Obdachloser Mann in Weiden auf einmal verschwunden
Jahrelang im Auto gelebt

In diesem Auto hauste ein Stiftländer jahrelang auf einem Parkplatz bei einem Weidener Gewerbezentrum. Nun ist der Mann verschwunden, auch der Wagen soll demnächst abgeschleppt werden. Bild: Götz

Der Kofferraum ist vollgestopft. Auf der Rückbank und den Vordersitzen ist der verschiedenste Krempel verstreut. Klamotten, alte Zeitungen - und kleine Kalender, Werbegeschenke einer Lotterie. Auf ihnen steht "365 Tage Glück". Davon hat der Besitzer des einst noblen Autos allem Anschein nach aber nicht viel.

Schon seit einigen Jahren steht das Auto auf dem Parkplatz eines Gewerbezentrums in Weiden. Seither lebte der Halter offenbar in den Gefährt. Bis er vor einigen Wochen verschwand: Anlieger haben ihn jedenfalls nicht mehr gesehen.

Vieles ungewiss

Damit dürfte eine seltsame und tragische Geschichte enden, bei der vieles im Ungewissen bleibt. Denn im Internet finden sich zwar einige Spekulationen über den Mann im hochwertigen Audi. Handfestes weiß aber keiner zu berichten, wenn man sich in der Nachbarschaft umhört.

Als jemanden, der "nie Probleme" machte, aber auch "sehr menschenscheu" sei, beschreibt ihn zum Beispiel die Mitarbeiterin eines Unternehmens vor Ort. Auch als der NT ihn einmal bat, seine Geschichte zu erzählen, winkte der Mann ab. Klar ist nur, was die Polizei bei ihren Kontrollen vor Ort zusammengetragen hat. Wie Hauptkommissar Karl Gaach berichtet, handelt es sich um einen Stiftländer, Mitte 50, der schon länger arbeitslos ist und seit 2009 keinen festen Wohnsitz mehr hat. Seit 2010 gibt es Meldungen bei der Polizei, dass der Mann auf dem Parkplatz lebt. Als notorischer Krimineller fiel er jedoch nicht auf. Die Beamten haben zwar wenige Ladendiebstähle notiert - stets ging es um Lebensmittel von sehr geringem Wert. Zumindest gravierendere Vorfälle sind aber nicht bekannt.

Ähnliches berichtet auch das Personal der umliegenden Geschäfte: Fast immer höflich sei er gewesen. Außerdem habe man ihn vor Ort lange toleriert. Hausverbot in einem Laden habe es erst gegeben, als sich mehrere Kunden wegen seines Geruchs beschwerten, berichtet einer, der gleichzeitig betont: "Ich will ihm aber nichts Schlechtes. Er tut mir leid."

In Nürnberg angetroffen

So wie auch vielen anderen Bürgern. Manche sollen ihm Unterstützung angetragen haben, die er aber offenbar ebenso wenig annahm wie die Angebote von Hilfseinrichtungen. Ihnen gegenüber erklärte er, er wolle so leben. Und weil es auch keine Anzeichen auf Selbstgefährdung gab, konnte ihn natürlich niemand zu etwas anderem zwingen. Trotzdem bleiben die Hintergründe des Entschlusses offen. Genauso wie die Frage, weshalb der Obdachlose seinen einst viele zehntausend Euro teuren Audi, der inzwischen ziemlich heruntergekommen aussieht, nicht zu Geld machte. Auch Polizist Gaach bleibt da nur ein Schulterzucken.

Dafür hat der Beamte einen Hinweis, wo der Stiftländer inzwischen sein könnte. Erst vor wenigen Tagen tauchte er erneut im Flughafen Nürnberg auf. Dort hat er nun Hausverbot, weil er sich als Reisender ausgegeben und versucht haben soll, zu übernachten. Zurück zu seinem Auto wird er wohl auch nicht können. Die Verwaltung des Parkplatzes will es nun entfernen lassen. Sollte es der Besitzer nicht doch noch selbst wegfahren, wird demnächst der Abschleppwagen anrücken.
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