Podiumsdiskussion zum Thema Architektur
Vision und Realität

Architektenphilosophie traf auf die Realität in den Städten. Es diskutierten (von links) Architekt und Mitglied des Vorstands der Bayrischen Architektenkammer Karlheinz Beer, Rechtsanwalt Dr. Lutz Rittmann, Architekt Peter Brückner, Moderator Oliver Heiss und Stadtbau-Geschäftsführer Günther Kamm
Politik
Weiden in der Oberpfalz
22.07.2016
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"Wir reißen viel zu schnell ab, so werden Identitäten zerstört und Nachhaltigkeit beseitigt." Diese Aussage stellte Architekt Karlheinz Beer an den Beginn des Diskussionsabends der Bayerischen Architektenkammer.

(sbü) Veranstaltungsort war das Keramikmuseum. "80 Prozent der Bauinvestitionen fließen in den Bestand", berichtete Architekt Karlheinz Beer im einleitenden Referat. "Konservieren, Interpretieren, Transformieren". Darunter sei mehr zu verstehen, als nur die Errichtung oder Erhaltung funktionsfähiger Einheiten. Das Konzept basiere auf dem Grundgedanken, dass Städte und ihre Bauwerke "Orte der Erinnerung sind, mit denen Menschen auch den Begriff Heimat verbinden".

Drei Alternativen


Im Umgang mit dem Baubestand schlagen die bayerischen Architekten drei Alternativen vor: "Konservieren" gilt als Strategie, bei der "allenfalls repariert wird", damit "Bestand und Formensprache" eines Gebäudes aus der Entstehungszeit erhalten bleiben. "Interpretieren" geht einen Schritt weiter. Dabei werden "Veränderungen im Bestand im Sinne der ursprünglichen Gestaltung durchgeführt". Schließlich wird im Falle von "Transformieren" die bauliche Grundstruktur genutzt, aber funktional verändert. Bestand und Umbau würden zu einem "neuen architektonischen Ausdruck verschmelzen".

In der Podiumsdiskussion debattierten Vertreter verschiedenster Fachrichtungen dieses Konzept. Moderator Oliver Heiss lobte die Innenstadt von Weiden, in der man angesichts der Vielfalt und historischen Substanz "Grundseminare für Bautechniken abhalten kann". Als Geschäftsführer der Stadtbau GmbH stellte Günther Kamm fest: "Nachhaltigkeit ist unsere Unternehmensphilosophie, aber Nachhaltigkeit beginnt heute". Eine Immobilie müsse sich in der Zukunft bewähren.

Kamm bezeichnete sich selbst als "Freund vom Bauen im Bestand". Er wünscht sich aber auch, "dass der Denkmalschutz auf unsere Themen eingeht, denn ein Gebäude ist kein Selbstzweck". Architekt Beer meinte dazu: "Auch die Vergangenheit hat ihren materiellen und ideellen Wert." Wenn es nur um Wirtschaftlichkeit ginge, müsste man alle Altstadthäuser abreißen und energieeffiziente Gebäude errichten. Gebäude müssten von Menschen angenommen werden. Er schlug vor, in Weiden einen Gestaltungsbeirat einzurichten.

Den Denkmalschutz sah Rechtsanwalt Dr. Lutz Rittmann "teils als Fluch, teils als Segen". Einerseits verhindere der Denkmalsschutz, "dass schnelle Profitinteressen umgesetzt werden". Wenn zu viele Auflagen die Sanierung eines verfallenden Gebäudes blockieren, sei es ein "Fluch". Derartige Fälle gebe es in Weiden nicht selten. Manchmal sei es auch günstiger, einen Bau deshalb neu zu errichten, weil Geld für die Sanierung fehle. Diesen Aspekt griff auch Stadträtin Hildegard Burger auf. Sie schilderte - im Publikum sitzend und stellvertretend für den abwesenden Oberbürgermeister - die schwierige Gebäude- und Flächensituation der Stadt Weiden.

Bestand weiterentwickeln


Dass jedes Gebäude Qualität und Defizite, aber auch Potenzial habe, betonte Architekt Peter Brückner. Man müsse jeden Fall für sich betrachten. Schulen würden zum Beispiel Schülern und Eltern "Identität geben". Allerdings sei das Raumprogramm der "Schulen von damals" heute zu groß. Bester Ansatz ist für Brückner "die Weiterentwicklung bestehender Gebäude". Er forderte "mehr Offenheit der Menschen für Dinge, die nicht ihren Sehgewohnheiten entsprechen" und betonte: "Parteipolitik schadet."

Begrüßt hatte die Zuhörer die Leiterin des Keramik-Museums, Stefanie Dietz. Das Konzept "Konservieren, Interpretieren, Transformieren" kann kostenlos bei der Bayerischen Architektenkammer (www.byak.de) angefordert werden.
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