Oberpfälzer Gastronom gesteht Drogenkäufe vor dem Strafrichter - 15 000 Euro Geldstrafe
Crystal in besseren Kreisen

(ca) Der Knigge gilt auch vor Gericht. Zeuge und Angeklagter, beide im Sakko, begrüßen sich per Handschlag. Der Zeuge, inzwischen in Haft, vermittelte früher der Oberpfälzer Kundschaft Crystal. Der Angeklagte hat den Stoff eingekauft. Das Besondere daran: Der Mann ist seit vielen Jahren durchaus erfolgreicher Gastronom in der Oberpfalz. Das "Teufelszeug" aus Tschechien ist in besseren Kreisen angelangt.

Es ist eine eher kleine Sache, die Richter Roland Güll am Dienstag verhandelt. Vor einem Jahr hatte ein Dealerpärchen aus Weiden eine "Lebensbeichte" abgelegt. Beide gaben unabhängig voneinander den jetzt angeklagten Gastronomen als Kunden an. Zunächst war ein Strafbefehl über 150 Tagessätze à 100 Euro wegen Drogenbesitzes verhängt worden. Dagegen legte der Verurteilte Einspruch ein, und es kam zur Verhandlung.

Laut Anklage hat er im Frühjahr 2014 wöchentlich zwei Gramm Methamphetamin abgekauft, übergeben auf dem Parkplatz seines Lokals. Preis pro Gramm: 85 Euro. Vier Fälle gestand er. An Beweisen hatte ein Kriminalbeamter einschlägigen SMS-Verkehr zu bieten. Wortlaut: "Ich habe Hunger, wie sieht's aus?" Der Kripomann bezweifelt das "nach zehn Jahren Erfahrung im Drogenkommissariat K4": "Der Mann hat eine Gaststätte, er kann jederzeit essen." Schon im Vorfeld habe es einige Hinweise aus der Szene gegeben, dass der Gastronom "ein kleines Drogenproblemchen" hat. Das Dealerpärchen hätte am Dienstag in den Zeugenstand treten sollen, kam aber nicht. "Immer ein bisschen schwierig mit Zeugen aus dem Milieu", meinte Staatsanwalt Rene Doppelbauer. Für die beiden sind die Urteile schon gefallen: Er bekam sechs Jahre Haft und wartet auf seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Die Frau kam mit Bewährung weg. Auf den Zeugen im Sakko wird verzichtet: Er hatte den Kontakt zwischen Gastronom und Dealerpärchen hergestellt.

Für den Angeklagten gab es nach dem Teilgeständnis nur noch 120 Tagessätze wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln. Ein Tagessatz entspricht dem Tagesverdienst. Die Höhe korrigierte das Gericht stark herunter: von 100 auf 15 Euro. Der Gastwirt steht nach eigenen Angaben kurz vor der Privatinsolvenz, hat große Schulden. Es klingt durch, dass er die letzten anderthalb Jahre geackert und gerackert hat. "Ich habe alles getan, was in meiner Macht steht."

Zum eigenen Drogenkonsum wollte er sich auf Anraten seines Verteidigers Dr. Gunther Haberl nicht äußern. Staatsanwalt Rene Doppelbauer ging von Eigenbedarf aus: "Ich denke, dass er sich in der Krise in die Drogen geflüchtet hat." Diese Einschätzung teilte Richter Güll, der ihm eine strafrechtlich weiße Weste zugutehielt. "Aber es handelt sich um eine gefährliche Droge. Und die Menge war auch nicht ganz klein."
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