"Polizeihasser von Weiden" droht Gefängnisstrafe

(ca) Sein loses Mundwerk gepaart mit einer Antipathie gegen alles, was nach Staatsmacht aussieht, ist einem 55-jährigen Weidener zum Verhängnis geworden. Das Amtsgericht verurteilte ihn wegen Beleidigung von Polizisten zu einer Freiheitsstrafe, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Urteil lautet auf vier Monate Haft. Der gelernte Buchhändler - derzeit wegen Erkrankungen erwerbslos - tritt die Strafe vorerst nicht an. Sein Anwalt Marc Steinsdörfer kündigt Rechtsmittel an.

Sechs Mal ist der 55-Jährige wegen Beleidigung vorgeahndet, zwei Mal wegen Trunkenheitsfahrten mit dem Fahrrad. Für die letzte Beleidigung lief noch die Bewährungfrist, als der 55-Jährige im Oktober 2014 nachts mit seinem Radl unterwegs war. Kurz vor Mitternacht schob er sein Rad wegen eines Plattens durch die Nikolaistraße, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Am Lenker baumelte das Schloss. Einer Streife kam das suspekt vor. Die 34-jährige Beamtin und ihr Kollege (32) entschlossen sich zur Kontrolle. "Weil es sich um diesen Herrn handelte?", fragt Richter Hubert Windisch. Das weisen beide Polizisten weit von sich. Der Jüngere ist erst kurz auf der Dienststelle. Und die Polizistin sagt: "Man konnte nicht einmal erkennen, ob unter der Kapuze Männlein oder Weiblein war."

Aber sie sollten ihn kennenlernen. "Er hat gleich losgelegt. Ob er in diesem Polizeistaat nicht einmal in Ruhe sein Radl schieben könne. Ob wir ihn nicht kennen: Er sei der Polizeihasser von Weiden." Daraufhin sah die Frau genauer hin und verwechselte den Mann ausgerechnet mit seinem Bruder, der kurz davor verstorben war. Für Verteidiger Steinsdörfer war diese "spezielle Situation" Auslöser für das, was folgte: "Das hat ihn aufgewühlt." Zudem sei es für seinen Mandanten die zehnte Kontrolle innerhalb eines Jahres gewesen. "Und er hat ein gewisses Problem, in bestimmten Situationen seine Goschen zu halten."

Die Folge: Während der Kollege die Personalien prüfte, musste sich seine Kollegin ordentlich was anhören. "Wir sollten lieber Nazis fangen, aber das würden wir ja nicht tun, weil wir die gleiche Gesinnung hätten. Nur ein toter Polizist ist ein guter Polizist", zählt die 34-Jährige auf. Am Ende beleidigte sie der Angeklagte - mit unwiederholbarem Wortlaut - unter der Gürtellinie. "Ich höre mir ja viel an." Aber nicht alles.

"Warum gelingt es Ihnen nicht, irgendwann mal den Mund zu halten?", interessiert sich Richter Hubert Windisch. Darauf bekommt er am Mittwoch keine Antwort. Der Angeklagte sagt ausnahmsweise mal fast gar nichts. Auch Staatsanwältin Susanne Pamler wartet vergebens auf eine Entschuldigung und fordert am Ende fünf Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Leicht fällt ihr das nicht: "Wir haben hier niemanden, der grundsätzlich ein schwerer Straftäter ist, sondern jemanden, der sich mit Beharrlichkeit immer weiter vorgearbeitet hat." Geldstrafen hätten ihn bisher wenig beeindruckt. Im aktuellen Fall habe der Angeklagte die Polizistin massiv herabgewürdigt und mit dem Nazivergleich eine ganze Berufsgruppe beschädigt. "Statt Ihr Mundwerk im Zaum zu halten, haben Sie dem Ganzen eine Krone aufgesetzt."

Kurioserweise hat es der 55-Jährige dem Landgerichtspräsidenten Walter Leupold zu verdanken, dass er nicht schon vor einem Jahr einrücken musste. 2014 hatte er einen Richter beleidigt. Als Dienstherr stellte Leupold Strafantrag, zog ihn aber wieder zurück. Richter Hubert Windisch sah jetzt keine Alternative mehr zur Haft: "Das muss sich niemand anhören, das überschreitet eine Grenze."
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