Lange Warteliste bei Kinderbetreuung
In den Krippen wird es eng

Es könnte bald schwerer werden, in Weiden einen Krippenplatz zu finden. Die Zahl der Anmeldungen übersteigt die Kapazitäten von Einrichtungen wie dem "Tohuwabohu" (unser Archivbild) und Co. Archivbild: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
28.01.2016
500
0

Bei der Kinderbetreuung zeichnet sich ein Engpass ab. Für die Zeit ab September umfasst die Warteliste bei den Krippen bereits 56 Namen. Es gibt zwar ein paar kurzfristige Lösungsvorschläge. Langfristig wird die Stadt aber wohl viel Geld in die Hand nehmen müssen.

Die Stadtpolitik mag einige Probleme haben. Zumindest auf den Ausbau von Krippen- und Kindergartenplätzen seien aber "alle stolz gewesen", wie Kurt Seggewiß in der Stadtratssitzung sagt. Eine Einschätzung, die selbst die CSU teilt. "Ein Musterbeispiel" sei Weiden gewesen, konstatiert Stadträtin Stefanie Sperrer. Wohlgemerkt: gewesen. Denn jetzt gebe es hier "eine Problematik, die uns auf den Nägeln brennt", so Seggewiß.

Anspruch erfüllt - noch


Deutlich macht das ein Bericht von Nicole Hammerl vom Sozialamt. Auf Antrag der SPD gibt sie einen Überblick über den Stand der Kinderbetreuung in Weiden - und einen Ausblick. Derzeit verzeichne Weiden 1141 Kindergartenplätze, belegt mit 1134 Kindern. In Krippen seien es 169 Plätze und 178 Kinder. Das reicht. Noch. Der Rechtsanspruch der Kinder auf diese Plätze sei damit erfüllt. Fraglich ist allerdings, wie es im kommenden Betreuungsjahr wird. Zwar lägen bei Kindergärten und Horten noch keine Zahlen vor. Zumindest aber bei den Krippen übersteigt die Zahl der Anmeldungen die der verfügbaren Plätze um 56.

Die Entwicklung habe überrascht. Gründe können weder das Jugendamt noch die freien Träger finden. Klar ist dagegen, dass Handlungsbedarf besteht. Und das umso mehr, da der Zuzug von Flüchtlingskindern aktuell noch keine großen Auswirkungen hat. Später durchaus aber noch einmal den Bedarf steigen lassen könnte, was die Planungen abermals erschweren würde.

Kurz- und mittelfristig schlägt die Verwaltung unter anderem vor, auf ungenutzte Krippen- und Kindergartenplätze in angrenzenden Landkreisgemeinden auszuweichen. Das sei selbst bei Übernahme der Fahrtkosten günstiger, als weitere Einrichtungen in Weiden zu schaffen. Daneben sei für die unter Dreijährigen der Ausbau der Tagespflege sinnvoll. Wobei der Stadt besonders eine Großtagespflege ein Anliegen sei: Dabei würde die Kommune die Räumlichkeiten für drei Tagespflegepersonen stellen. Mehrere mögliche Objekte seien schon geprüft worden. Eine definitive Entscheidung steht laut Hammerl aber noch aus. Andere Vorschläge sind zusätzliche Doppelbelegung von Plätzen (vormittags und nachmittags) und die Schaffung von Zusatzplätzen bei bestehenden Einrichtungen (durch Erweiterung der Genehmigung, wenn genügend Räume und Personal vorhanden sind).

"Situation ernst nehmen"


Sollten die Zahlen aber weiter so hoch bleiben, dürfte langfristig nichts an größeren Lösungen vorbeiführen. Das hieße: Neue Einrichtungen schaffen oder bestehende erweitern. Wobei auch das nicht so leicht wäre. Und zwar nicht nur, weil das die Stadt Geld kosten würde. Sondern auch aus personellen Gründen. Schon jetzt ist es laut Hammerl schwer, Fachkräfte zu finden. Das gelte übrigens nicht nur bei Krippen, sondern auch in Kindergärten: "Es fehlt an allen Ecken und Enden."

Und das nicht nur in den Einrichtungen. "Es fehlt auch an Personal im Stadtjugendamt", moniert Josef Gebhardt (SPD) in der Stadtratssitzung. Tatsächlich ist die Stelle der Jugendhilfeplanung vakant, die sich mit dem Platzbedarf in den Einrichtungen befassen würde. Vorläufig soll sich mit dem Thema nun der Jugendhilfeausschuss auseinandersetzen. Und das möglichst dringlich, wie Sperrer sagt. "Diese neue Situation müssen wir ernst nehmen."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.