Ludwig Stiegler holte Schmidt in die Oberpfalz - und handelte sich eine Rüge ein
"Lebenslanges Vorbild"

Für den ehemaligen Weidener SPD-Bundestagsabgeordneten Ludwig Stiegler ist Helmut Schmidt ein ganz großer Sozialdemokrat und großer deutscher Politiker. "Wir haben ihm viel zu verdanken", sagte der ehemaligen Chef der bayerischen SPD über den am Dienstag verstorbenen Altkanzler. Er habe als Bundeskanzler "Haltung und Handlungsfähigkeit" bewiesen, unterstreicht Stiegler mit Blick auf die damaligen sicherheitspolitischen Herausforderungen - den RAF-Terrorismus oder die Nachrüstungsdebatte - sowie die wirtschaftliche Krise.

Letztere hatte Stiegler, der von 1980 bis 2009 im Bundestag saß, auch veranlasst, den Kanzler im Jahr 1981 in die Oberpfalz zu holen, zu einer Konferenz mit Bürgermeistern in Windischeschenbach (Kreis Neustadt/WN). Es ging darum, Schmidt vom Erhalt der Zonenrandförderung zu überzeugen, was gelang. Schmidt hat von Kürzungen abgesehen.

Allerdings handelte sich Stiegler eine Standpauke ein. "Ich habe Schmidt gefragt, ob er Mittagessen müsse", erzählt der ehemalige Abgeordnete am Dienstag unserer Zeitung. Schmidt habe geantwortet: "Wir können auch durcharbeiten." Also lotste Stiegler den Kanzler zu einer nicht im offiziellen Programm vorgesehenen Kundgebung vor Arbeitern. Deshalb gab es während des Fluges nach Eslarn (Kreis Neustadt/WN) die Rüge vom Kanzler - wenig später sei aber alles vergessen gewesen, erzählt Stiegler. "Das haben wir gut gemacht", habe Schmidt gesagt.

Auch im Jahr zuvor, im Wahlkampf 1980, war Schmidt auf Stieglers Drängen in die Oberpfalz gekommen. Der Kanzler gab eine Kundgebung in Weiden und in Weiherhammer vor Betriebsräten und Arbeitnehmern der damaligen Detag, erzählt der 71-Jährige. Zudem besuchte Schmidt unseren Verlag in Weiden.

Stiegler, der über sich sagt, er sei immer mehr ein Schmidtianer als ein Brandtianer gewesen, hatte den Altkanzler zuletzt im Dezember 2014 in Hamburg besucht: "Wir haben uns zwei Stunden unterhalten. Er war voller Wachheit", berichtet er bewundernd. "Er hat einen Bericht von meinem Sohn zur Lage in Hongkong bestellt." Stieglers Sohn arbeitet dort.

Nach den Berichten über die schwindende Gesundheit Schmidts habe er "schon Angst" um diesen gehabt. "Er war für mich ein lebenslanges Vorbild, auch für geistige Tätigkeit im Alter", sagt Stiegler. Mit Blick auf die eigenen gesundheitlichen Probleme - Stiegler hat sich kürzlich einen Lendenwirbel gebrochen - sagt er: "Helmut Schmidt ist 96 geworden, da muss man mit 71 nicht nervös werden." 96 sei ein begnadetes Alter.
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