die Gefahren sehen. Und wir sagen noch einmal: Nicht jeder, der sich Sorgen macht, ist ein Rassist. Nicht jeder, der Ängste zum Ausdruck bring, ist ein Nazi. Aber dumpfe Drohungen, Wutausbrüche, Hassreden und Gewalt lehnen wir entschieden ab." Stellvertretend für den Integrationsbeirat dankte Wagner allen, die in Weiden ihre Hilfe einbringen, die der Hetze entgegentreten, die deutlich Position beziehen und rassistischen Reden Paroli bieten. "Für uns gilt das Motto: Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt."

Nächstenliebe leben


Stadtpfarrer Markus Schmid (St. Josef) forderte von allen, "die Christen sein wollen", dass sie gegen Rassismus, gegen Fremdenfeindlichkeit und gegen Diskriminierung aufstehen. "Für uns Christen gibt es keine Alternative für Deutschland." Gerade Christen müssten die Nächstenliebe verkünden und leben. "Wir stehen auf für ein buntes, schönes Weiden."

Um Verständnis und Sympathie für die Flüchtlinge warb auch Dekan Dr. Wenrich Slenczka. "Jeder von uns begegnet ihnen. Und jeder stellt fest, sie sind Menschen wie wir - mit unterschiedlichen Begabungen, Charakteren und Lebensgeschichten. Aber sie durchleben eine Extremsituation. Sie haben ihr Land verlassen und sich auf den Weg gemacht. Jetzt müssen sie sich in einer fremden Welt zurechtfinden. Sie brauchen Menschen, die sie unterstützen. Wir alle gehören zusammen. Wir sind eine Welt." Slenczka bedauerte, dass Europa versuche, sich abzuschotten - ausgerechnet der reichste Erdteil wolle nicht teilen. Europa sei gefordert, dafür zu sorgen, dass Flüchtlinge in den Herkunftsländern in Frieden und Freiheit leben können.

Militärpfarrerin Kim Kießling berichtete von ihren Einsätzen in Mali und im Kosovo. Gerade nach den Erfahrungen in Afrika könne sie nachvollziehen, dass die Menschen eine bessere Bleibe suchten. "Wir sind in Deutschland so privilegiert. Ich würde mit meiner Familie auch sofort aus Afrika fliehen."

Nachdenklich stimmte Veit Wagner viele Bürger mit seinem Schlusswort: "Jetzt beginnt die Zeit des Teilens!"
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