Nur etwas über 40 Teilnehmer beim Weidener Ableger des Marijuana March
Angst vor sozialer Stigmatisierung

Peter Stiegler spricht bei der Kundgebung am Oberen Markt über die Geschichte von Cannabis und klärt über medizinische Potenziale auf.
Politik
Weiden in der Oberpfalz
23.05.2016
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Die große Resonanz blieb aus: Gerade einmal 40 bis 50 Teilnehmer starteten am Samstag von der OTH aus zum Demonstrationszug durch Weiden. Die Veranstalter vom "Cannabis Social Club" hatten mit 200 Teilnehmern beim "Global Marijuana March" gerechnet.

(otj) Peter Stiegler, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, hat eine Erklärung für die wenigen Teilnehmer. "Es gibt einfach sehr viele Menschen, die sich in der Öffentlichkeit nicht für die Legalisierung von Cannabis einsetzen wollen. Gar nicht einmal, weil sie Angst vor der Strafverfolgung haben, sondern aus sozialen und beruflichen Gründen. So ein Gerücht unter Kollegen bekommst du nicht mehr los."

Alternative für Chemie


Stiegler war vor drei Jahren an Krebs erkrankt, im Endstadium, vier Prozent Überlebenschance. Die Chemotherapie traf ihn mit voller Wucht: ihm war übel, er fühlte sich nur noch abgeschlagen und konnte trotzdem nicht schlafen. Fatal, wenn der Körper einen existenziellen Kampf auszufechten hat. "Die Alternative wäre gewesen, Schlaftabletten zu nehmen und noch mehr Chemie einzuwerfen. Cannabis hat mir da unheimlich geholfen." Und es habe auch geholfen, mit der Angst fertig zu werden, die eine wahrscheinlich tödliche Krankheit mit sich bringt, erklärt er seine Motive, für eine Legalisierung auf die Straße zu gehen.

Der "Global Marijuana March" in Weiden reiht sich ein in eine Vielzahl von alljährlichen internationalen Demonstration - mit Protestzügen, Kundgebungen, Treffen, Infoständen, Konzerten, Festivals und Raves. In Weiden ist ein fünf Kilometer langer Marsch durch verschiedene Stadtteile vorgesehen - bis zur Kundgebung am Oberen Markt. Ein bisschen geht die Gruppe der Demonstranten unter im bunten Frühlingstreiben vor dem Alten Rathaus. Einige Passanten bleiben allerdings stehen und hören Peter Stiegler zu. Er spricht über die Geschichte von Cannabis und dessen Verbot. Er zitiert medizinische Studien, die für eine Freigabe sprechen und berichtet über wirtschaftliche Interessen, zum Beispiel der Pharmaindustrie, die hinter einem Verbot stünden. "Die Medikamente, die derzeit an Patienten verschrieben werden, sind sehr viel teuerer als normales Marijuana."

Schutz für die Jugend


Stiegler redet auch von Verbraucherschutz: "Im Augenblick weiß doch keiner, was er bekommt, wenn er sich das Cannabis illegal beschafft." Mit einer geregelten Abgabe würde dem Verkauf an Jugendliche ein Riegel vorgeschoben. Der Staat hätte eine weitere Einnahmequelle. Zudem kosteten Strafverfolgung und Inhaftierung von Nutzern viel Geld.
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Peter Stiegler aus Leuchtenberg | 23.05.2016 | 16:38  
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