Oh là, là: Issy heiratet
Französische Partnerstadt fusioniert mit Nachbarkommune

Issy-les-Moulineaux ist nicht nur Bürostadt, sondern voller charmanter Ecken. Bild: Wilck
Politik
Weiden in der Oberpfalz
13.07.2016
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Voilà: Sie haben es tatsächlich getan. In einer Sondersitzung beschlossen die Stadträte von Issy-les-Moulineaux und der Nachbarstadt Boulogne-Billancourt, ihre beiden Kommunen zu vereinen. Die kleinere Hälfte wird weiterhin Weidens französische Partnerstadt bleiben.

Dass es mit den Beziehungen zur Oberpfalz so weitergehen könnte, war am Rand des Bürgerfestes zu hören. Alain Levy, Issys Bürgermeister für internationale Beziehungen, erklärte damals, dass die neue Großstadt vor den Toren von Paris so strukturiert sein könnte: Issy und Boulogne bekommen je einen Bürgermeister, ihnen ist aber ein Oberbürgermeister für alle übergeordnet. Auch die Stadträte behalten zumindest bis 2020 ihr Mandat (wir berichteten).

Referendum umstritten


Mit der Verschmelzung entsteht die zwölftgrößte Stadt Frankreichs mit knapp 200 000 Einwohnern. Hintergrund der Gebietsreform im hochverschuldeten Frankreich ist blanker Sparzwang. Mit den Fusionen sollen nicht nur Verwaltungen verkleinert werden, sondern für Bürger auch Gebühren sinken, nachdem die Zentralregierungen in Paris in den vergangenen Jahren immer weiter Steuern erhöht haben. Der Zusammenschluss von Issy und Boulogne ist mit Abstand die größte Fusion des Landes. Bis 2018 soll sie über die Bühne gehen. Schon in vier Monaten soll das Konzept dafür stehen. Das fordern Issys Rathauschef André Santini und sein Kollege in Boulogne. Die Oppositionsparteien in beiden Städten wünschen jedoch Volksentscheide. Thomas Puijalon, Chef der Sozialisten in Issy, sagte der Tageszeitung "Le Figaro", dass von der Zusammenlegung in den Programmen zur Bürgermeisterwahl 2014 nichts zu lesen und zu hören war. Deswegen sollten nun die Bürger abstimmen. Santini und sein Pendant in Boulogne halten nichts davon. Das Gesetz sehe ein Referendum in diesem Fall nicht vor. Auch die Opposition räumt ein, dass die Hürden dafür hoch sind.

Lediglich über den Namen der neuen Zwillingsstadt links und rechts der Seine sollen die Einwohner mitentscheiden. Zur Auswahl stehen laut "Figaro" Issy-Bilancourt oder Boulogne-les-Moulineaux. Die zweite Variante lässt sich wunderbar verkürzen. So sprachen Stadträte aus Issy beim Weidener Bürgerfest schon scherzhaft davon, dass sie nächstes Jahr aus "Boul-Moul" anreisen.

Diese neue Metropole verfügt über 150 000 Arbeitsplätze. Die sind aber nicht überall gleich verteilt. Während Issy finanziell recht gut dasteht, ist Boulogne ziemlich verschuldet, weil dort der wichtigste Arbeitgeber, Renault, immer mehr Jobs abgebaut hat. Dafür wollen die Sozialisten in der Partnerstadt nicht unbedingt geradestehen. Sie tüfteln weiter an einem Referendum.
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