Pfarrerin geht wegen SS-Grab

Barbara Meister-Hechtel. Archivbild: ds
Politik
Weiden in der Oberpfalz
08.05.2015
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Sie war 15 Jahre lang Pfarrerin in Etzelwang. Im Sommer 2014 ging sie dann nach Offenhausen bei Hersbruck. Jetzt hört Barbara Meister-Hechtel auch dort auf. Grund dafür ist der Streit um ein Grab für drei SS-Männer.

Die Auseinandersetzung um dieses Grab auf dem evangelischen Kirchhof in Offenhausen führt nun dazu, dass sich die Pfarrerin auf eine andere Stelle bewirbt, bestätigte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag. Sie werde voraussichtlich zum 1. September Offenhausen verlassen.

Die Gedenkstätte im Kirchhof für drei Mitglieder der Waffen-SS, die von US-Truppen am 21. April 1945 erschossen wurden, sorgt schon seit einiger Zeit für Streit in Offenhausen. Drei Stahlhelme an einem Birkenkreuz und die SS-Runen in der Grabplatte sind vor drei Wochen entfernt worden. Allerdings war die Ruhestätte unter der Amtszeit von Meister-Hechtels Vorgänger vor zwei Jahren noch restauriert worden. "Dafür schäme ich mich", so die Pfarrerin.

Gedicht gefällt nicht

Während Alteingesessene und Vertreter der 170 Mitglieder starken Krieger- und Soldatenkameradschaft der Auffassung sind, das Grab sei ein Mahnmal an sich, sind andere wie der Hersbrucker Dekan Werner Thiessen dafür, es zu entfernen oder wenigstens mit einer kommentierenden Tafel zu versehen. Stein des Anstoßes ist auch ein Gedicht auf der Platte, in dem etwas von den "feigen Mördern" der jungen Männer steht. Und auch: "Es ist süß und ehrenhaft fürs Vaterland zu sterben."

Am Waldrand erschossen

Der Fürther Alfred Schermann hatte bereits vor Jahren auf das Grab aufmerksam gemacht, das er bei einem Spaziergang 2008 entdeckt hatte. Er recherchierte beim Ortschronisten der Gemeinde die Geschichte der drei jungen Männer. In den letzten Kriegstagen hielten die US-Truppen im Offenhausener Schulhaus einige deutsche Soldaten gefangen. Unter ihnen waren auch die drei Mitglieder der Waffen-SS, die von den anderen getrennt und an einem Waldrand erschossen wurden. Sie sollen "herausfordernde Reden" gehalten haben.

Für nicht unwahrscheinlich hält es der wissenschaftliche Referent bei der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Ulrich Fritz, dass die drei Männer zu den Bewachern der Todesmärsche aus den aufgelösten Konzentrationslagern gehörten. Im zweitgrößten Außenlager des KZ Flossenbürg hatten Gefangene Stollen für ein geplantes unterirdisches Flugzeugwerk der Firma BMW schlagen müssen.

Fritz arbeitet gerade am Aufbau eines Erinnerungsortes am ehemaligen KZ-Außenlager in Happurg, der noch in diesem Jahr eröffnet werden soll. Er findet es "unerträglich", dass fünf Kilometer Luftlinie von Happurg entfernt in Offenhausen "ein Text die Angehörigen einer verbrecherischen Organisation als unschuldige Opfer darstellt", sagte er dem epd.

In Offenhausen sind nach wie vor nicht alle davon überzeugt, dass das SS-Grab mindestens fragwürdig ist. Es herrsche in der Ortschaft die Stimmung vor, das Grab sei jetzt 70 Jahre kein Problem gewesen und außerdem ein Stück Zeitgeschichte, erklärte der Offenhausener Bürgermeister Georg Rauh.

Die Gemeinde müsse aber bereit sein, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, meint Pfarrerin Meister-Hechtel, nachdem sie sich entschlossen hat zu gehen. Der Streit um das Grab und andere "Altlasten" seien zu viel gewesen, um sie zu bewältigen, sagt sie. Nicht einfach war ihr Neuanfang in Offenhausen auch, weil ihr Vorgänger drei Jahrzehnte eine prägende Gestalt in der Kirchengemeinde war. Erschwert hat der Seelsorgerin die Eingewöhnung, dass sie noch nicht in ihrer Gemeinde wohnen konnte. Ein mit Schadstoffen belastetes Pfarrhaus muss noch renoviert werden, so Dekan Thiessen.

"Wird für alle mühsam"

Der zuständige Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche zeigte daher Verständnis für den Wunsch Meister-Hechtels, Offenhausen wieder zu verlassen. Die Pfarrerin habe sich deutlich positioniert, wofür er ihr dankbar sei. Das weitere Vorgehen um die Grabstätte werde nicht nur für den Kirchenvorstand, sondern für alle Beteiligten "mühsam", meinte Nitsche. "Aber wenn man dranbleibt, kommt man vielleicht zu einer Lösung."

Doch die Gemeinde wünscht sich erst mal Ruhe. Schließlich steht an diesem Wochenende das 125-jährige Jubiläum der Feuerwehr auf dem Programm. Die Feier soll nicht überschattet werden, findet Dekan Thiessen. Die Pfarrerin wird die Predigt beim Festgottesdienst halten und auf den brodelnden Streit nicht eingehen, wie sie gegenüber epd sagte.
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