Polizei und Diakonie starten Kooperationsprojekt
Die Gewaltspirale durchbrechen

Politik
Weiden in der Oberpfalz
24.02.2016
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Die Thematik ist alt, der Ansatz neu. Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, bleiben in den meisten Fällen bei ihrem Mann. "Eine Stresssituation zu verlassen, ist nicht einfach, vor allem für Mütter", weiß Diakon Karl Rühl. Doch unabhängig davon sei es wichtig, diesen Frauen Hilfe zu bieten. Das soll im Raum Weiden-Neustadt-Tischenreuth jetzt noch intensiver geschehen. Polizeipräsident Gerold Mahlmeister und Diakon Rühl bekräftigten dies am Dienstag mit ihrer Unterschrift. Sie unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung zum pro-aktiven Beratungsansatz zwischen dem Diakonischen Werk Weiden und dem Polizeipräsidium Oberpfalz.

Polizei hinterlässt Lücke


"Der Polizist muss nach einem Vorfall oft gehen und weiß, er hinterlässt eine Lücke, die sozialberaterisch geschlossen werden müsste", sagt Rühl. Die neue Kooperationsvereinbarung - angeregt durch das Bayerische Sozialministerium - sieht nun folgendes vor: "Unsere Polizeibeamten fragen die betroffenen Frauen, ob sie mit der Weitergabe ihres Namens einverstanden sind", erklärt Mahlmeister. Wenn die Frauen zustimmen, wird Martina Pain-Liebl informiert. Die Sozialpädagogin ist bei der Diakonie eigens für diesen Bereich zuständig. 12 Stunden pro Woche sind dafür vorgesehen. Aufgabe von Martina Pain-Liebl ist es, die Frau innerhalb von drei Tagen zu kontaktieren und ihr die verschiedenen Beratungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Die Kooperation mit der Diakonie lag nahe, so Rühl, weil sie in Weiden bereits das Frauenhaus betreibt. "Unsere Fachkräfte bieten selbst ambulante Beratung, und die Leiterin Marianne Kleber-Meierhöfer hat viele Kontakte zu anderen Beratungsstellen." Mit diesem Hilfsangebot soll die Spirale der Gewalt so früh wie möglich durchbrochen werden, macht Polizeipräsident Mahlmeister klar. Wichtig sei das nicht zuletzt für die oft mitbetroffenen Kinder.

Immerhin 262 Fälle von häuslicher Gewalt notierte die Polizei in der Nordoberpfalz 2015, ein Jahr zuvor waren es 282. Oberpfalzweit ist die Zahl 2015 sogar gestiegen. "Wir wollen beim ersten Aufschlag Hilfe anbieten." Dabei ließe sich manches auch straffrei gestalten. Ein weiterer Vorteil, laut Martina Pain-Liebl: "Bei uns und in vielen Beratungsstellen sind Frauen die ersten Ansprechpartner." Sie unterliegen selbstverständlich der Schweigepflicht.

Trotz positiver Erfahrungen in Regensburg, Amberg und Schwandorf räumt der Polizeipräsident ein: "Wenn 10 Prozent das Angebot annehmen, sind wir zufrieden." Auch Kleber-Meierhöfer weiß: "Die meisten Frauen hoffen, dass alles wieder gut wird." Dass die Kooperation in der Nordoberpfalz später startet als im Süden, liegt laut Rühl zum einen an der schlechten Finanzlage der hiesigen Kommunen: "Keiner hat sich gesperrt, aber es ist auch niemand wild darauf, zusätzliche Leistungen zu übernehmen." Zum anderen wird das Projekt erst seit 2015 vom Sozialministerium gefördert - mit 80 Prozent der Kosten. Jeweils 10 Prozent übernehmen die Kommunen und der Träger. (Angemerkt)
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