Podiumsdiskussion über den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt
"Wir bauen hier Europa"

Erfahrungsaustausch (von links): Moderator Dr. Wolfgang Weber (OTH), Ludwig Rechenmacher (ehemals Handwerkskammer), Konsulin Lidie Holinková, Gerald Prell (Fußballschule Rehau) und Gerald Igl vom Bildungsträger GSI. Bild: sbü

"50 Prozent der neuen Stellen werden in Bayern mit ausländischen Arbeitnehmern besetzt", sagt Thomas Würdinger, Chef der Agentur für Arbeit. Vielen Branchen bleibt gar nichts anderes übrig, sie werben gezielt an. Was dabei besser laufen könnte, war ein Thema einer Podiumsdiskussion.

(sbü) Experten aus Deutschland und Tschechien tauschten sich in Weiden über ihre Erfahrungen beim grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt aus. Sie berichteten von bisherigen Erfolge. Sie nannten auch bestehende Schwierigkeiten und Handlungsbedarf.

Für Willkommenskultur


"Wir bauen hier Europa." Ludwig Rechenmacher, ehemaliger Abteilungsleiter der Handwerkskammer für Außenwirtschaft, betonte die Wichtigkeit dieses Themas. Er forderte eine neue Qualität der Willkommenskultur gegenüber tschechischen Arbeitnehmern und verwies auf das Beispiel Oberösterreich. Dort sei diese Willkommenskultur in der ganzen Region verankert. In der Oberpfalz fehle dagegen noch "die grenzübergreifende ordnende Hand".

Aus ihrer tschechischen Heimat berichtete Konsulin Lydie Holinková vom Generalkonsulat der Tschechischen Republik in München. Sie erklärte das Berufsschulwesen in Tschechien: "Unseren Berufsschülern fehlt die Praxis." Eine Handwerkerausbildung gebe es in Tschechien nicht, vielmehr gelte die Devise: "Wer in Tschechien kein Abitur hat, ist ein Looser." Auf die Frage, ob man in Tschechien die Abwanderung von Fachkräften nach Deutschland fürchte, sagte die Konsulin: "Die Tschechen, die herkommen wollten, sind schon da."

Aus seiner Erfahrung mit ausländischen Auszubildenden berichtete der Personalleiter von Witron Logistik und Informatik GmbH, Theo Zeitler. Anders als bei deutschen Auszubildenden gebe es bei ausländischen Auszubildenden einen großen zusätzlichen Handlungsbedarf, um den Ausbildungserfolg zu gewährleisten, stellte Zeitler fest. Witron biete daher verschiedene Mentoren- und Tutoren-Modelle an. Die Firma halte zu den jungen Leuten aus dem Ausland auch außerhalb der Arbeit Kontakt, beispielsweise bei Ausflügen, oder bringe sie in Vereine.

Vorsitzender Gerald Prell stellte die deutsch-tschechische Fußballschule in Rehau vor. "Wir sind seit 15 Jahren ein offenes Bildungsprojekt für Neun- bis Zwölfjährige und keine Sportschule." Deutsche und tschechische Kinder trainierten gemeinsam Fußball und besuchten daneben einen Sprachkurs. Über 10 000 Kinder sind schon betreut worden.

Erst begonnen hat dagegen das Projekt "Mobi Pro EU". Gerald Igl, Geschäftsführer des Bildungsträgers GSI, berichtete darüber. 15 Jugendliche aus Rumänien haben seit September in Firmen der Region, vorwiegend im Metallbereich, eine Ausbildung begonnen. Sie wurden in Rumänien ausgewählt und erhielten dort bereits einen Deutsch-Kurs. Seine Bildungseinrichtung wird die Jugendlichen während ihrer Ausbildung begleiten.

Respekt gefordert


Moderiert wurde die Fragerunde von Dr. Wolfgang Weber, Leiter Grundsatzangelegenheiten an der OTH Amberg-Weiden. Er berichtete von einer Befragung von 62 Schülern der Hotelfachschule Pilsen zum Thema Willkommenskultur. Diese fordern unter anderem "eine gute Aufnahme in die Gesellschaft und ein Zusammenleben in Respekt".
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