Planungsverband zur Windenergie
Windrad-Planer rotieren

In Freudenberg stehen seit vielen Jahren Windräder. Archivbild: upl
Politik
Weiden in der Oberpfalz
28.07.2016
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Eine Gemeinde würde gerne Windräder aufstellen. Aber laut Plan dürfte sie nicht. Eine andere hat Flächen schon vor Jahren abgelehnt - nun wären sie wieder geeignet. Bei Bürgermeistern und Landräten herrscht zum Teil Irritation. Denn "10H" löst nicht alle Probleme.

Wo sollen Windräder stehen dürfen? Und wo nicht? Dafür klare Regeln zu finden, hat sich der Regionale Planungsverband Oberpfalz Nord zur Aufgabe gemacht. Ihm gehören Kommunen, die Kreise Tirschenreuth, Neustadt/WN, Amberg-Sulzbach und Schwandorf sowie die Städte Amberg und Weiden an.

Nach einigen Jahren der Windenergieplanung standen die Mitglieder bei ihrer Versammlung am Mittwoch im Neuen Rathaus in Weiden aber erstmal vor der grundsätzlichen Frage: Weitermachen - ja oder nein? Denn durch die sogenannte "10H-Regel", der zufolge der Abstandsradius das Zehnfache der Höhe eines Windrades betragen muss, hat in vielen Bereichen die Erreichung ohnehin schon ausgeschlossen. Für den Verbandsvorsitzenden, den Neustädter Landrat Andreas Meier (CSU), stellte sich die Sinnfrage. Der Planentwurf betreffe nur noch 0,83 Prozent der Regionsfläche.

Dennoch wird der Verband an seinen Plänen festhalten. Einige Bürgermeister befürchten Wildwuchs auf den verbliebenen, nicht klar definierten Flächen. "Wenn wir nichts machen, gelten Privilegierung und 10H", erklärte Regionalplaner Regierungsrat Michael Kreißl. Je kleiner eine Windkraftanlage, desto höher auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie die 10H-Regel erfüllen kann. Im Kreis Tirschenreuth liegen jetzt schon Bauanträge für Räder mit einer Höhe von weniger als den derzeit üblichen 200 Metern vor. "Diese Anträge kommen", sagte Landrat Wolfgang Lippert. "Dann ärgert man sich in vier oder fünf Jahren, wenn man keinen Plan hat", räumte Kreißl ein.

Nachbesserung gefordert


Andere Kommunen wiederum fürchten um ihre bereits definierten Konzentrationsflächen. So wie Freudenberg (Kreis Amberg-Sulzbach). Dort stehen bereits drei Windräder. Wie Bürgermeister Alwin Märkl (CSU) unserer Zeitung berichtet, habe seine Kommune 104 Hektar reserviert. "Wir wollten der Windkraft Raum bieten, aber auch Flächen ausschließen, die wir für ungünstig halten." Deshalb sei man tief in die Planung eingestiegen - deutlich tiefer als der Planungsverband. Dieser hat dennoch Vorrangareale vorgeschlagen, die die Gemeinde bereits explizit ausgeschlossen hatte. Märkl will diese Gebiete auch weiterhin ausgeschlossen haben. Denn: In Freudenberg weht viel Wind, die Region ist bei Betreibern gefragt. Der Amberg-Sulzbacher Landrat Richard Reisinger forderte deshalb, den Planentwurf nachzubessern. Unzufrieden ist auch Annette Karl (SPD): "Ich habe den Eindruck, dass dieser Plan nicht ganz ausgewogen ist." In Eslarn etwa seien Flächen für Windkraft aus dem Plan genommen worden, obwohl diese von den Bürgern favorisiert worden seien. Karl missfiel ferner die Aufnahme von vier Standorten in Landschaftsschutzgebieten im Kreis Neustadt/WN.

Der derzeitige Entwurf umfasst 45 Vorranggebiete. An der Spitze steht der Kreis Amberg-Sulzbach mit 1250 Hektar, gefolgt vom Kreis Schwandorf mit 1160 Hektar. Im Kreis Neustadt/WN sind es 180 Hektar. Potenziale für Windräder gebe es vor allem in der Mitte und im Süden der Region,erklärte Kreißl. Der Norden sei zwar wegen der Windverhältnisse besser geeignet, dort gebe es allerdings Einschränkungen aus Gründen des Denkmal- und Naturschutzes.

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Weitere Informationen:

www.energieatlas.bayern.de

Windrad-SchwerpunkteDerzeit stehen in der Region 46 Windräder, weitere fünf sind genehmigt. Fast die Hälfte aller Anlagen steht im Kreis Amberg-Sulzbach. Bayernweit existieren fast 900 Windkraftanlagen. (räd)
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 01.08.2016 | 23:43  
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