Landwirte in der Schuldenfalle
Der Bauer stirbt langsam und leise

(Foto: dpa)
Politik
Weiden in der Oberpfalz
09.03.2016
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Die BDM-Vertreter Werner Reinl und Hubert Meiler (von links) skizzieren die Lage der Landwirte. Bild: Schönberger

Weiden/Schwarzenfeld. Sinkende Preise für Schweine und Milch, höhere Investitionskosten. Für viele Landwirte geht es längst nicht mehr nur um geringere Einnahmen, sondern um massive Verluste bis hin zu Pleiten. Davon bekommt allerdings kaum jemand etwas mit, sagt Werner Reinl, Teamleiter des Kreisverbandes Neustadt/WN des "Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter" (BDM), im Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung. "Der Bauer stirbt leise und langsam", unterstreicht Reinl. Muss ein landwirtschaftlicher Betrieb schließen, gibt es keine Entlassungen, keinen Stichtag der Einstellung. Die Tiere auf dem Hof werden weniger, Investitionen bleiben aus, irgendwann ist Schluss.

Eine Ursache für das Bauernhof-Sterben: Milchpreise weit unter Kostenniveau, denn Europa produziere 2 bis 3 Prozent mehr Milch als auf dem Markt benötigt, erklärt Reinl. Was dieses Überangebot die Milchbauern alleine im Kreis Neustadt/WN bedeutet, hat er ausgerechnet. Sie müssen Mindereinnahmen von 21,06 Millionen Euro verkraften. Deutschlandweit beziffert der BDM die Verluste auf 4 Milliarden Euro. Gleichzeitig laufen die Ausgaben weiter, etwa für Futtermittel, Dünger oder auch Ratenzahlungen für Maschinen und Ställe.

In die Enge getrieben


Es ist wie ein Teufelskreislauf: Wer einen neuen Stall baut, bekommt Fördergelder - allerdings nur, wenn der Betrieb rentabel läuft. "Und das geht nur über die Größe", erklärt Reinl. Für jeden Stallplatz müssten zwischen 10 000 und 12 000 Euro investiert werden, ergänzt Reinls Kollege Hubert Meiler. Ein neuer Stall für 100 Kühe schlägt also mit mindestens 1 Million Euro zu Buche. Dafür nimmt der Landwirt einen Kredit auf. "Gebäude werden teilweise auf 30 Jahre finanziert", so Meiler. Als Sicherheit dienen Felder. Sinken aber die Einnahmen, etwa durch niedrigere Milchpreise, geraten die Höfe in Liquiditätsengpässe und bräuchten eigentlich wieder Geld. Doch wegen fehlender Sicherheit erhalten die Landwirte keine neuen Kredite. "Immer mehr Betriebe stecken tief in der Schuldenfalle", beklagt der BDM. Reinl und Meiler berichten, dass Molkereien inzwischen Bearbeitungsgebühren verlangen, wenn das Milchgeld direkt an Gläubiger ausgezahlt werden soll. Einfach aufhören geht allerdings auch nicht. Ein öffentlich geförderter Stall verpflichte, den Betrieb für einen definierten Zeitraum weiterzuführen, andernfalls müsse der Zuschuss zurückgezahlt werden, so Reinl.

Was also tun? Für die beiden BDM-Vertreter ist die Strategie klar: Die Milchmengen müssen auf das Level der Nachfrage gesenkt werden. Dazu hätten die Bauern von sich aus die Produktion um zwei bis drei Prozent zu drosseln. Durch das knappere Angeboten ließen sich auch bessere Preise durchsetzen. Den Molkereien will Reinl das nicht überlassen. "Wir sind die Produzenten, wir müssen den Markt steuern." Der BDM fordert eine Monitoring-Stelle auf europäischer Ebene, die entsprechend der Marktlage schnell die Mengen anpassen kann. Allerdings werde dies vor allem von der deutschen Bundesregierung blockiert. Darauf will der BDM bei einer verbandsübergreifenden, oberpfalzweiten Veranstaltung heute um 20 Uhr im Jugendheim in Schwarzenfeld aufmerksam machen.
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