Mehrheit der Anwohner im Weidingweg gegen neue Haltestellen der Deutschen Bahn
Anlieger gegen Bahnhaltestelle

Im Weidingweg ist eine der zwei neuen Haltestationen vorgesehen, die die Deutsche Bahn in Weiden einrichten will. Der CSU-Ortsverband und Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht hörten sich schon mal bei den Anliegern um und stießen auf wenig Gegenliebe für die geplante Maßnahme. Bild: Kunz

Die bundesweite Stationsoffensive der Bahn stößt nicht überall auf Gegenliebe. Die Mehrheit der Anwohner im Weidingweg jedenfalls will keine neue Haltestelle in ihrer Nähe.

Weiden. (uz) Zu dieser Erkenntnis kam der Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht, als er sich am Freitagabend bei einem Ortstermin der CSU-Rehbühl mit Anliegern traf. Dass die Deutsche Bahn vorhat, in Weiden zwei neue Haltestellen anzulegen, eine zwischen Wagner- und Aichingerstraße, die andere am Hammerweg, war im März bekannt geworden, berichtete CSU-Kreischef Stephan Gollwitzer.

Der Neubau sei laut Bahnvorstand Rüdiger Grube im Zuge einer bundesweiten Stationsoffensive im Regionalverkehr geplant, erzählte Gollwitzer. 350 Standorte seien vorgesehen. Bevorzugt in Wohn- und Gewerbegebieten sowie in der Nähe von Hochschulen. "An verkehrlich und wirtschaftlich sinnvoll betreibbaren Stationen im Netzwerk der Bahn."

Aber gerade dies bezweifelten die Anwohner. "Wenn sie mal in den Zug reinschauen, in den Agilis, da sitzt ja keiner drin. Möchte wissen, wer hier ein- oder aussteigen will", hieß es unter anderem. Die Bushaltestelle als Anbindung an den Bahnhof genüge vollkommen. Viele Anlieger befürchteten ein Park-Chaos und mehr Lärm vor ihrer Haustür. Die Tempo-30-Zone entlang des Weidingwegs sei ja bisher schon eine Rennstrecke.

Auf den Punkt brachte es stellvertretender Ortsvorsitzender Gerd Demleitner. "Anfangs dachten wir an einen Aprilscherz." Und weiter: "Ja, denkt die Bahn überhaupt noch wirtschaftlich? Man sieht, wie viele Leute in den Zügen sitzen und man weiß auch, was so eine Hochbaumaßnahme kostet." Es sei ja nicht allein der Bahnhof, die ganze Infrastruktur wäre davon betroffen.

"Wie viele Passagiere müssen da fahren, bis sich diese Station abbezahlt hat? Vielleicht in 40 Jahren. Da brauch' ich keine große betriebswirtschaftliche Rechnung aufmachen. Das ist von vorneherein ein Draufzahlgeschäft." Hier werde an der vollkommen falschen Stelle investiert. "Der bestehende Bahnhof hat's nötiger. Da ist mal Holz gegen Stahl ausgetauscht worden und ein neuer Anstrich gekommen."

Barrierefreiheit ja, aber...

Die Barrierefreiheit am bestehenden Weidener Bahnhof sei ein Riesenthema, sagte Rupprecht. "Da kommen wir seit Jahren nicht weiter." Ständig werde mit Kosten argumentiert. "Und hier wird Geld in die Hand genommen. Da stellt sich schon die Frage: Warum hier und warum nicht dort?" Diese Fragen würden in den kommenden Wochen auch an die Verantwortlichen gestellt werden.

Schließlich würden sich die Deutsche Bahn und der Freistaat Bayern die Kosten teilen. Bevor er Gespräche mit der Bahn führen werde, wollte er erst einmal wissen, wie die Anwohner von einer barrierefreien Bahnstation, die mindestens einmal stündlich bedient werde, vor ihrer Haustüre denken, erklärte Rupprecht. Realisierung der Maßnahme: Innerhalb der nächsten zehn Jahre.

CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch zeigte sich von der großen Resonanz überrascht. Als Sprecher im Finanzausschuss habe er ganz andere Präferenzen. Zum Beispiel die Elektrifizierung der Strecke Regensburg-Hof und den Fernverkehrsanschluss bis 2030 mit IC-Verkehr. "Seit vielen Jahren kämpfen wir für die Barrierefreiheit am Bahnhof", betonte auch er. Und: "Zusätzliche Stationen belasten auch den Stadthaushalt." Beim Thema Über- oder Unterquerung sei nämlich die Kommune in der Pflicht.
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