Mahnende Worte von OB Kurt Seggewiß zum Volkstrauertag
Jeder 113. Weltbürger ist ein Vertriebener

Gemeinsames Gedenken an die Opfer der Weltkriege: Vertreter von Parteien, Bundeswehr und Vereinen fanden sich dazu am Ehrenmal in der Konrad-Adenauer-Anlage ein. Bild: Kunz

"Die beiden Weltkriege und die menschenverachtende Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten liegen inzwischen Jahrzehnte zurück. Aber ihre Schatten sind lang", sagte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß am Volkstrauertag bei der Gedenkfeier in der Konrad-Adenauer-Anlage. "Die Spuren, die sie hinterlassen haben, prägen noch heute viele Familien - auch hier in Weiden."

Angeführt von der Stadtkapelle waren Stadträte und Abordnungen der Bundeswehr, Feuerwehr, Soldatenkameradschaften sowie Vertreter des Stadtverbandes für Leibesübungen und Heimatrings vom Neuen Rathaus auf die Allee gezogen. Schülerinnen des Kepler-Gymnasiums machten auf die Verfolgung Weidener Juden durch das NS-Regime aufmerksam und bewerteten Psalmen als wunderbare Mittel, sich an den Herrn zu wenden.

Auch die Geistlichkeit war vertreten. Trauern zu verordnen, sei in einer freiheitlichen Gesellschaft sicherlich falsch, betonte der Oberbürgermeister. Dennoch sei es ein wichtiger Auftrag des Staates, Bürger zu ermuntern, sich mit den dunkelsten Kapiteln der Geschichte zu befassen. "Und genau in diesem Sinne verstehe ich den Volkstrauertag." Auch in jüngster Gegenwart fänden Kriege zunehmend nicht mehr nur im Saale statt. Fünfzehn Jahre sei es her, dass die Bundeswehr ihren humanitären Einsatz in Afghanistan mit 130 000 Soldaten begonnen habe. "Daraus wurde ein echter Kampfeinsatz, in dem über 50 junge deutsche Soldaten ihr Leben lassen mussten, um Deutschland ,am Hindukusch zu verteidigen', wie das damals hieß." Insgesamt seien 106 Bundeswehrangehörige seit 1992 bei Auslandseinsätzen gestorben. Heute brenne der gesamte Nahe und Mittlere Osten, Teile Afrikas und der Ukraine. "Aleppo droht dabei, zum Guernica des 21. Jahrhunderts zu werden."

Zum 75. Mal habe sich der Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion heuer gejährt. Die Materialschlacht um Verdun liege 100 Jahre zurück. "Der Inbegriff der Sinnlosigkeit bewaffneter Auseinandersetzungen." Auch wenn in Deutschland seit über 70 Jahren Frieden herrsche, sei die Welt im Jahr 2016 alles andere als ein friedlicher Ort. Gewalt und Unterdrückung hätten eine beispiellose Wanderbewegung in Gange gesetzt: Mehr als 65 Millionen Menschen seien auf der Flucht. "Jeder 113. Bewohner dieses Erdballs ist heute ein Vertriebener." Über 500 Schutzsuchende habe man zurzeit in Weiden aufgenommen sowie 63 unbegleitete Jugendliche. "Menschen, die vor Krieg und gewaltsamen Übergriffen in ihrer Heimat geflüchtet sind und bei uns auf ein Leben in Frieden hoffen."

Doch auch Europa sei kein sicherer Ort mehr. Radikale Islamisten wollten die Gesellschaft ins Mark treffen mit ihren Anschlägen, wollten Angst und Schrecken verbreiten." Frieden im 21. Jahrhundert sei fragil geworden. "Wir müssen miteinander reden, gerade mit unseren Widersachern." Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der Stadtkapelle und vom "ChorDiSono".
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