Manfred Roscher wirbt für Modulhaus bei der Regierung
Lass stecken

Eine Art Lego-Haus auf Basis seines Steckpatents bietet Manfred Roscher (Mitte, neben Nicole Ottersbach) aus Rothenstadt als Notunterkunft für Flüchtlinge an. Darüber informiert sich Abgeordneter Albert Rupprecht. Bild: Wieder
Politik
Weiden in der Oberpfalz
21.09.2015
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Ruckzuck stehen Garage, Gartenhaus, Geräteschuppen. Dank der patentierten Stecktechnik von Manfred Roscher. Genauso schnell könnten ganze Häuser emporschießen. Guter, beheizbarer Wohnraum für die vielen Flüchtlinge, findet der Rothenstädter Unternehmer - und wirbt für sein Modulhaus bei der Regierung. Einer hört genauer hin.

Im Innenhof steht auf vier mal drei Metern das Musterexemplar von "Maro-Modulhaus". "Die Notunterkünfte für Flüchtlinge sind größer, mit Elektroheizung, Dusche, WC sowie Eingangsbereich und mit unserem Stecksystem so schnell aufgebaut wie dieses kleine Haus hier", sagt Manfred Roscher - und bittet den Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht (CSU) herein.

Zwischen Kunststofffenster, Haustür und gedämmten Sandwichwänden, wie sie im industriellen Hallenbau üblich sind, wirbt der Unternehmer aus Rothenstadt für sein Produkt: eine Art Lego-Haus für Asylbewerber. Ruckzuck aufgebaut, wohnlich, wärmegedämmt, wartungsfrei.

"Wir brauchen Lösungen", sagt Rupprecht interessiert. Denn die Flüchtlingsströme reißen nicht ab. "Zur Zwangsvermietung wollen wir Privatleute in Bayern aber nicht zwingen." Deshalb prüfe die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) Bundesliegenschaften auf Unterkunftstauglichkeit. Reichen werde das nicht. Zeltstädte und Containerdörfer seien Optionen. "Aber im Vergleich zu unserer Notunterkunft zu unmenschlich", findet Roscher.

Pläne 2014 verschmäht

Roscher ist ein gelernter Maschinenbautechniker. Als solcher arbeitete er lange Jahre beim Hallenbauer Sybac. Dann machte er sich selbstständig. Bereits vor zweieinhalb Jahren meldete der 54-Jährige das Patent auf das Stecksystem an, das auch die Notunterkunft zusammenhält. 2014 bot er es dort an, wo er mit seinen Garagen, Garten-, Geräte- und Spielzeughäusern gut Kasse macht: in Baden-Württemberg. Doch die Landesregierung reagierte nicht auf das Angebot der DHV Roscher GmbH & Co. KG. Dann arbeitete die Zeit für den 54-Jährigen: Die Flüchtlingswelle rollt und Roscher zieht seine alten Pläne unter ganz anderen Vorzeichen neu aus der Schublade.

In sechs bis acht Wochen nach Auftragseingang könne Roscher bis zu 100 Häuser - gern auch mit Satteldach - für 500 bis 800 Flüchtlinge liefern. Alles sei "made in der Oberpfalz". Subunternehmen sitzen in Erbendorf und Weiden. Bei Bedarf würde der Rothenstädter weitere ins Boot holen. Kostenpunkt für knapp 50 Quadratmeter inklusive Küche und Bad für etwa vier Flüchtlinge mal 100 Häuser: 4, 85 Millionen Euro. Die Kommune stellt die Anschlüsse bereit, die Flüchtlinge können mit aufbauen - und fertig, erklärt Roscher. Obwohl. Die Häuser können später auch wieder demontiert und als Lager im Bauhof genutzt oder an Entwicklungsländer weiterverkauft werden: "Das ist kein totes Kapital."

Berlin prüft Angebot

Mit diesem Wissen und den entsprechenden Unterlagen reist Rupprecht zurück nach Berlin: Dort will er die Bima und das Entwicklungshilfeministerium kontaktieren und sagen: "Ich habe da ein Unternehmen aus meinem Wahlkreis, das eine technisch schnell realisierbare Lösung für die Unterbringung von Flüchtlingen anbietet. Bitte prüft das." Roscher dankt, hofft auf schnelle Antwort aus Berlin und baut das Modulhaus im Innenhof wieder ab. Ratzfatz.
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