Nöte und Reformen in der Pflege: Landtagsabgeordnete Silvia Stierstorfer beim Sommergespräch ...
„Wir fordern ein verpflichtendes soziales Jahr“

Wie soll die Pflege in Zukunft gestaltet sein? Vorschläge dazu machte Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer (rechts). Bild: Kunz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
19.07.2016
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Wie könnte man mehr junge Leute an den Pflegeberuf heranführen? Die Regensburger CSU-Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer hat einen Vorschlag: "Wir fordern ein verpflichtendes soziales Jahr für junge Menschen, um deren Sozialkompetenz zu schärfen." Daneben habe der Landtag ein Programm für Späteinsteiger in die Pflege aufgelegt. Vielleicht wäre es auch sinnvoll, die Ausbildung in Teilzeit absolvieren zu können.

Das erklärte Stierstorfer beim Sommergespräch der Frauen-Union auf dem Postkeller-Hügel. Dabei drehte sich alles um die Pflegereform. Die sei durchaus komplex und gar nicht so leicht umzusetzen, räumte die Abgeordnete ein.

Tagespflege stärken


Ein Ziel sei klar: "Wir wollen die Tagespflege stärken." Derzeit gebe es 100 unterschiedlichste Wohnmodelle im Freistaat. Der unterstütze vor allem auch den ambulanten Pflegebereich. Gleichwohl sei es der Politik bewusst, dass nicht alle die Pflege ihrer Angehörigen in die eigenen Hände nehmen könnten. Die Gesellschaft habe sich grundlegend verändert. Beide Partner seien inzwischen meist berufstätig und könnten sich so nicht um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmern.

Daher müsse der Pflegeberuf eine größere Wertschätzung erfahren. "Wir müssen seine Attraktivität steigern." Dies hatte auch die Vorsitzende der Weidener Frauen-Union, Sabine Zenger, bei ihrer Begrüßung unterstrichen. Ansetzen müsse man vor allem bei den Verdienstmöglichkeiten, so Stierstorfer, die im Landtag eine Projektgruppe zu Gesundheit in der Oberpfalz leitet und Vorsitzende im Ausschuss Familie und Bildung ist.

Natürlich sollte auch die Nachbarschaftshilfe nicht unerwähnt bleiben. Es könne doch nicht sein, dass Verstorbene erst nach zwei Wochen in ihren Wohnungen aufgefunden würden. "Einfach mal nachschauen, ist wichtig." Es gebe eben das Problem der Anonymität. Und daraus könne man auch nicht mehr zurück. "Wir haben ein Modell geschaffen, wo man nicht mehr selber betreut, sondern die Betreuung nach außerhalb vergibt." Deutschland sei ein Land der Individualisten geworden. "Wir brauchen deshalb eine verpflichtende Pflegekammer. Eine öffentlich-rechtliche Einrichtung, die einer Interessensgemeinschaft von Angehörigen gleichkommt."

Ebenso forderte die stellvertretende CSU-Bezirksvorsitzende eine stärkere Vernetzung der Pflegeberufe und die Einrichtung von Pflegestützpunkten für akute Fälle. "Man muss einfach wissen, wo man seinen Notruf absetzen und fachkompetente Auskunft erhalten kann." Stierstorfer sagte, sie könne sich eine Notrufnummer ähnlich der Feuerwehr vorstellen.

Oberpfalz unterversorgt


Was Palliativ und Hospiz betreffe, sei die Oberpfalz unterversorgt. Die Ausbildung der Ärzte sollte in dieser Beziehung stärker vernetzt werden. Stierstorfer bat die Frauen-Union, ihr bei der Einrichtung einer Kinder-Hospiz-Einrichtung in der Oberpfalz unter die Arme zu greifen.

Der Freistaat habe 15,5 Millionen Euro in den Doppelhaushalt gesteckt, um die Kommunen bei der Anwerbung von Allgemeinärzten auf dem Land zu stärken. Man könne sich dabei eine Filialbildung vorstellen. Dies bedeute, dass die Ärzte eine feste Praxis und Filialen haben, die übers Land verteilt und an bestimmten Tagen besetzt sind. Und die sollten dann öffentlich subventioniert werden.
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