Platz da: Vereine teilen Hallen

"Die Vereine müssen jetzt alle zusammenrücken." Christian Meiler, Sportbüro der Stadt Weiden

Viele Vereine in Weiden sind obdachlos. Die Berufsschulturnhalle ist längerfristig gesperrt. Wo Sportler vorher Bälle warfen und kletterten, wohnen nun Menschen. Wo finden die Sportgruppen Asyl? Auch in diesem Fall hilft die Stadt.

15 Vereine und Sportgruppen trainieren täglich von 16 bis 22 Uhr in den Räumen der Berufsschulturnhalle. Bereits letzten Donnerstag erhielten sie eine E-Mail von der Stadt. Wichtigkeit: Hoch. Unter dem Betreff "Notfallplan Asyl" erfuhren sie von der "Sperrung (...) auf unbestimmte Zeit". Seit der Pressekonferenz des Oberbürgermeisters am Mittwoch ist klar, dass die Berufsschulturnhalle langfristig als Notfallunterkunft genutzt wird.

Christian Meiler vom Sportbüro der Stadt Weiden kümmert sich um das Krisenmanagement und ist Ansprechpartner der betroffenen Sportvereine. Die Situation trifft die Sportlandschaft Weidens nicht unvorbereitet. Der Schulsport in der Berufsschule liege ohnehin auf Eis, sagt Meiler. Der habe aber bei Berufsschulen keinen so hohen Stellenwert. Kurzfristig greift der Ferienplan, in der die Hallenbelegung sowieso umstrukturiert wird. Hier ist Meiler im engen Austausch mit dem Stadtjugendring, der sämtliche Hallen in Weiden für Ferienaktionen nutzt. Außerdem kann die Behörde auf einen Notfallplan zurückgreifen, der bereits seit Monaten in den Schubladen liegt.

In dieser Woche musste der gesamte Trainingsbetrieb ausfallen. Doch das Sportbüro arbeitet an einem Ersatzplan. Der Trainingsbetrieb soll auf die restlichen Schulhallen und die Mehrzweckhalle verteilt werden. Dort findet aber schon ein regulärer Trainingsbetrieb statt. "Die Vereine müssen jetzt alle zusammenrücken", meldet Meiler. Zu diesem Zweck will der Sportbeauftragte die Betroffenen zu einem runden Tisch einladen.

Vereine rücken zusammen

Am stärksten trifft es die Volleyball-Abteilung des Turnerbundes. Sie hält nicht nur alle Heimspiele, sondern auch den gesamten Trainingsbetrieb in der Berufsschule ab. Doch auch der TB hat seinen eigenen Notfallplan erstellt. Die Heimspiele gehen in der Spielgemeinschaft Vohenstrauß über die Bühne oder werden nach außen verlagert. Das größte Problem für den Verein ist jedoch der Trainingsbetrieb. Fast täglich nutzen Jugend-, Damen- und Herrenmannschaften die Halle. Meiler will die Trainingseinheiten hauptsächlich auf das Kepler-Gymnasium umleiten.

Die Sektion Weiden des Deutschen Alpenvereins (DAV) dagegen hat kaum Möglichkeit für Alternativen. Die Skigymnastik im Winter kann noch auf andere Hallen ausweichen. Doch der DAV bietet Kletterkurse für Jugendliche an einer fest installierten Kletterwand in der Berufsschulhalle an. Der Vorsitzende der Sektion Weiden, Stefan Schönberger, sieht "keine Chance" für eine Ausweichlösung.

Irgendwo müssen sie hin

Trotz der schwierigen Situation für seinen Verein zeigen sich die betroffenen Vereinsvertreter verständnisvoll. "Was nützt es, wenn wir auf die Barrikaden gehen. Irgendwo müssen die Flüchtlinge ja unterkommen", gibt der Abteilungsleiter der TB-Volleyballer, Peter Rathgeber, zu bedenken. Er hoffe nun auf die Unterstützung der Vereine, die nicht von der Sperrung betroffen sind. "Jeder muss nun etwas zurückstecken. Alle sind gefragt."

Würden alle Stricke reißen, fordert er die Auslagerung der Hobbysportgruppen. "Wir machen Jugendarbeit und spielen in der Liga." Die "Gaudi-Truppen" würden auf das Training verzichten müssen, so Rathgeber. Ähnlich sieht das Christian Meiler. "In den Sportförderrichtlinien der Stadt ist ganz klar geregelt, dass der Schul- und Vereinssport den Hobbysportgruppen vorzuziehen ist." Er appelliert an das Verständnis aller Beteiligten. "Die Vereine haben in der Vergangenheit bewiesen, dass alle zusammenhalten, wenn es nötig ist."
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