Pflegebeauftragter der Bundesregierung zu Gast
"Aschenputtel Altenpflege"

Mit der Einladung des Pflegebevollmächtigten und Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann (rechts), gelang es Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht, einen hochrangigen Experten nach Weiden zu holen. Er stellte sich auch den Fragen von Fachkräften aus dem Pflegebereich. Bild: Bühner
Politik
Weiden in der Oberpfalz
06.05.2016
148
0

Der Mangel an Pflegekräften wird immer größer. Um gegenzusteuern, wurde im letzten Koalitionsvertrag die Vereinheitlichung der Pflegeausbildung beschlossen. Doch es gibt Widerstände.

Zur Diskussion über das Thema "Pflege im Fokus" hatte CSU-Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht den Pflegebeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, eingeladen. Der Staatssekretär im Berliner Gesundheitsministerium genießt als Fachexperte zum Thema Pflege höchste Anerkennung. So konnten die Zuhörer im Vereinsheim Almrausch "aus berufenem Munde" den derzeitigen Stand der Reformen im Pflegebereich erfahren.

Engagiert plädierte der Experte vehement für die Vereinheitlichung der Pflegeausbildung. "Wenn wir jetzt den vorliegenden Gesetzentwurf nicht beschließen, kann es vielleicht noch ein paar Jahre so weitergehen wie heute, aber dann bricht alles zusammen", warnte Laumann die Zuhörer. Jedes Jahr gebe es "zwei bis drei Prozent mehr Pflegebedürftige". 20 000 zusätzliche Altenpfleger würden Jahr für Jahr zusätzlich zu den vorhandenen 700 000 benötigt. "Aber die Altenpflege ist das Aschenputtel", stellte Laumann mit Blick auf die in der Altenpflege gegenüber der Krankenpflege fast 20 Prozent niedrigere Bezahlung fest. Nur eine einheitliche Ausbildung führe mittelfristig zu einer einheitlichen Bezahlung und somit zur Attraktivität der Pflegeberufe. "Ich bekenne mich ausdrücklich zur gleichen Bezahlung in der Alten- und Krankenpflege", sagte Laumann.

Breite Grundausbildung


Auch seien 70 Prozent der Ausbildungsinhalte in der Alten- und Krankenpflege identisch. Die Absolventen der Modellschulen "kommen gut zurecht". In der häuslichen Krankenpflege gebe es längst Leistungen aus beiden Bereichen. Eine breite Grundausbildung mit nachfolgender Spezialisierung habe sich auch in anderen Berufen, etwa im Handwerk, längst bewährt. Unter den Bundesländern müsse "die Kleinstaaterei beendet werden".

Die Stichworte für das engagierte Votum des Staatssekretärs hatte MdB Rupprecht gegeben. Ihm sei in Gesprächen mit Beteiligten "von unterschiedlichen Kulturen zwischen Kranken- und Altenpflege und von einer notwendigen Spezialisierung" berichtet worden. Befürchtet werde auch: "Bei gleicher Ausbildung gehen alle in die Krankenpflege". Weitere Argumente gegen die "Generalisierung" seien die langen Wege zu den Praktikumsplätzen und die Probleme der Ausbildungsbetriebe bei einer Umstellung. Noch sei das Gesetz nicht verabschiedet, sagte Laumann. Ende Mai gebe es Anhörungen zum Entwurf.

Mit einem zweiten Thema, dem "Bürokratieabbau im Pflegebereich", befasste sich Laumann zudem. Das im Rahmen eines Entbürokratisierungsprojekts des Gesundheitsministeriums entwickelte neue Dokumentationssystem werde derzeit von einem Drittel der Pflegeeinrichtungen eingesetzt. Laumann bewertete es mit dem Satz: "Ich glaube, die Entbürokratisierung hat gewirkt." Die Einführung sei allerdings eine "unternehmerische Entscheidung".

Vertreter von Pflegeeinrichtungen waren auch unter den Zuhörern. Sie wiesen auf Probleme mit dem MDK der Krankenversicherung, der Heimaufsicht und die Gefahren neu entstehender Bürokratie hin. Auch in Schulungseinrichtungen gebe es Übergangsprobleme bei den Ausbildungsinhalten. Rupprecht versprach, das Thema aufzugreifen. Zudem kam das neue Bewertungssystem für Pflegeeinrichtungen zur Sprache. "Pflegenoten haben keine Zukunft", sagte Laumann und plädierte für mehr Ergebnisqualität. Als wichtigstes Entscheidungskriterium schlage zu Buche, "wie Menschen sich fühlen".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.