Notfallplan der Stadt Weiden für die Flüchtlinge
100 Flüchtlinge für Weiden

Politik
Weiden in der Oberpfalz
24.07.2015
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Die nächste Flüchtlingswelle, welche die Oberpfalz erreicht, rollt nicht an Weiden vorbei. Bereits am Wochenende könnte der Notfallplan der Stadt greifen. Dann würden bis zu 100 Asylbewerber in die Berufsschulturnhalle einziehen.

Bis in die Nacht hinein dauerte am Donnerstag eine Telefonkonferenz im Neuen Rathaus. Regierungspräsident Axel Bartelt teilte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und anderen Verantwortlichen der Stadt mit, dass es jetzt ernst wird. Die Bajuwarenkaserne Regensburg als Erstaufnahmelager, ferner die Einrichtungen Cham, Neumarkt und Zeitlarn seien mittlerweile voll belegt, hätten keinerlei Kapazitäten mehr. "Die Lage hat sich dramatisch verändert", stellte Seggewiß bei einer Pressekonferenz am Freitag fest. Jede Woche erreichten den Bezirk etwa 600 weitere Asylbewerber.

Seit Freitag bringt der Landkreis Tirschenreuth 200 neu ankommende Flüchtlinge in einer Turnhalle unter. Ist auch diese dicht, ist die Max-Reger-Stadt an der Reihe. Als Unterkunft würde die Turnhalle der Berufsschule dienen. Ab Montag ist sie vorsorglich gesperrt. Notfalls würde Seggewiß sie aber auch schon am Wochenende räumen lassen, wie er betont. Eine Sportveranstaltung müsste dann kurzfristig abgesagt werden. Bereits am Freitag liefen die Vorbereitungen an, um aus der Turnhalle ein Aufnahmelager zu machen. Der Bauhof verlud Betten auf Lastwagen. Rotes Kreuz und Feuerwehr, die bei der Betreuung der Neuankömmlinge helfen, sowie die Polizei sind vorgewarnt. Seggewiß dankt ihnen ausdrücklich.

Wann genau stehen die Flüchtlinge auf die Matte, wie viele werden es sein, wo kommen sie her? Das werden die Weidener erst erfahren, "wenn es so weit ist". Für Verstimmung bei der Stadt sorgte unlängst, dass die Regierung eine größere Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge ohne ausreichende Vorlaufzeit nach Weiden gelotst hatte. Aktuell ist der Fall anders gelagert. Seggewiß zeigt Verständnis für die Nöte der Regierung: "Sie kann nur vorwarnen, wenn sie selbst weiß, wann wie viele Asylbewerber kommen. Grundsätzlich brauchen wir Transparenz - und einen dreitägigen Vorlauf."

Und dabei gilt auch: "Wir sind gut vorbereitet", wie Sozialdezernent Hermann Hubmann sagt. Bereits seit Oktober 2014 beschäftigt sich eine Projektgruppe mit dem Fall des Falles. "Alle, die mit dem Notfallplan zu tun haben, sitzen regelmäßig an einem Tisch." Derweil staunt Seggewiß: "So schnell geht's, dass aus einem Winter- ein Ganzjahres-Notfallplan wird."

Der Rathauschef wirbt um Verständnis, dass Schüler und Vereine vorläufig ohne die Berufsschulturnhalle auskommen müssen. "Und wir appellieren an die Bevölkerung, sich ihrer Verantwortung für die Flüchtlinge bewusst zu sein." Die Hilfe sei "Akt der Nächstenliebe" und "humanitäre Pflicht". Sind die 100 Plätze in der Weidener Turnhalle belegt, wäre der Landkreis Regensburg gefordert, die nächsten Asylbewerber aufzunehmen. Danach käme der Landkreis Neustadt/WN an die Reihe. Nicht unproblematisch, meint Seggewiß: "Unsere helfenden Einrichtungen, die für Stadt und Land zuständig sind, könnten dann an ihre Grenzen stoßen."
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